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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Serienbrandstifter vor Gericht

Eine von mehreren Festnahmen eines mutmaßlichen Serienbrandstifters, der Anschläge auf alternative Zentren verübt haben soll

Vor dem Frankfurter Landgericht muss sich ein mutmaßlicher Feuerteufel verantworten. Ihm wird Brandstiftung in 16 Fällen vorgeworfen. Mögliche Anschläge auf linke Projekte bleiben außen vor. Am ersten Prozesstag äußerte sich der Angeklagte nicht.

Frankfurt, Oberursel, Hanau: Ein 47-Jähriger soll laut Anklage von 2018 bis 2019 in mehreren Städten Gebäude, Fahrzeuge und Mülltonnen in Brand gesetzt haben. Dafür muss er sich ab Freitag vor dem Landgericht Frankfurt verantworten. Bei einem Balkonbrand im Oktober vergangenen Jahres entstand dabei in Frankfurt-Niederursel mit 25.000 Euro der höchste Einzelschaden. Den Gesamtschaden beziffert die Anklage auf mehr als 50.000 Euro. (Az. 3629 Js 256098/19)

Der Mann soll außerdem Brände in linken Kulturzentren und alternativen Wohnprojekten im gesamten Rhein-Main-Gebiet gelegt haben. Für diese Brände muss sich der Angeklagte nach Angaben des Landgerichts aber zunächst nicht verantworten, obwohl er mehrmals auf frischer Tat geschnappt worden war - etwa im Dezember 2018 in Hanau, als es in einem Nebenraum des Autonomen Zentrums Metzgerstraße 8 gebrannt hatte.

Schon einmal für Brandserie in Haft

Am ersten Verhandlungstag äußerte sich der Angeklagte nicht zu den Vorwürfen. Er war im Dezember vergangenen Jahres nach der letzten Tat in Oberursel (Hochtaunus) festgenommen worden und ist seither in Haft. Bereits 2001/02 kam der Mann nach einer ähnlichen Brandserie für dreieinhalb Jahre in Haft.

Auch in dem neuen Prozess soll ein psychiatrischer Sachverständiger zur Frage seiner Schuld- und Steuerungsfähigkeit gehört werden. Die Strafkammer hat vier weitere Verhandlungstage bis Anfang Dezember terminiert.

Politisches Motiv?

Im November 2019 hatte Markus Künzel, der Anwalt der Bewohner des betroffenen Hanauer Projekts, kritisiert, dass der mutmaßliche Brandstifter zunächst nicht in Untersuchungshaft genommen worden war. Der Frankfurter Jurist hatte Wiederholungsgefahr gesehen. Die Betroffenen der Wohnprojekte befürchten, dass in dem Prozess nicht geklärt wird, ob den Mann nun psychischer Zwang oder politische Überzeugungen angetrieben haben.

Ein politisches Motiv liegt ihrer Ansicht nach nahe, zumal der Angeklagte in der Vergangenheit versucht haben soll, alternative Wohnprojekte bei Behörden anzuschwärzen. Nach hr-Informationen spendete der mutmaßliche Serienbrandstifter der hessischen AfD zudem Geld.

Sendung: hr-iNFO, 20.11.2020, 9:30 Uhr