Gesprengter Geldautomat in Hünstetten-Wallbach

Die Diebe kommen mitten in der Nacht. Ihr Handwerkszeug: Gas. Damit sprengen sie Geldautomaten in die Luft, richten enormen Schaden an und machen oft fette Beute. In Hessen ist die Zahl der Sprengungen zwar leicht gesunken, doch an Weihnachten knallte es erneut.

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Der zerstörte Rest des Bank-Automaten
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Die Zahl der Geldautomaten-Sprengungen in Hessen ist anders als im Bundestrend leicht gesunken. Bis Mitte Dezember seien in diesem Jahr 29 Fälle registriert worden nach 38 im Vorjahreszeitraum, teilte das Polizeipräsidium Mittelhessen mit. Die Beamten in Gießen sind in Hessen für die Ermittlungen bei den Automaten-Angriffen zuständig.

Sprengung in Limburg gescheitert

Die aktuelle Statistik ist in der Nacht zum Donnerstag aber gleich um einen weiteren Fall verändert worden. Unbekannte haben in Limburg versucht, einen Geldautomaten zu sprengen. Der Automat, der im Stadtteil Lindenholzhausen im Vorraum einer Bankfiliale steht, konnte ersten Ermittlungen zufolge nicht geöffnet werden, wie die Polizei mitteilte. Die Täter zogen ohne Beute ab.

Häufig nutzen die Täter Gasgemische, um die Geräte aufzusprengen und an das Bargeld im Innern zu gelangen. "Die Gefährdung ist immens", sagt Jörg Reinemer, der Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelhessen mit Blick auf die schwer einzuschätzenden Folgen einer Detonation. Das Risiko betreffe vor allem die Täter, in Einzelfällen aber auch unbeteiligte Dritte. Zum Glück geht es meistens glimpflich aus: Der Polizei wurde etwa im Jahr 2017 kein einziger Fall mit Verletzten bekannt.

Mehr Schaden als Beute

Bundesweit zeigt der Trend bei den Automatensprengungen nach oben: Das Bundeskriminalamt in Wiesbaden rechnet für 2018 mit einem neuen Höchststand und mindestens 350 versuchten und vollendeten Fällen. Die meisten Taten wurden nach den vorläufigen Zahlen in Nordrhein-Westfalen verübt, gefolgt von Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz sowie Berlin. Die Höhe der dadurch entstandenen Schäden und erbeuteten Beute war unklar. Es handelt sich dem BKA zufolge aber um "teils beträchtliche Geldbeträge".

Eine Erklärung für den Rückgang hierzulande hat das Gießener Polizeipräsidium nicht. Die höhere Fallzahl im Vorjahr könnte dem BKA zufolge damit zusammenhängen, dass damals Täter aus dem Schwerpunktland Nordrhein-Westfalen nach Hessen ausgewichen sind. Einen deutlichen Rückgang gibt es auch bei den klassischen Banküberfällen zu verzeichnen. 2017 hat deren Zahl mit 16 einen Tiefststand erreicht.

Professionelle Banden als Haupttäter

Das Vorgehen der Kriminellen ähnelt sich bundesweit: Sie suchen sich Automaten, die verkehrsgünstig gelegen sind. So können sie schnell über Bundesstraßen oder Autobahnen fliehen. Das tun die Täter gerne mit hochmotorisierten Wagen und rücksichtsloser Fahrweise, wie Reinemer erzählt. Die Beamten gehen davon aus, dass die Diebe "mit hoher Wahrscheinlichkeit" zur organisierten Kriminalität gehören. Ein Großteil agiere bandenmäßig, arbeitsteilig und sehr professionell.

Die Diebe nehmen oftmals weite Wege in Kauf, um ihre Taten zu begehen: Bei den meisten Verdächtigen handelt es sich um reisende Täter aus dem europäischen Ausland, so das BKA. Das erschwert die Ermittlungen. Was sie außerdem schwierig macht: Durch die Explosionen werden häufig Spuren vernichtet und es fehlen Zeugen, wie Reinemer auflistet.