Ein Rettungssanitäter vom Deutschen Roten Kreuz hantiert an der neuen Drohne für Notfalleinsätze und hockt dabei auf dem Boden.

Sie erreicht eine Flughöhe von 7.000 Meter, hat ein Super-Auge und ein mehrköpfiges Einsatzteam hinter sich: Im osthessischen Neuhof setzt das Rote Kreuz jetzt eine hochmoderne Drohne ein. Das Gesamtpaket ist einmalig in Hessen - noch.

Audiobeitrag

Audio

Audioseite Drohnen-Einsatz für Notfälle

Michael Neidert, Notfallsanitäter beim Deutschen Roten Kreuz in Neuhof (Fulda), entlädt die neue Drohne aus einem Fahrzeug.
Ende des Audiobeitrags

Die Zukunft im hessischen Rettungswesen passt in einen Koffer. Sie wiegt etwa sechs Kilo und schafft Tempo 80 - im Flug. Am Dienstag war sie in Neuhof (Fulda) zu sehen. Auch Innenminister Peter Beuth (CDU) war angereist, um bei einer angekündigten Flugshow die Bedeutung der Neuanschaffung zu unterstreichen.

Denn nicht nur das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in Osthessen erhofft sich viel von seiner neuen Drohne, die samt Ausstattung für das Bundesland bislang einmalig ist. Die Anschaffung soll Signalwirkung haben. Die feierliche Inbetriebnahme war allerdings rascher beendet als geplant. Michael Neidert, der die Drohnenstaffel leitet, musste die Schauveranstaltung abbrechen. Der Notfallsanitäter und seine Kolleginnen und Kollegen wurden bei einer Vermisstensuche in Eisenach gebraucht. Das bedeutete: Abfahrt!

Drohnen-Einsatz-Übung des DRK in Neuhof

Drohnen günstiger als Hubschrauber

Gerade bei solchen Suchaktionen, vor allem in unwegsamem Gelände, kommen die ferngesteuerten und mit Kameras ausgestatteten Flugobjekte auch in Hessen immer häufiger zum Einsatz. Früher stiegen dann oft Hubschrauber auf, und zahlreiche Helfer mussten ein Areal zu Fuß durchkämmen. Die unbemannten Flugobjekte sind effizienter - und langfristig viel kostengünstiger.

Mit einem guten Geruchssinn sind die Hightech-Drohnen freilich nicht gesegnet. Deswegen werden auch Hundestaffeln, wie sie auch das DRK hat, nach wie vor bei vielen Such-Einsätzen unverzichtbar sein.

Die Hundestaffel des Deutschen Roten Kreuzes in Fulda

120.000 Euro wurden für die Drohnenstaffel investiert. Eine "Premium-Ausstattung", wie sie das DRK laut Neidert so nur noch auf Sylt hat. Auch ein Geländewagen gehört dazu. Mit ihm können die Mitglieder der mehrköpfigen Einsatzstaffel der Drohne folgen, sie steuern und ihre Bilder auf Monitoren auswerten.

Multitalent mit technischen Fähigkeiten

Die Drohne ist mit ihren technischen Eigenschaften ein wahres Multitalent. Selbst aus großer Höhe erkennt sie zum Beispiel ein Eichhörnchen am Boden. Das sind einige der Vorzüge, wie sie der DRK-Kreisvorsitzende Christoph Schwab nannte:

  • Die Drohne kann mit ihren etwa sechs Kilo Gewicht und einem Meter Durchmesser in eine Höhe von bis zu 7.000 Meter aufsteigen.
  • In der Luft bleiben kann sie eine knappe Stunde, mit Zusatz-Akkus auch deutlich länger.
  • Die 20 Megapixel-Kamera ist mit einem 23-fachen optischen und 200-fach digitalen Zoom ausgestattet.
  • Die Kamera verfügt über einen Nachtsicht-Modus und eine Wärmebild-Kamera, mit der man vermisste Menschen bei Dunkelheit schneller erkennen kann.
  • Die Kamera verfügt über einen Smart-Tracking-Modus, mit dem sie Objekte verfolgen kann.
  • Die Drohne kann auch Medikamente an einem Zielort ablegen.
  • Über eine Lautsprecher-Funktionen können zu bergende Menschen auch direkt angesprochen werden.

Noch Nachholbedarf

"Drohnen kommen bei der Polizei bereits häufiger zum Einsatz. Auch einzelne Feuerwehren versuchen sich daran. Die Experten sind sich aber einig, dass sie in Zukunft eine viel größere Bedeutung haben werden", sagte Innenminister Beuth dem hr. Deshalb werde das Land schrittweise weiter in die Technik investieren.

Mehr als 50 Drohnen hat die hessische Polizei seit 2019 in Dienst genommen. Rund 100.000 Euro gab das Land in den Jahren 2019 und 2020 für deren Anschaffung aus, wie das Innenministerium auf eine Kleine Anfrage im Landtag zum Einsatz unbemannter Luftfahrtsysteme antwortete.

Einsätze auch bei Bränden und Unfällen

Ob größere Brände oder Unfälle - wenn Überblick gefragt ist, schlägt die Stunde der Drohnen. Sie helfen hessischen Beamten längst auch bei der Überwachung von Gefahrenbereichen im Straßenverkehr oder mit Aufnahmen von Demos und Tatorten.

"Damit gewinnt ihr Einsatz für die Gefahrenabwehr- und Strafverfolgungsbehörden rasant an Bedeutung", heißt es aus dem Innenministerium. Ein anderes mögliches Einsatzgebiet könnte wegen des Klimawandels an Bedeutung gewinnen: der Einsatz bei Naturkatastrophen. Bei der Flut in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen leisteten Drohnen den Helfern wichtige Dienste.

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen