Der Sprecher der Bundesanwaltschaft, Markus Schmitt, gab am Montag Auskunft zu den Ermittlungen im Fall Lübcke.
Der Sprecher der Bundesanwaltschaft, Markus Schmitt, gab am Montag Auskunft zu den Ermittlungen im Fall Lübcke. Bild © picture-alliance/dpa

Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke ist mutmaßlich aus rechtsextremistischen Motiven erschossen worden. Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen Mordverdachts gegen den 45 Jahre alten Stephan E. aus Kassel, wie sie am Montag mitteilte.

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Hauptverdächtiger im Mordfall Walter Lübcke ist der 45-jährige Stephan E. Das bestätigte der Sprecher des Bundesanwaltschaft, Markus Schmitt, auf einer Pressekonferenz am Montag.

Stephan E. wird vorgeworfen, den Kasseler Regierungspräsidenten vor zwei Wochen heimtückisch mit einem Kopfschuss getötet zu haben. Der Verdächtige sitzt seit Sonntag in Untersuchungshaft. Er war am Samstagmorgen in Kassel in seinem Wohnhaus von Spezialkräften festgenommen worden.

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"Brennpunkt" und "hessen extra" im TV

Das Erste beschäftigt sich am Montag ab 20.15 Uhr in einem "Brennpunkt" mit dem Fall Lübcke. Das hr-fernsehen berichtet im Anschluss ab 20.25 Uhr in einem "hessen extra" über die Entwicklungen. Zum Livestream.

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Wegen der Hintergründe der Tat hatte der Generalbundesanwalt die Ermittlungen von der Kasseler Staatsanwaltschaft übernommen. Unterstützt wird er demnach weiter vom Hessischen Landeskriminalamt und neuerdings auch vom Bundeskriminalamt.

Vorleben deutet auf rechtsextremistischen Hintergrund hin

"Wir gehen davon aus, dass es sich um einen rechtsextremistischen Hintergrund handelt", sagte Schmitt. Hierfür sprächen insbesondere das Vorleben des Beschuldigten und dessen öffentlich wiedergegebenen Meinungen und Ansichten.

Man gehe auch der Frage nach, ob und inwieweit bislang unbekannte Hintermänner oder Tatbeteiligte in die Tat eingebunden waren. Es lägen aber bislang keine Anhaltspunkte dafür vor, dass der Beschuldigte in eine rechtsterroristische Vereinigung eingebunden gewesen sein könnte.

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Tatverdächtiger in Kassel verhaftet worden

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Angriff auf Asylbewerberheim

Nach Recherchen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung hat Stephan E. Kontakte in die rechtsextremistische Szene. In den 90er-Jahren saß er wegen eines Angriffs auf ein Asylbewerberheim in Hohenstein-Steckenroth (Rheingau-Taunus) in Haft. Offenbar hatte er eine Sprengstoffexplosion herbeiführen wollen.

Auch soll der Mann auf seinem YouTube-Kanal gesagt haben, wenn die Regierung nicht bald handele, werde es Tote geben. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung sollen Waffen gefunden worden sein, nicht aber die Tatwaffe. Wie der Sprecher erklärte, werten Ermittler zurzeit Datenträger aus, die in der Wohnung von Stephan E. sichergestellt wurden.

Haft nach Angriff auf Asylbewerberheim

Die Ermittler hatten Stephan E. am Wochenende als dringend Tatverdächtigen festgenommen. Ermittler hatten auf der Kleidung des vor zwei Wochen erschossenen Lübcke DNA-Spuren gefunden, die zu dem 45-Jährigen führten.

Der Spiegel berichtete am Montag von Stephan E.s Aktivitäten im Umfeld der hessischen NPD. Der 45-Jährige sei zudem vor einigen Jahren zu einer Bewährungsstrafe von sieben Monaten nach einem Angriff auf eine Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes verurteilt worden.

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Stephan E.

Wer ist Stephan E.? Alle Informationen haben wir hier zusammengetragen.

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Der Verdächtige hatte sich in den vergangenen Jahren offenbar aus der organisierten Neonazi-Szene zurückgezogen. Das ergaben Recherchen von WDR, NDR und SZ. Den Behörden soll er zuletzt nicht mehr als gewaltbereiter Rechtsextremist bekannt gewesen sein.

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Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Warum wurde der Generalbundesanwalt eingeschaltet? ARD-Terrorexperte Holger Schmidt im Interview

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Trauerminute im Landtag

Der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) informierte am Montag die Abgeordneten des Landtags und die Mitglieder des Innenausschusses über den Stand der Ermittlungen im Fall Lübcke. Details nannte er nicht und verwies auf die Bundesanwaltschaft.

Die Mitglieder des Landtags gedachten zu Beginn der dreitägigen Plenarsitzung des Getöteten. "Walter Lübcke mochte die Menschen, und die Menschen mochten ihn", sagte Landtagspräsident Boris Rhein (CDU).

Lübcke über Jahre Todesdrohungen ausgesetzt

Der Kasseler Regierungspräsident hatte in den vergangenen Jahren immer wieder Drohbriefe und Todesdrohungen erhalten, nachdem er sich im Oktober 2015 für die Aufnahme von Flüchtlingen eingesetzt hatte. Wem die Werte unserer Demokratie nicht passten, der könne "jederzeit das Land verlassen" sagte er damals. In der Folgezeit stand er zeitweise unter Polizeischutz.

Auch nach seinem Tod hatte es hasserfüllte Reaktionen aus dem rechten Milieu gegeben, die Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier als "zynisch, geschmacklos, abscheulich, in jeder Hinsicht widerwärtig" bezeichnete.

Sendung: hessenschau, 17.06.2019, 19.30 Uhr