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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Salafistischer Verein Ansaar verboten

Ein Polizist steht an der Haustür zum Ansaar-Gebäude. Rechts sind die Fenster mit Folie verhangen.

Das Bundesinnenministerium hat den salafistischen Verein Ansaar International und neun seiner Ableger verboten. Darunter befinden sich Organisationen aus Hessen, auch ein ehemaliger Fußball-Profi steht wieder im Fokus.

Das Bundesinnenministerium hat am Mittwoch den salafistischen Verein Ansaar International sowie seine neun Teilorganisationen verboten. Darunter ist auch das Somalische Komitee Information und Beratung mit Sitz in Büttelborn (Groß-Gerau).

Die Vereine sollen humanitäre Spenden gesammelt und damit islamistische Terrororganisationen im Nahen Osten und Afrika unterstützt haben. Die Rede ist von der inzwischen unter anderem Namen operierenden Al-Nusra-Front in Syrien, der Hamas im Gazastreifen und Al-Shabaab in Somalia.

Durchsuchungen auch im Raum Offenbach

Teils habe es direkte Geldflüsse gegeben, teils wurden Projekte im Umfeld der Organisationen finanziert, sodass die Terrororganisationen Mitglieder rekrutieren konnten, teilte das Bundesinnenministerium mit. Die Spenderinnen und Spender sollen davon nichts gewusst haben. Ansaar soll laut Innenministerium außerdem Kinder aus Deutschland missioniert und in Einrichtungen im Ausland geschickt haben, "um dort salafistisch-extremistische Inhalte zu verinnerlichen und zurück nach Deutschland zu tragen".

Facebook-Seite von Ansaar Offenbach/Frankfurt

Im Zusammenhang mit dem Verbot der Organisation durchsuchten Ermittler am Mittwoch Objekte in mehreren Bundesländern, nach hr-Informationen auch in der Region Offenbach. Mit den großen Unterstützerteams Offenbach/Frankfurt und Mainz/Wiesbaden sammelte Ansaar mit sogenannten Spenden-Taxis fast täglich Geld- und Sachspenden bei Muslimen im gesamten Rhein-Main-Gebiet.

Auch Stiftung von Fußballer Ben-Hatira verboten

Änis Ben-Hatira

In die Schlagzeilen kam Ansaar bereits 2017. Damals berichtete der hr, dass der ehemalige Eintracht- und Darmstadt 98-Spieler Änis Ben-Hatira den salafistischen Verein unterstützt. Nach langem Zögern gab sein damaliger Verein Darmstadt 98 dem Druck aus Öffentlichkeit und Politik nach und trennte sich von dem Fußballer.

Ben-Hatira gründete anschließend in Berlin eine Stiftung, die ebenfalls mit Ansaar zusammenarbeitet. Auch diese wurde am Mittwoch verboten. Ihr Geld wurde beschlagnahmt und für gemeinnützige Zwecke - ohne Terrorfinanzierung - zur Verfügung gestellt.

Beuth: "Starkes Signal des Rechtsstaats"

Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) bezeichnete das Verbot von Ansaar International als "starkes Signal des Rechtsstaats gegen islamistische Terrorstrukturen". In Hessen habe man frühzeitig vor den Aktivitäten der salafistischen Gruppierung gewarnt. Der deutsche Fußball und das Land Hessen hätten Ben-Hatira "zu Recht die rote Karte gezeigt", sagte Beuth am Mittwoch.

Bei einer Großrazzia in dem Netzwerk hatten Ermittler bereits im April 2019 umfangreiches Material beschlagnahmt. Ansaar hat seinen Hauptsitz in Düsseldorf. Die Hälfte der damals durchsuchten 90 Objekte befand sich in Nordrhein-Westfalen.

Sendung: hr-iNFO, 05.05.2021, 10 Uhr