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zum Video Mithäftling belastet Ali B. schwer

Im Prozess um die ermordete Schülerin Susanna könnte ein Mithäftling des Angeklagten Ali B. als weiterer Zeuge gehört werden. Laut Staatsanwaltschaft soll der Mitgefangene Ali B. schwer belastet haben.

Im Mordprozess gegen Ali B. um den gewaltsamen Tod der 14 Jahre alten Susanna hat am Dienstag erstmals die Mutter der Schülerin ausgesagt. Bevor sie in den Zeugenstand trat, berichtete Staatsanwältin Sabine Kolb-Schlotter, dass Ali B. einem Mitgefangenen gegenüber die Vergewaltigung des Mädchens gestanden habe. Zum Prozessbeginn hatte der Angeklagte die Tötung Susannas gestanden, aber die Vergewaltigung bislang stets bestritten.

Der Mithäftling habe sich mit einem Brief an sie gewandt, sagte Staatsanwältin Kolb-Schlotter. Er habe darin erklärt, dass er eine Aussage machen wolle. Der Mithäftling sei daraufhin von Kolb-Schlotter und einem Polizisten verhört worden. Dabei soll der Mithäftling Ali B. schwer belastet haben.

Ali B. bat angeblich um Hilfe

Ali B. soll dem Mithäftling gesagt haben, Susanna habe sich bei der Vergewaltigung nicht gewehrt, aber geschrien, geweint und mit der Polizei gedroht. Daraufhin habe er sie von hinten erwürgt. Den Schilderungen des Mithäftlings zufolge soll Ali B. nach der Tat seinen 13 Jahre alten Bruder und den 14 Jahre alten Mansoor Q. gebeten haben, ihm beim Vergraben der Leiche zu helfen.

Mansoor Q. hatte die Polizei im Mordfall Susanna zunächst auf die Spur von Ali B. gebracht. Inzwischen muss sich Q. in einem zweiten Verfahren gegen Ali B. wegen Vergewaltigung einer Elfjährigen selbst mit verantworten. Die Verhandlung findet wegen des jugendlichen Alters des Angeklagten und des Mädchens unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Die Staatsanwaltschaft kündigte an, den Mithäftling als Zeugen im Prozess vorzuladen. Ob er gehört wird, wird das Gericht entscheiden. Bisher hatte Ali B. stets behauptet, er habe die Leiche ohne fremde Hilfe beseitigt. Doch im Laufe des Verfahrens erhärtete sich bereits der Verdacht, dass der Angeklagte die Leiche der 14-Jährigen nicht alleine vergraben hat und Helfer hatte.

Freundinnen und Zeuge belasteten zuvor schon Ali B.

So hatten zwei Freundinnen vor Gericht ausgesagt, dass Mansoor Q. sie nach Susannas Verschwinden am 22. Mai 2018 zu den Bahngleisen nahe Wiesbaden-Erbenheim geführt habe. In der Nähe war Susannas Leiche gefunden worden. Mansoor Q. habe am besagten Tag vom gewaltsamen Tod des Mädchens erzählt.

Auch Mansoor Q. hatte als Zeuge bereits Ali B. schwer belastet. So gab er an, dass Ali B. Susanna im Vorfeld der Tat mehrfach "befummelt" und ihr gedroht habe, sie umzubringen, wenn sie nicht gefügig sei.

Mutter: "Susanna war ein pflegeleichtes Kind"

Am Dienstag wurde mit Spannung die Aussage von Susannas Mutter erwartet. Die 45-Jährige schilderte die tagelange, dramatische Suche nach ihrer Tochter. "Für mich war jeder Tag der Horror", sagte Diana Feldmann.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Gerichtsreporterin: "Mutter schilderte dramatische Suche nach Susanna"

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Die Mutter beschrieb Susanna als fröhliches, pflegeleichtes, aber schüchternes Kind. Acht Jahre lang habe sie Susanna alleine erzogen, dann seien ihr Lebenspartner und bald ein zweites Kind gekommen. Sie habe immer ein enges Verhältnis zu ihrer Tochter gepflegt und ihr dennoch enge Grenzen gesetzt. So sollte Susanna immer spätestens um 22 Uhr zu Hause sein.

Entgegen anderslautender Medienberichte beschrieb die 45-Jährige ihre Tochter nicht als notorische Schulschwänzerin. Anfang 2018 habe Susanna Probleme mit Mobbing bekommen. Zu diese Zeit habe ihre Tochter eine Woche am Stück die Schule geschwänzt. Als die Mutter davon erfuhr, habe sie sich umgehend Hilfe bei der Schule geholt und sich auch freiwillig an das Jugendamt gewandt, sagte die 45-Jährige, die sehr gefasst wirkte.

Mutter: "Fehler, den ich mir bis heute nicht verzeihe"

Sachlich und ohne Belastungseifer schilderte die Mutter ihr letztes Telefonat mit Susanna in der vermeintlichen Tatnacht. Die Tochter habe sie gefragt, ob sie bei einer Freundin übernachten könne. Sie habe das erlaubt, weil es schon so spät gewesen sei. "Das war mein Fehler, den ich mir bis heute nicht verzeihe", sagte die Mutter.

Am Ende ihrer fast drei Stunden andauernden Aussage erklärte die Mutter mit gebrochener Stimme, dass mit Susanna ein Teil von ihr gestorben sei. "Aber ich muss kämpfen, weil es mir wichtig ist, dass ihre Würde wieder hergestellt wird. Ich gehe zwei bis drei Mal pro Woche auf den Friedhof und bitte sie dort um Verzeihung, auch für die Fehler, die ich gemacht habe", sagte die Mutter. Die Kraft, das durchzustehen, bekomme sie von Susanna.

Am Nachmittag sollten noch zwei Sachverständige der Rechtsmedizin sowie zwei Mitglieder der Wiesbadener Cliquen des Angeklagten und des Opfers aussagen.