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Audioseite Radfahrer weggeschickt: Verfahren gegen Ärztin eingestellt

Schilder, die vor einem Krankenhaus stehen. Sie zeigen den Begriff "Notfallpraxis" und zwei Icons für Krankenhaus und Parkplatz

Mit Prellungen am Hals war ein Rentner nach einem Radunfall in die Notaufnahme einer Bad Homburger Klinik gekommen - und wieder weggeschickt worden. Wenig später starb er. Eine behandelnde Ärztin muss nun eine Geldbuße an die Witwe zahlen.

Das Landgericht Frankfurt verhängte am Mittwoch eine Geldbuße von 4.000 Euro gegen die 35 Jahre alte Assistenzärztin einer Klinik in Bad Homburg. Im Gegenzug wurde das Verfahren wegen "geringer Schuld" eingestellt. Die Anklage lautete auf fahrlässige Tötung durch Unterlassung.

Die Medizinerin hatte gemeinsam mit einem weiteren Facharzt im August 2018 einen Radfahrer behandelt, der sich am Tag zuvor bei einem Sturz eine Prellung am Hals zugezogen hatte, die massiv angeschwollen war.

Rentner starb nach Besuch in der Notaufnahme

Nachdem sich der 74-Jährige ins Krankenhaus begeben hatte, wurde er nach einigen Stunden Untersuchung wieder nach Hause geschickt. Kurze Zeit später verlor er das Bewusstsein und starb. Die beiden Ärzte betonten bereits zu Prozessbeginn, dass sie nicht von einem Notfall ausgegangen waren. Der Sturz habe schon länger als 24 Stunden zurückgelegen.

Ärztin: "Hätte mit dem Wissen anders gehandelt"

Vor Gericht sagte die Ärztin unter Tränen, dass sie anders gehandelt hätte, wenn sie den Verlauf hätte absehen können. Die Geldbuße von 4.000 Euro gehen an die Witwe des verstorbenen Radfahrers.

Der Anklage zufolge hätten die beiden Mediziner den 74-Jährigen zu einer 24-stündigen Beobachtung in der Klinik behalten müssen. Gegen den zweiten Arzt, einen 59 Jahre alter Hals-Nasen-Ohrenarzt, steht ein Urteil noch aus.

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