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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Rollstuhlfahrer vor U-Bahn gestoßen

U8 Frankfurt Sperrung U-Bahn

Er hatte in Frankfurt einen Schwerbehinderten im Rollstuhl vor eine einfahrende U-Bahn gestoßen. Dafür muss ein heute 69 Jahre alter Mann für acht Jahre ins Gefängnis - mit anschließender Sicherheitsverwahrung. Der Richter bezeichnete ihn als "äußerst dissozialen Mann".

Weil er einen Rollstuhlfahrer auf das Gleisbett der Frankfurter U-Bahn gestoßen hat, ist ein 69-Jähriger am Montag vom Landgericht Frankfurt zu acht Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Die Schwurgerichtskammer ging von versuchtem Totschlag und gefährlicher Körperverletzung aus.

Die Staatsanwaltschaft hatte sich bereits in ihrem Plädoyer für eine achtjährige Haftstrafe und anschließende Sicherungsverwahrung ausgesprochen. Maßgeblich für diese Entscheidung war die Tatsache, dass der 69-Jährige 2001 seine Verlobte aus nichtigem Anlass in der Badewanne ertränkt hatte und deshalb bereits zu lebenslanger Haft wegen Mordes verurteilt worden war.

"Äußerst empathieloser und dissozialer Mann"

Weil er die anschließende Haftzeit nicht dazu verwendet habe, an sich zu arbeiten und Therapiemöglichkeiten zu nutzen, müsse auch weiterhin von einer großen Gefährlichkeit des "äußerst empathielosen und dissozialen Mannes" ausgegangen werden, sagte der vorsitzende Richter.

Zudem habe er einen Hang zum Alkohol- und Tablettenmissbrauch. Auch zum Tatzeitpunkt hatte der Angeklagte laut Gutachten rund 2,5 Promille Alkohol im Blut - an der vollständigen Schuld- und Steuerungsfähigkeit hatte dies laut Urteil allerdings nichts geändert. Trotz jahrelanger Inhaftierung gelte er als trinkgewohnt.

Videoaufnahme zeigte die Tat

Der Vorfall hatte sich Anfang Januar an einer U-Bahn-Station im Frankfurter Stadtteil Dornbusch ereignet, wo es zu einem Streit zwischen dem Angeklagten und dem ihm flüchtig bekannten 32-jährigen Rollstuhlfahrer gekommen sein soll. Das spätere Opfer bezichtigte demnach den 69-Jährigen, ihm Alkohol weggenommen zu haben.

Ein 20 Sekunden langer Videofilm, der im Rahmen der Verhandlung gezeigt wurde, zeigt den 69-Jährigen, wie er den Mann im Rollstuhl von der Bahnsteigkante in das Gleisbett stieß und dann den Bahnsteig wechselte. Die Bahn konnte bei dem Vorfall im Januar im letzten Augenblick bremsen, der Rollstuhlfahrer erlitt durch den Sturz leichte Kopfverletzungen.

Der Angeklagte soll das Geschehen nach der Tat vom Bahnsteig gegenüber aus völlig unbeeindruckt beobachtet haben. Auf der Heimfahrt wurde er später von der Polizei festgenommen.

"Ich wollte mit 70 nicht noch einmal in den Knast"

Nachdem sich der 69-Jährige zunächst nicht zur Sache geäußert hatte, sprach er zu einem späteren Zeitpunkt des Prozesses von einer Affekthandlung. Er habe das Opfer kurze Zeit vorher an einer anderen U-Bahn-Station kennengelernt und habe ihm helfen wollen, am späten Abend noch Schnaps zu besorgen. Als dieser ihn schließlich des Diebstahls bezichtigt habe, sei er "ausgetickt". Er habe den Mann nicht töten wollen, "ich wollte doch mit 70 nicht nochmal in den Knast".

Nachdem der Angeklagte seine frühere Verlobte in einer Badewanne ertränkt hatte, war er 2002 vom Landgericht Marburg zu lebenslanger Haft verurteilt worden, die er bis Juni 2019 verbüßte. Dann war er auf Bewährung freigelassen worden.

Sendung: hr3, 16.11.2020, 19.00 Uhr