Der Angeklagte vor Gericht mit seinen Anwälten
Der Angeklagte vor Gericht mit seinen Anwälten Bild © hr

In Frankfurt hat der Prozess gegen einen mutmaßlichen Pädophilen begonnen. Der Mann hat als Therapeut selbst Pädophile behandelt. Zum Start bestritt er die ihm vorgeworfenen Übergriffe auf Minderjährige.

Er soll in Thailand minderjährige Jungen missbraucht und selbst massenhaft Kinderpornos besessen und verbreitet haben - seit Dienstag steht ein 53-Jähriger deshalb vor dem Frankfurter Landgericht. Das Besondere daran: Der Angeklagte ist selbst Therapeut, Menschen mit pädophilen Neigungen ließen sich von ihm behandeln.

"Therapie" in Thailand

Laut Staatsanwaltschaft hatte sich der Diplompsychologe Ende 2005 zusammen mit einem Patienten nach Fernost begeben. Dort soll er sich an sexuellen Übergriffen auf Minderjährige beteiligt haben. Das bestritt der 53-Jährige am ersten Tag der Verhandlung jedoch.

Der Patient habe ihn mit Depressionen und Wahnvorstellungen aufgesucht, gab der Angeklagte an. Man habe sich im Rahmen einer Therapie für den gemeinsamen Thailand-Aufenthalt entschieden. Dort habe sein Patient dann vorgeschlagen, Jugendliche aus den Händen von Zuhältern zu befreien.

In einem Hotelzimmer sei es wohl schließlich zu den Übergriffen gekommen, die der Patient mit der Kamera des Angeklagten festgehalten habe. Er selbst habe davon nichts mitbekommen, so der Beschuldigte.

Teilnahme an Kinderporno-Tauschbörsen

Die Anklage wirft dem 53-Jährigen auch den Besitz und die Verbreitung von Kinderpornografie vor. So soll er sich an entsprechenden Tauschbörsen beteiligt haben. Bei einer Durchsuchung wurden knapp 63.000 Bild- und Videodateien sichergestellt.

Für den Prozess sind zunächst drei Verhandlungstage angesetzt. Der Patient, der inzwischen in Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) unter anderem wegen der Vorfälle in Thailand zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt wurde, soll in dem Prozess als Zeuge aussagen. Ein Urteil könnte Anfang März fallen.

Sendung: hr3, 26.02.2019, 10.00 Uhr