In diesem Gebäude in Sinntal soll der Verdächtige Kinder sexuell missbraucht haben.
In diesem Gebäude in Sinntal soll der Verdächtige Kinder sexuell missbraucht haben. Bild © Barbara Lindemann (maintower)

Nach ihm war europaweit gefahndet worden - jetzt steht der mutmaßlich gewalttätige und sexuell übergriffige Kampfsporttrainer aus dem osthessischen Sinntal vor Gericht. Er räumte einen Teil der Vorwürfe gegen ihn ein.

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Mit einem Teilgeständnis hat am Landgericht Hanau der Prozess gegen einen mutmaßlich gewalttätigen und sexuell übergriffigen Kampfsporttrainer und Sporttherapeuten begonnen. Der 46-jährige räumte am Dienstag zum Verhandlungsauftakt die angeklagte Körperverletzung ein. Sie sei aber nicht sexuell motiviert gewesen, ließ er über seinen Verteidiger mitteilen.

Der Mann soll in einem Sportstudio in Sinntal (Main-Kinzig) jahrelang sein Unwesen getrieben haben. Nach ihm war europweit gefahndet worden, bis er im März dieses Jahres in Cuxhaven (Niedersachsen) festgenommen werden konnte. Zwischen Januar 2012 und Dezember 2017 soll er 330 Taten an elf Geschädigten begangen haben. Seine Opfer seien zum Tatzeitpunkt zwischen fünf und 21 Jahre alt und alle männlich gewesen, wie die Staatsanwaltschaft erklärte.

Mit Holzstock auf Gesäß geschlagen

Der Angeklagte soll Jugendliche in Behandlungsräumen einzeln angewiesen haben, sich vollständig auszuziehen, um dann an ihren Geschlechtsteilen zu hantieren. Zudem soll er vollständig entkleidete Opfer mit der flachen Hand oder einem Holzstock auf das Gesäß geschlagen haben.

Während des Trainings von Gruppen soll es zudem zu einer Vielzahl körperlicher Übergriffe des Angeklagten gekommen sein. Er verteilte laut Anklage Schläge und Tritte gegen das Gesäß sowie Schläge gegen den Hinterkopf. Begründet wurden die Gewalttätigkeiten mit angeblichem Fehlverhalten der jungen Sportler.

Gutachter sah in ihm Gefahr für die Allgemeinheit

Der Angeklagte wurde bereits wegen ähnlicher Vorfälle mit zwei 13 und 15 Jahre alten Jungen in einem Sportverein in seinem Geburtsort Rheda-Wiedenbrück (Nordrhein-Westfalen) verurteilt. Das Amtsgericht Gütersloh verhängte im März 1996 ein Jahr und zehn Monate auf Bewährung. Die Unterbringung in einer Psychiatrie wurde angeordnet.

Ein Gutachter hatte damals von einer sadistisch geprägten Persönlichkeit des Angeklagten gesprochen. Immer wieder kam es den Angaben zufolge zu körperlichen Misshandlungen mit rituellem Charakter. Er sei für die Allgemeinheit gefährlich, so der Gutachter damals über den Angeklagten.

Ex-Frau beschreibt Angeklagten als desinteressiert an Zärtlichkeiten

Die Ex-Frau (46), die sich im April vom Angeklagten scheiden ließ, beschrieb ihren ehemaligen Partner als Mann, der mit Frauen nicht umgehen könne und mit Zärtlichkeiten wenig habe anfangen können. Er habe sich lieber um seine jungen Sportler gekümmert, als um das Gelingen der Ehe. Von Schlägen gegen Kinder und Jugendliche habe sie nichts mitbekommen. Sie arbeitete ebenfalls in dem vom Angeklagten geführten Sportstudio. Als Sadisten, wie von einem Gutachter beschrieben, habe sie ihn nicht kennengelernt.

Auch der Zwillingsbruder des Angeklagten, der ebenfalls im Studio arbeitete, sagte aus: Von Züchtigungen und Bestrafungen der jungen Sportler habe er nichts mitbekommen. Er habe niemanden verhauen oder verletzt, wohl aber mal "einen Klaps mit einem Rattanstock auf den Hintern" verteilt. Eltern hätten dies als Trainingsbeobachter auch gesehen. Er sei mit solchen "Trainingsmethoden" aber nicht einverstanden gewesen, sagte der Zwillingsbruder.

"Das waren seine Jungs"

Der Bruder will auch nichts von sexuell motivierten Massagen mitbekommen haben. Sehr deutlich geworden sei aber nach dessen Aussage die hohe Identifikation des Trainers mit seinen Sportlern. "Das waren seine Jungs. Er hat viel von ihnen geredet", berichtete der Bruder. Er sprach aus, was sich wohl viele Prozessbeobachter angesichts der Misshandlungsvorwürfe fragten: "Wieso sind die immer wieder zu ihm gegangen? Das verstehe ich nicht."

Der Angeklagte unterrichtete in dem Studio die Kampfsportform "Allstyle Kempo", die er mitentwickelt habe, sagte Staatsanwältin Juliane Thierbach. Nach Angaben seines Zwillingsbruders sind darin Elemente des Kick- und Thai-Boxens sowie Jiu Jitsu enthalten.