Zwei Männer mit Metallsuchgeräten im Wald

Über drei Monate nach Beginn der Bombensuche am Rauschenberg bei Fulda wird das Ausmaß deutlich: Massenhaft Munition und Sprengkörper aus dem Zweiten Weltkrieg wurden in dem beliebten Naherholungsgebiet schon gefunden. Und die großen Kaliber warten noch.

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Landschaftsaufnahme vom Rauschenberg
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Jahrzehntelang schlummerten im Erdboden des Rauschenbergs in Petersberg (Fulda) tödliche Gefahren. Das Naherholungsgebiet ist beliebt bei Wanderern, Spaziergängern, Joggern und Radfahrern. Den meisten dürfte nicht bewusst gewesen sein, dass sie sich arglos auf explosivem Untergrund bewegten. Mittlerweile sind weite Teile des Areals abgesperrt.

Etwas mehr als drei Monate nach dem Beginn der großangelegten Räumung von Kampfmitteln aus dem Zweiten Weltkrieg wird das Ausmaß der Gefahren sichtbar. Seit dem 11. Januar haben Experten Sprengkörper und Munition mit einem Gesamtgewicht von knapp einer Tonne ausgegraben und sichergestellt.

Unter den Funden waren mehr als 100 Stabbrandbomben. "Manche der Bomben waren komplett erhalten und entsprechend noch scharf, von anderen wurden lediglich Einzelteile wie Zünder, Gewichte oder Gehäuse entdeckt", berichtete die Gemeinde in einer ersten Zwischenbilanz.

Bomben-Suche mit Detektoren und Sonden

Etwa ein Viertel der 27 Hektar zu untersuchenden Waldfläche wurde bisher überprüft. Beschäftigte von Spezialfirmen suchten den Wald unter anderem mit Metalldetektoren und Sonden ab.

Stabbrandbombe auf Boden mit Maßband daneben

Der Petersbeger Bürgermeister Carsten Froß (CDU) sagt: "Die bisherigen Funde konnten gefahrlos und ohne größere Mühen entschärft werden. Sie beweisen uns aber, dass tatsächlich Kriegsreste am Rauschenberg lauern und der ganze Aufwand, der hinter der Sondierung steckt, doch gerechtfertigt ist."

Der Rauschenberg wurde im Zweiten Weltkrieg nicht verschont. Dutzende von Luftangriffen wurden gezählt. Davon zeugen noch heute tiefe Erdkrater. Auf alten Luftbildern sind 140 Bombentrichter zu sehen. Und auch 75 Jahre nach Kriegsende bergen die Sprengkörper noch Gefahr.

Warnung: "Nicht unachtsam durch den Wald laufen"

Vor etwas mehr als drei Jahren wurden bei Bauarbeiten Munition und Stabbrandbomben entdeckt. Sie lagen unmittelbar unter der Erdoberfläche - "nicht mal einen halben Meter tief", wie Gemeinde-Sprecher Sebastian Kircher präzisiert. Es sei weiter Vorsicht geboten. "Die Funde zeigen, dass man nicht unachtsam durch den Wald laufen darf", warnt Bürgermeister Froß.

Gefahrenschild Betreten verboten vor Waldgebiet

Im nächsten Schritt geht es am Rauschenberg den großen Kalibern an den Kragen. Bisher ging es nur bis zu einer Tiefe von 1,50 Metern in den Erdboden. Für tiefergehende Verdachtsfälle müssen schwere Maschinen anrücken. Die Arbeiten sollen im Frühjahr 2022 beendet werden. Es wird mit Gesamtkosten zwischen 1,5 und 2,5 Millionen Euro gerechnet.

Neben Sprengkörpern auch viel Unrat gefunden

Für den Rauschenberg gerät die Bombensuche zugleich zum Frühjahrsputz. Denn bei der Kampfmittelräumung wurden auch knapp 300 Kilogramm sonstige metallische Gegenstände gefunden. Müll, alte Rohre, sogar ein Sonnenschirm. "Es kommt einem vor, als sei der Rauschenberg über Jahrzehnte als Entsorgungshalde genutzt worden", wundert sich Froß.

Bomben und Unrat sind aber nicht das einzige Problem: Etliche Bäume sind krank und drohen umzustürzen. Das verkompliziert das Vorgehen. Erkrankte Bäume wurden mit rot-weißem Flatterband markiert, damit die Arbeiter vor Ort auf die Gefahr aufmerksam gemacht werden.

Diese Markierungen wurden aber von Unbekannten entfernt. "Das ist kein Kavaliersdelikt. Nicht nur, dass Kosten für eine erneute Markierung entstanden sind und der Zeitplan zurückgeworfen wurde, sondern es wurden auch noch die Arbeiter gefährdet", betont Froß. Hinzu komme, dass sich die unbekannten Täter in dem gesperrten Gebiet selbst in Gefahr begeben hätten.

Abstimmung mit dem Naturschutz nötig

Und zu guter Letzt muss das Vorgehen auch mit dem Naturschutz abgestimmt werden. Denn am Rauschenberg leben streng geschützte Tierarten. Um diese nicht zu sehr aufzuschrecken und zu vertreiben, wird abschnittsweise vorgegangen. Bürgermeister Froß sagt: "Das ist ein komplexes Problem, das es deutschlandweit so nicht gegeben hat."

Sendung: hr4, 27.04.2021, 14.30 Uhr