Räumung des Protestcamps im Treburer Wald
Zwei Aktivisten hatten sich fest im Waldboden verankert. Bild © Polizei Frankfurt

Seit Monaten protestieren Aktivisten gegen die geplante Rodung des Treburer Waldes. Ein Waldstück soll einem Autobahnzubringer zum neuen Terminal am Frankfurter Flughafen weichen. Jetzt räumte die Polizei das Gelände - und die ersten Abholzmaschinen fuhren bereits vor.

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hs

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Mehrere hundert Polizisten rückten am Dienstagmorgen im Treburer Wald bei Neu-Isenburg-Zeppelinheim an - und am Nachmittag um halb drei meldeten sie Vollzug: Das Protestcamp nahe der A5 am Frankfurter Flughafen war geräumt. Aktivisten verschiedener Bürgerinitiativen hatten seit Anfang des Jahres in dem Camp ausgeharrt, um die geplante Rodung des Waldstücks zu verhindern. Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport will dort einen neuen Autobahnzubringer zum künftigen Terminal 3 bauen.

Aktivist: "Wir bleiben friedlich"

Laut Polizei verlief die Räumung weitgehend friedlich. Allerdings hatten sich zwei der Aktivisten "sehr solide und stabil" mit Ketten und beschwerten Tonnen im Waldboden verankert, wie ein Polizeisprecher dem hr sagte. "Die beiden Personen sind unterkühlt, es besteht daher Gefahr für deren Gesundheit", so der Sprecher. Mit Decken wurde versucht, die beiden vor Kälte zu schützen, bis sie schließlich nach mehreren Stunden befreit werden konnten. Beiden geht es der Polizei zufolge "soweit gut".

Nach 4 Stunden vom Baum gelöst und vorsorglich vom Arzt gecheckt. Das Camp im #TreburerWald ist mittlerweile leer und wird vom Kampfmittelräumdienst überprüft. #Ffm112018

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15 Aktivisten wurden laut Polizei bereits am Morgen abgeführt und erhielten einen Platzverweis. Ein Aktivist habe sich geweigert, die Personalien aufnehmen zu lassen und sei in Gewahrsam genommen worden. Weitere Aktivisten mussten aus Baumhäusern oder Baumkronen geholt werden. Insgesamt hielten sich 21 Personen in dem abgesperrten Bereich auf.

Heute gibt es Linsen-Eintopf. Wir haben noch gaaanz viel leckeres #veganes essen. #TreburBleibt #VeganRevolution Solidarität to All human Animation protecting Our Planet! #Hambibleibt #zad

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Die Aktivisten hatten den ganzen Vormittag über immer betont, friedlich bleiben zu wollen. Die Protestierenden hatten bereits in der Nacht getwittert, dass die Räumung durch die Polizei offenbar bevorstehe. Unter dem Hashtag #TreburBleibt riefen sie zur Unterstützung auf. Einer der Campbewohner schickte über Twitter ein Foto aus einem Baumhaus, in dem gerade Eintopf aufgewärmt wird. "Heute gibt es Linsen-Eintopf. Wir haben noch gaaanz viel leckeres #veganes Essen."

Grafik Waldrodung
Die rote Fläche soll gerodet werden. Bild © Google Maps, Grafik: hessenschau.de

#TreburBleibt : #Aktivistis als Support hier! Fire burning! Stimmung ist gut. #ParlamentarischeBeobachter & #Presse angefragt! Solidarischer Support ab morgens erwünscht! Später auch #Livestream #KommtAlle #TreburBleibtFFM @HambiBleibt #Waldliebe

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Einzäunung Treburer Wald
Das Waldstück wurde am Dienstag eingezäunt. Bild © Michael Seeboth (hr)

In dem Waldstück unweit der A5 demonstrieren Aktivisten der Bürgerinitiativen aus Mörfelden-Walldorf und Trebur, die Umweltorganisation Robin Wood und andere seit dem 7. Januar gegen die geplante Rodung und den Bau des dritten Terminals. Der Flugverkehr sei ohnehin schon eine enorme Umwelt- und Gesundheitsbelastung, argumentieren sie. Die geplante Rodung würde darüber hinaus die Lebensgrundlage vieler Tiere zerstören.

Fraport: Rodung schon kompensiert

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Fraport-Logo und Stift mit Fraport-Aufschrift

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Fraport-Sprecher: "Sehr entspannte Atmosphäre"

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Die Gemeinde Trebur (Groß-Gerau) hatte das sechs Hektar große Areal, von dem 4,5 Hektar gerodet werden sollen, an die Fraport verkauft. Die Anschlussstelle Zeppelinheim sei "ein wichtiger Meilenstein für die Verkehrsanbindung des Terminal 3", erklärte die Fraport am Dienstag. Sobald das Gelände eingezäunt sei, werde mit den Rodungsarbeiten begonnen. Die ersten Abholzmaschinen fuhren am Dienstagmittag bereits vor. Der eigentliche Baustart ist für Anfang 2019 geplant, fertig soll der Autobahnzubringer bis 2021 sein.

"Das Areal ist die letzte Fläche, die im Rahmen des Flughafenausbaus in Anspruch genommen wird", teilte die Fraport mit und betonte, dass bereits für jeden Baum, der gefällt wird, an anderer Stelle ein neuer Baum gepflanzt worden sei.

"Hessen war noch nie so grün", kommentierte Linken-Fraktionschefin Janine Wissler die bevorstehende Rodung ironisch - und griff damit einen Satz der Grünen nach der Hessenwahl auf.

„Hessen war noch nie so grün“, erklärten die Grünen am Wahlabend. Und eine Woche nach der Landtagswahl räumt die Polizei das Protestcamp im Treburer Wald, der für den weiteren Ausbau des Frankfurter Flughafens gerodet werden soll. #treburerwald #hambi https://t.co/Pws7TC3Ewh

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