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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Auftakt im Gleisattacken-Prozess

U8 Frankfurt Sperrung U-Bahn

Nur um ein Haar ist ein Rollstuhlfahrer im Januar in Frankfurt mit dem Leben davon gekommen. Er war von einem Mann auf U-Bahngleise geschoben worden. Vor Gericht gestand der Angeklagte, die Tat im Affekt begangen zu haben.

Ein 69-Jähriger soll im Januar in einer Frankfurter U-Bahn-Station einen Rollstuhlfahrer vor eine einfahrende Bahn geschoben haben. Die einfahrende U-Bahn konnte gerade noch mit eine Vollbremsung rechtzeitig halten. Der 32 Jahre alte Rollstuhlfahrer erlitt lediglich eine Platzwunde am Kopf.

Seit Dienstag muss sich der 69-Jährige vor dem Landgericht Frankfurt verantworten. Die Anklage lautet auf versuchten Mord mit Heimtücke. Nachdem er den Rollstuhlfahrer auf das Gleis geschoben haben soll, soll er einfach vom Tatort im Frankfurter Stadtteil Dornbusch weggeschlendert sein, wie ihm die Staatsanwaltschaft vorwirft. Sie beruft sich dabei auf eine Videoaufzeichnung, die den Angeklagten zeigt.

69-Jähriger bereits einmal verurteilt

Am ersten Verhandlungstag schwieg der Angeklagte zunächst zu den Vorwürfen. Am Dienstagnachmittag gestand er dann, die Tat im Affekt begangen zu haben. Er habe das Opfer kurze Zeit vorher an einer anderen U-Bahn-Station kennengelernt und habe ihm helfen wollen, am späten Abend noch Schnaps zu besorgen. Als dieser ihn schließlich des Diebstahls bezichtigt habe, sei er "ausgetickt". Er habe den Mann nicht töten wollen - "ich wollte doch mit 70 nicht nochmal in den Knast".

Der Angeklagte war bereits im Jahr 2002 wegen Mordes verurteilt worden, nachdem er seine frühere Verlobte in einer Badewanne ertränkt hatte. Weil er eine gute Sozialprognose hatte, kam er im vergangenem Jahr nach 17 Jahren aus der Haft frei. Nur ein gutes halbes Jahr später soll er die Gleisattacke begangen haben. Ein Urteil wird für kommenden Montag erwartet.

Sendung: hr-iNFO, 03.11.2020, 6:00 Uhr