Gut vier Jahre nach dem Mord an einer jungen Frau in Frankfurt wird der Prozess gegen ihren Lebensgefährten neu aufgerollt. Der 28-Jährige war zu lebenslanger Haft verurteilt worden, doch vor dem Bundesgerichtshof hatte das Urteil keinen Bestand. Grund: die Verhörmethoden der Polizei.

Das Haus in Frankfurt-Nied, in dem das Opfer lebte
In diesem Haus in Frankfurt-Nied lebte das Opfer. Bild © hr

Das Landgericht Frankfurt muss den Fall einer 29-Jährigen neu aufrollen, die im Juli 2014 in ihrer Wohnung in Frankfurt-Nied getötet wurde. Ihr heute 28 Jahre alter Lebensgefährte war im Juli 2015 von der Schwurgerichtskammer wegen Mordes "aus niedrigen Beweggründen" zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Im Verhör mit Mutter konfrontiert

Der Bundesgerichtshof (BGH) kassierte dieses Urteil nun. Die BGH-Richter rügten insbesondere die Vernehmungsmethoden der Polizei. Die Aussage des Beschuldigten hätte deshalb im Prozess nicht verwendet werden dürfen.

So hatten die Vernehmungsbeamten den Beschuldigten unter anderem mit seiner Mutter konfrontiert, um ein Geständnis zu erreichen. Dies wurde vom BGH moniert.

Mit neun Hammerschlägen getötet

Der Angeklagte hatte seine Lebensgefährtin nach mehreren Monaten Beziehung in ihrer Wohnung mit neun Hammerschlägen getötet. Anschließend schnitt er ihr die Pulsadern mit einem Rasiermesser auf, um einen Selbstmord der als depressiv geltenden Frau vorzutäuschen.

Hintergrund der Bluttat, die erst mehrere Tage später entdeckt wurde, waren Trennungsabsichten der Frau. Obwohl er finanziell dazu nicht annähernd in der Lage war, hatte er der Frau einen großzügigen Lebensstil mit Eigentumswohnung und Urlaubsfahrten versprochen.

Die Schwurgerichtskammer wird sich voraussichtlich vom 8. August an erneut mit dem Fall befassen, bestätigte die Staatsanwaltschaft am Freitag.