Audio

Belege für "NSU 2.0"-Drohschreiben auf PC des Angeklagten gefunden

Die in Handschellen gelegten Hände des Angeklagten ruhen auf der Anklagebank.

Im Prozess um die "NSU 2.0"-Drohschreiben hat eine Ermittlerin ausgesagt. Demnach sammelte der Angeklagte systematisch persönliche Informationen über seine Opfer - auch bei Behörden. Bei der Polizei habe er sich als Kollege oder Staatsanwalt ausgegeben.

Auf den Computern des Angeklagten im "NSU 2.0"-Prozess hat die Polizei zahlreiche Belege für Drohschreiben gefunden, die er verfasst haben soll. Das berichtete eine Ermittlerin am Dienstag in dem Verfahren vor dem Landgericht Frankfurt. Alexander M. habe systematisch Daten gesammelt, durch Google-Anfragen und durch Telefonanrufe bei Behörden, Energieversorgern und Versandhäusern - und bei der Polizei.

Belege, dass der aus Berlin stammende M. Polizisten des 1. Frankfurter Polizeireviers kannte, habe man nicht gefunden. Unter anderem von einem Rechner auf diesem Polizeirevier wurden persönliche Daten abgefragt, die kurz darauf für ein Drohschreiben verwendet wurden. 

Im Zuge der Ermittlungen wurde eine interne Chatgruppe mehrerer Polizisten mit rassistischen und volksverhetzenden Inhalten entdeckt. Am Montag berichtete die Staatsanwaltschaft über eine Anklage gegen fünf Beamte deshalb.

Ordner verschlüsselt, Daten gelöscht

Es hätten sich keine Hinweise auf Mittäter ergeben, sagte die Beamtin. Belege für Kontakte zur Polizei in Hamburg oder Berlin hätten sich ebenfalls nicht gefunden. Auch dort sollen Daten abgefragt worden sein.

Die Ermittlerin sagte aber auch, dass sich verschlüsselte Ordner auf dem zuletzt benutzten Computer des Angeklagten befänden, deren Inhalte bislang unbekannt seien. Zudem seien Dateien gelöscht worden. Der Angeklagte habe dafür auch spezielle Software benutzt, um sein Vorgehen zu verschleiern.  

Angeklagter bestreitet Vorwürfe

Alexander M. bestreitet die Vorwürfe. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem Beleidigung in 67 Fällen, versuchte Nötigung und Bedrohung vor.

Die Serie der Drohschreiben begann im August 2018 mit Todesdrohungen gegen die Frankfurter Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz und ihre Familie. Die Schreiben waren mit "NSU 2.0" unterzeichnet - in Anspielung auf die rechtsextreme Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU). Bedroht wurden auch etliche Politikerinnen und Prominente aus dem Medienbereich, vor allem Frauen.

Zugang zu Mailfach, von dem aus die Drohschreiben verschickt wurden

Die Ermittler entdeckten den Angaben zufolge Fragmente der "NSU 2.0"-Drohscheiben, Hinweise auf die Nutzung des Mailpostfachs, von dem ein Großteil davon versendet wurde, sowie persönliche Daten, die darin verwendet wurden. Zudem fanden sie Hinweise auf die Nutzung von Software zum Versenden von SMS und Faxen und zum Verschleiern der eigenen Telefonnummer.

Mithilfe des Rechners konnten die Ermittler in einigen Fällen nachvollziehen, wie M. vorgegangen sei, sagte die Zeugin. Er habe dies auch in einer Art digitalem Tagebuch festgehalten. Beispielsweise habe er sich demnach als Polizist oder Staatsanwalt auf Polizeirevieren gemeldet, um Auskunft aus internen Datenbanken zu erhalten. In seiner Wohnung hätten sie Ratgeber gefunden - unter anderem ein Buch mit dem Titel "Die Kunst der skrupellosen Manipulation".

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen