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Audioseite Landgericht Hanau: Prozess um Mord ohne Leiche beginnt

Das Gebäude des Hanauer Amts- und Landgericht von der gegenüberliegenden Straßenseite fotografiert.

Obwohl von Leiche und Tatwaffe jede Spur fehlt, ist für die Ermittler klar: Ein 79 Jahre alter Vermisster aus Frankfurt wurde heimtückisch ermordet. Jetzt beginnt der Prozess gegen seinen Mieter - doch der zieht es auch im Prozess vor zu schweigen.

Im Prozess um einen mutmaßlichen Mord ohne Leiche hat der Angeklagte zum Auftakt am Donnerstag vor dem Landgericht Hanau zu den Vorwürfen geschwiegen. Die Anklage wirft dem 58-jährigen Geschäftsführer eines Autohauses in Hammersbach (Main-Kinzig) vor, seinen 79-jährigen Vermieter im Januar dieses Jahres ermordet und die Leiche so gut versteckt zu haben, dass sie bis heute nicht aufgefunden werden konnte.

Schulden beim mutmaßlichen Opfer

Der Staatsanwaltschaft zufolge sollen die beiden Männer sich seit längerer Zeit über den Mietvertrag für das Autohaus gestritten haben. Zudem sei der Angeklagte bereits mit mehreren tausend Euro im Rückstand gewesen. "Nach dem Stand der Ermittlungen gehen wir davon aus, dass es sich um einen heimtückischen Mord aus Habgier handelt", sagte Oberstaatsanwalt Dominik Mies, Sprecher der Hanauer Staatsanwaltschaft.

Der Angeklagte war im Februar festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen der Polizei ergaben, dass der Vermieter die Autowerkstatt besuchte, bevor er spurlos verschwand. Kurz darauf fanden die Beamten seinen Sportwagen im rund 30 Kilometer entfernten Maintal. Darin lag auch die Geldbörse des Mannes mit mehreren hundert Euro Bargeld. Sein Handy fanden Passanten nicht weit von dem Auto entfernt. Laut Polizei war daran Blut. Untersuchungen ergaben, dass es sich um Blut des Vermissten handelte.

Wo ist die Leiche?

Von Leiche und Tatwaffe fehlt allerdings weiterhin jede Spur. Etwas mehr Klarheit gibt es über den mutmaßlichen Ablauf der Tat: Laut Anklage soll der Geschäftsführer in einem Teil der Werkstattgaragen den Strom abgestellt haben, um seinen Vermieter dort in eine Falle zu locken. In einem abgelegenen Stromverteilungsraum, in dem beide Männer die Sicherungen überprüfen wollten, habe er den 79-Jährigen heimtückisch getötet.

Neben dem Mord legt die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten weitere Straftaten gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz zur Last. Bei Durchsuchungen seiner Wohnung waren mehrere hundert Patronen sowie ein Waffenarsenal sichergestellt worden. Der 58-Jährige schwieg bisher zu den Vorwürfen. Der Prozess ist bis Mitte Januar terminiert.

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