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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Frau wegen Misshandlungen ihrer Ehemänner vor Gericht

Die Angeklagte vor dem Gießener Landgericht

Sie soll ihren Ehemann gezwungen haben Kot zu essen und ihm schwere Verbrennungen zugefügt haben. Dafür muss sich eine 40-Jährige aus Büdingen vor Gericht verantworten. Für Misshandlungen eines früheren Ehemanns war die Frau bereits verurteilt worden.

In einem Berufungsverhandlung wirft das Gießener Landbericht einer Frau aus Büdingen (Wetterau) vor, ihren damaligen Ehemann zwischen 2011 und 2018 mehrfach mit heißen Schöpflöffeln am Oberkörper so schwer verbrannt zu haben, dass er dauerhaft entstellt wurde. Außerdem soll sie den Mann geschlagen und getreten sowie ihn dazu gezwungen haben Urin und Kot zu trinken beziehungsweise zu essen. Taten, für die das Amtsgericht Friedberg die Frau im Oktober letzten Jahres zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilte.

Doch die 40-Jährige legte gegen das Urteil Berufung ein. Wie damals bestritt sie auch zum Prozessbeginn am Montag in ihrer mehrere Stunden dauernden Vernehmung die Vorwürfe. "Das was hier vorgelesen wurde und mir zur Last gelegt wird, das habe ich nicht getan", sagte sie.

Nasenbein des ersten Ehemanns gebrochen

Die Angeklagte schilderte in der Vernehmung ihre offenbar schwere Kindheit, in der sie von Vater und Bruder missbraucht und misshandelt worden sei. Obwohl sie die Vorfälle in der Familie angezeigt habe, sei von den Behörden nicht reagiert und die Ermittlungen wieder eingestellt worden, berichtete die Frau. Die Folge für sie sei eine Depression mit Persönlichkeitsveränderung durch das Trauma, das sie erlebt habe. Deswegen sei sie auch bereits seit Jahren in Therapie.

Ihre erste Ehe schloss die Frau im Jahr 2003. Ihren damaligen Mann beschreibt das Gericht als stark willensschwach und unterwürfig. Er sei von der Angeklagten abhängig gewesen. Wenn ihr Partner einen Fehler begangen habe, sei er von ihr ins Gesicht geschlagen oder an den Haaren gezogen worden. Einmal habe sie so fest zugeschlagen, dass er mit gebrochenem Nasenbein im Krankenhaus behandelt werden musste.

Die Angeklagte dagegen beschrieb die Beziehung zu ihrem ersten Ehemann vollkommen anders. Nach ihrer Version war sie das Opfer: "Ich habe alles mit mir machen und alles über mich ergehen lassen", sagte sie in ihrer Befragung vor Gericht. Das Landgericht Frankfurt freilich hatte diesen Schilderungen nicht geglaubt. Es verurteilte die Frau wegen der Taten ebenfalls zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren. Das Urteil hat Rechtskraft erlangt, zwei Drittel der Strafe hat die Frau bereits hinter sich.

Dritter Ehemann tot im Wald gefunden

Bei dem aktuellen Verfahren in Gießen geht es nur um die Vorfälle in der zweiten Ehe. Die Ermittlungen zu diesem Fall waren erst in Gang gekommen, als die Frau vor knapp zwei Jahren nach einem mysteriösen Leichenfund unter Totschlagsverdacht geriet. In einem Waldstück bei Heusenstamm-Rembrücken war damals der dritte Ehemann der Frau tot aufgefunden worden. Wegen der fortgeschrittener Verwesung konnte allerdings die Todesursache nicht mehr festgestellt werden. Bei dem Toten handelte es sich um einen 45-Jährigen aus Bad Nauheim.

Ausgerechnet der zweite Ehemann der Frau hatte der Polizei den Hinweis auf den Leichenfundort gegeben. Gemeinsam mit ihr habe er den Toten in dem Waldgebiet abgelegt, schilderte er damals den staunenden Kripobeamten. Seine Ex-Frau habe ihn um Hilfe gebeten. Er sei dann in die Wohnung der Frau und habe dort den Toten vorgefunden.

Der 45-Jährige soll aber eines natürlichen Todes gestorben sein. Da die Polizei keine Hinweise auf Gewalteinwirkung fand, wurden die Ermittlungen gegen die 40-Jährige eingestellt. Im Zuge dieser Ermittlungen geriet die Frau dann aber immer mehr in Verdacht, ihren zweiten Ehemann schwer misshandelt zu haben. Der Mann hatte sich den Polizeibeamten in seinen Vernehmungen offenbart.

Sendung: hr4, 08.06.2020, 12.30 Uhr