Infotafel am Justizzentrum Wiesbaden
Justizzentrum Wiesbaden Bild © picture-alliance/dpa

Mehr als 20 Jahre nach der Tat hat vor dem Wiesbadener Landgericht der Prozess um den Mord an einer Frau in Lorch begonnen. Angeklagt sind der Ehemann und seine Geliebte.

Wegen gemeinschaftlichen Mordes muss sich 22 Jahre nach der mutmaßlichen Tat seit Mittwoch ein Liebespaar vor dem Wiesbadener Landgericht verantworten. Der Mann und seine Geliebte sollen 1997 in Lorch (Rheingau-Taunus) seine Ehefrau umgebracht haben - nach Angaben der Staatsanwaltschaft aus Habgier: um an ihr Geld, eine Lebensversicherung sowie Immobilien zu kommen. Das Opfer wollte sich demnach scheiden lassen.

Tot in der Badewanne entdeckt

Die damals 37 Jahre alte Frau war tot in der Badewanne entdeckt worden. In ihrem Blut konnte ein Schlafmittel nachgewiesen werden. Zudem wies die Leiche Verletzungen auf, die vermutlich von Schlägen herrührten. Eine Obduktion hatte jedoch keine Hinweise auf einen Mord erbracht. Der heute 57 Jahre alte Ehemann war zwar unter Verdacht geraten, mangels Beweisen wurde der Fall aber zu den Akten gelegt. Der Ex-Polizist und seine heute 50 Jahre alte Lebensgefährtin hatten sich gegenseitig ein Alibi gegeben.

Der Angeklagte hatte damals eingeräumt, Stunden vor dem Tod mit seiner Frau eine heftige Auseinandersetzung gehabt zu haben. Danach habe er die Wohnung verlassen. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft war der Mann schon häufiger gewalttätig. Beide Eheleute hätten zudem Affären gehabt.

Tatort manipuliert

Im November 2017 wurde das Verfahren wieder aufgenommen. Mit speziellen Klebefolien waren 1997 Spuren an der Leiche gesichert worden. Spezialisten des Landeskriminalamts gelang mit neuesten Methoden zur DNA-Auswertung der Nachweis, dass die Geliebte das Opfer berührt hatte. Seitdem sitzen sie und ihr mutmaßlicher Komplize in Untersuchungshaft.

Die Angeklagten hätten die Frau betäubt, in die Badewanne gelegt und dann unter Wasser gedrückt, bis sie ertrank, erklärte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch. Danach hätten sie den Tatort gereinigt und manipuliert, dass es nach einem Selbstmord aussah. Die beiden hätten ihre Beziehung weiterführen und in dem Haus der Getöteten gemeinsam leben wollen.

Angeklagte wollen sich nicht äußern

Eine erst am Mittwochmorgen vorgelegte Bilddokumentation der entscheidenden Klebefolien musste zunächst von den Verteidigern analysiert und besprochen werden. Dann das Ergebnis: Zu den Vorwürfen wollen sich die Angeklagten nicht äußern. Denn aus Sicht der Verteidigung sind die Akten unvollständig. So sei nicht klar, wo sich welche Hautschuppen auf den Klebefolien befunden hätten und wie viele es jeweils gewesen seien. Das könnte wichtig sein, weil jede Folie einem Körperteil oder Kleidungsstück zugeordnet wird, wie eine Sachverständige erläuterte.

Ein Protokoll der Untersuchung soll nun so schnell wie möglich nachgereicht und die Sachverständige ausführlich befragt werden. Auch die Ergebnisse einer Vermessung der Badewanne stehen noch aus.

Sendung: hr-iNFO, 16.01.2019, 8.40 Uhr