Laufhäuser wollen trotz Corona wiedereröffnen

Trotz vieler Lockerungen bleiben Bordelle in Hessen coronabedingt weiterhin dicht. Mit einem "Tag der offenen Tür" machten zwei Laufhäuser in Frankfurt jetzt auf ihre Situation aufmerksam - und warben für eine Öffnung mit Hygienekonzept.

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hessenschau vom 16.07.2020
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Anna arbeitet seit zwölf Jahren in Deutschland als Prostituierte. Seit Beginn der Corona-Krise hat sie keine Einnahmen mehr, denn Bordelle, Laufhäuser und ähnliche Prostitutionsbetriebe mussten vor vier Monaten schließen. "Mir geht es katastrophal", sagt Anna. Anschaffen auf dem Straßenstrich sei für sie keine Möglichkeit - viel zu unsicher. "Das ist unfair vom Staat, alles Mögliche ist offen, aber hier soll das Risiko für Ansteckung hoch sein", kritisiert sie.

Fiebermessen und Maskenpflicht?

Geschlossene Table-Dance-Bars und Nachtclubs, verrammelte Türen bei den Bordellbetrieben - im Frankfurter Bahnhofsviertel ist die Corona-Krise allgegenwärtig. Am Donnerstag öffneten zwei Laufhäuser in der Taunusstraße ihre Türen, um zu zeigen, dass sie Hygienemaßnahmen zur Verhinderung von Corona-Ansteckungen einhalten könnten.

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Dazu könne Fiebermessen vor dem Einlass gehören, die regelmäßige Desinfektion aller Flächen und sanitären Einrichtungen sowie eine Maskenpflicht, sagt Nadine Maletzki, die das "Sex Inn" betreibt. Sie könne dafür sorgen, dass Freier ihre Kontaktdaten angeben. Andernorts wird erwogen, sich im Falle einer Wiedereröffnung auf erotische Massagen zu beschränken und Daten von Freiern per App zu sammeln.

Illegale Prostitution nimmt zu

Wegen der Zwangsschließung blühe die Prostitution auf dem Straßenstrich, in Wohnungen und in den Hotels, heißt es im Viertel. Die Sexarbeit werde illegal weitergeführt, erklärt auch das Gesundheitsdezernat auf Anfrage. Die Prostituierten seien untergetaucht und hätten Angst, sich bei Beratungsstellen zu melden, da sie befürchteten, dass diese sie an die zuständigen Ordnungsämter meldeten. Rund 2.800 Prostituierte sind bei der Stadt gemeldet.

Das zuständige Wirtschaftsministerium verweist auf mehrere entsprechende Gerichtsentscheidungen und erklärt, von Prostitutionsstätten gingen "beträchtliche infektiologische Risiken" aus. "Die Interessen der Betreiber und der Prostituierten, ihrer wirtschaftlichen Betätigung nachzugehen, sind zwar legitim, müssen jedoch hinter dem Gesundheitsschutz zurückstehen", sagt ein Sprecher.

Lockerungen verlangten eine sorgfältige Prüfung entsprechender Konzepte. Entscheidend sei wie auch sonst, dass die zielgerichtete Nachverfolgung von Kontaktpersonen möglich sei. Die Verordnung, in der unter anderem die Schließung von Prostitutionsstätten geregelt ist, gelte bis 16. August. Ein Eilantrag mehrerer Beitreiber gegen die Zwangsschließung war Anfang Juni vor dem Verwaltungsgerichtshof Kassel gescheitert.

Not bei Prostituierten - und Betreibern

Die aus Polen stammende Prostituierte Anna sagt, sie könne glücklicherweise im Laufhaus kostenfrei wohnen und essen. "Es geht hier um Existenzen, die zerstört werden", sagt die Frankfurter Prostituierte Marifleur. Es sei eine bundeseinheitliche Lösung nötig, damit es wieder legal ein sicheres Arbeitsumfeld gebe.

Die Not der Frauen ist das eine, das andere die wirtschaftliche Lage der Laufhausbetreiber. Anwalt Michael Karthal, der mehrere von ihnen vertritt, erwägt weitere juristische Schritte und verweist auf Bayern, wo es Bewegung in der Frage der Öffnung gebe.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 16.07.2020, 16.45 Uhr