Ulrich Kutschera in Kassel vor Gericht

Weil er Homosexuellen unter anderem eine Neigung zum Kindesmissbrauch unterstellte, wurde ein Kasseler Biologieprofessor wegen Beleidigung verurteilt. Vor dem Landgericht erfolgte nun der Freispruch.

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Audioseite Freispruch für Kasseler Professor in Homophobie-Prozess

Ulrich Kutschera nach der Urteilsverkündung.
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Im Prozess um homophobe Aussagen des Kasseler Biologieprofessors Ulrich Kutschera ist am Dienstag das Urteil gefallen: Das Landgericht Kassel sprach ihn frei.

Das Gericht kam zu dem Schluss, dass Kutscheras Aussagen als nicht volksverhetzend zu werten seien. Es sah sie als vom Grundgesetz geschützte Meinung an, die auch scharf und verletzend sein dürfe. Auch Aussagen, die für viele Menschen schwer erträglich seien, seien nicht gleich strafbar.

Damit ist das vorherige Urteil des Amtsgerichtes Kassel aufgehoben. Kutschera war im August 2020 in erster Instanz wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 6.000 Euro verurteilt worden.

Homo-Ehe als "Horror-Kinderschänder-Szenario" bezeichnet

Die Anklage hatte Kutschera vorgeworfen, sich 2017 in einem Interview mit dem Online-Portal "kath.net" homophob geäußert zu haben. Der heute 66-Jährige unterstellte Homosexuellen darin eine Neigung zu sexuellem Kindesmissbrauch und bezeichnete gleichgeschlechtliche Paare als "sterile, asexuelle Erotik-Duos ohne Reproduktionspotenzial", hieß es in der Anklage.

Ein mögliches Adoptionsrecht nannte Kutschera "staatlich geförderte Pädophilie mit schwerstem Kindesmissbrauch", die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare eröffne ein "mögliches Horror-Kinderschänder-Szenario".

Die Anklage warf Kutschera vor, zumindest billigend in Kauf genommen zu haben, dass seine Aussagen Homosexuelle herabwürdigen und verletzen. Dieser Argumentation folgte das Landgericht nun nicht.

Wie ein Gerichtssprecher auf Anfrage mitteilte, hat die Staatsanwaltschaft die Möglichkeit, innerhalb einer Woche Revision gegen das Urteil einzulegen. Ob sie das tun wird, war am Mittwoch noch nicht bekannt.

Proteste aus der queeren Community

Protestierende halten ein Plakat mit der Aufschrift "Rechte Hetze wegglitzern" hoch

Nach dem Interview im Jahr 2017 hatte es mehrere Anzeigen gegeben. Die Universität Kassel distanzierte sich von Aussagen des Professors, der unter anderem den Schwerpunkt Evolutionsbiologie hat. Seine Thesen sind schon länger umstritten.

In der Vergangenheit gab es mehrmals Proteste aus der queeren Community und von Studierenden gegen Kutscheras Thesen. Auch der vorangegangene Prozess vor dem Amtsgericht war von einer Demonstration mit Regenbogenflaggen begleitet worden.

Sendung: hr-iNFO, 02.03.2021, 19.00 Uhr