Eine Nahaufnahme der Sonne lässt ihre brodelnde Oberfläche erkennen.

Die Raumsonde "Solar Orbiter" hat spektakuläre Bilder der Sonne aus bisher unerreichter Nähe eingefangen. Die Bilder zeigen Erscheinungen, die die Weltraumagentur ESA in Darmstadt von "Lagerfeuern" sprechen lässt.

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hessenschau kompakt von 16:45 Uhr vom 16.07.2020
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Was für Laien auf den ersten Blick rätselhaft scheint, ist für Forscher bereits jetzt eine kleine Sensation: Die ehrgeizige Raumfahrtmission "Solar Orbiter" hat kein halbes Jahr nach dem Start in Richtung Zentrum des Sonnensystems erste Bilder von der Sonne geschickt. Am Donnerstag wurden sie bei einer virtuellen Präsentation gezeigt.

Wie die Europäische Weltraumagentur ESA am Donnerstag mitteilte, zeigen die Bilder unter anderem in der Sonnenatmosphäre Strukturen, die sich möglicherweise als Nano-Flares - also sehr kleine Strahlungsausbrüche - deuten lassen. Die ESA sprach von "Lagerfeuern" auf der Sonne. Die Bilder vermitteln auch einen Eindruck von den immensen Temperaturen auf der Sonne.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Raumsonde schickt Bilder von der Sonne

Eine Nahaufnahme zeigt die lavaähnliche Struktur der Sonne.
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Von der Erde aus kann dies den Wissenschaftlern zufolge nur millionen- oder milliardenfach kleiner beobachtet werden. "Obwohl dies nur die ersten Bilder sind, können wir bereits interessante neue Phänomene sehen", sagte Daniel Müller, Projektwissenschaftler der ESA.

Nur 77 Millionen Kilometer entfernt

Gesteuert wird der Orbiter von dem Satellitenkontrollzentrum der ESA. Einzigartig seien die Bilder auch, weil bislang keine Mission Aufnahmen von der Sonne aus einer derart geringen Entfernung gemacht habe, ergänzte Müller. Nur 77 Millionen Kilometer, quasi der halbe Weg zwischen Erde Sonne, war der Orbiter beim Fotoshooting entfernt.

Nach Angaben des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung gab es zwar bereits Missionen zur Sonne. Doch die seien so nah an dem Stern blind gewesen. Jetzt sind zehn Spezialinstrumente an Bord des Raumschiffs, darunter sechs Fernerkundungsinstrumente beziehungsweise Teleskope, die die Sonne und ihre Umgebung abbilden können.

Eine Spezialaufnahme der Korona der Sonne.

Die Wissenschaftler erhoffen sich Erkenntnisse darüber, wie Sonnenwinde produziert werden und wie das Magnetfeld der Sonne funktioniert. Eine Hoffnung sei, dass man künftig Vorhersagen über Sonnenaktivitäten machen könne, sagte der Direktor des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung, Sami Solanki. Denn Sonnenstürme können beispielsweise Satelliten außer Gefecht setzen, die Energieversorgung, GPS-Navigation und den Handyempfang stören.

Die Aufnahmen seien erst der Anfang, sagte ESA-Mitarbeiter Müller. Der Orbiter werde in weniger als zwei Jahren noch näher an die Sonne fliegen und den Stern dann aus 42 Millionen Kilometern erkunden.

"Solar Orbiter" soll erstmals die Pole der Sonne überfliegen

Die Raumsonde "Solar Orbiter" war im Februar vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida gestartet. Die gemeinsame Mission von ESA und NASA soll neue Erkenntnisse zu unserem Heimatstern ermöglichen. Mit den Instrumenten soll auch ein Blick auf bislang weniger bekannte Regionen der Sonne - wie die Pole - geworfen werden.

Um bei ihrem Flug um die Sonne vor den hohen Temperaturen geschützt zu sein, verfügt die Sonde über ein Hitzeschild aus Titan. Auf der Oberfläche der Sonne herrschen Temperaturen von rund 5.500 Grad, in ihrem Inneren sind es sogar 15 bis 16 Millionen Grad.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 16.07.2020, 16.45 Uhr