Ein Schild der AWO vor einem Haufen Geld

Eine ehemalige AWO-Mitarbeiterin aus Wiesbaden muss 116.700 Euro zurückzahlen. Die Frau soll keinerlei Arbeit geleistet haben und dafür fürstlich entlohnt worden sein.

Rund 8.000 Euro brutto im Monat und einen Dienstwagen soll eine ehemalige AWO-Mitarbeiterin bekommen haben. Gearbeitet haben soll sie dafür nicht. Das zumindest warf die Wiesbadener AWO ihrer Ex-Mitarbeiterin vor und verlangte eine Rückzahlung aller bislang bezahlten Vergütungen.

Das Arbeitsgericht Wiesbaden gab dieser Anklage statt. 116.700 Euro muss die Frau deshalb nun an ihren alten Arbeitgeber zurückzahlen. Der Wiesbadener Kurier berichtete zuerst von dem Fall.

Scheinarbeit über drei Jahre

Von Januar 2017 bis Anfang 2018 war sie als Minijobberin bei der AWO Wiesbaden angestellt. Im Februar 2018 folgte dann eine Festanstellung, die Frau sollte sich um Grundstücksanlegenheiten kümmern. Leistungen erfolgten nach Angaben der AWO jedoch nicht. Nicht mal eine Arbeits-E-Mailadresse, so berichtet der Kurier, soll sie besessen haben.

Im Januar 2020 soll der ehemalige AWO-Vorstand der Mitarbeiterin rückwirkend zum 31. Dezember 2019 gekündigt haben. Daraufhin legte die Frau eine Kündigungsschutzklage ein. Diese wies das Arbeitsgericht Wiesbaden nun ab. Der Arbeitsvertrag mit ihr sei nur zum Schein geschlossen worden.

Verwicklung von ehemaliger AWO-Geschäftsführerin

Wie der Wiesbadener Kurier berichtete, soll die damalige AWO-Geschäftsführerin Hannelore Richter einen Arbeitsvertrag mit der Betroffenen, der Ehefrau eines Frankfurter AWO-Abteilungsleiters, abgeschlossen haben - ohne dafür eine Arbeitsleistung zu erhalten.

In dem Gerichtstermin sollte sich die Frau nun am Donnerstag vor Gericht verantworten, ließ sich jedoch entschuldigen. Nach Angaben des Arbeitsgerichtes meldete sie sich krank. Lediglich telefonische Nachfragen habe sie beantwortet. Insgesamt muss sie über 116.700 Euro für ihr erhaltenes Netto-Gehalt zurückzahlen - 5.400 Euro für ihren Minijob, 24.300 Euro für Maklerleistungen und fast 87.000 Euro für ihre Festanstellung.

Skandale um AWO häufen sich

Die Skandale um die AWO-Verbände in Frankfurt und Wiesbaden häufen sich. Erst im September ist Anklage gegen einen ehemaligen CDU-Stadtverordneten aus Wiesbaden erhoben worden, der die AWO-Geschäftsführerin zur schweren Untreue angestiftet haben soll.

2019 war der Skandal auch durch Recherchen des hr ins Rollen gekommen. Dabei geht es unter anderem um überhöhte Gehälter und Luxus-Dienstwagen bei der Frankfurter AWO sowie ungerechtfertigte Spenden an den mit Frankfurt personell verflochtenen Kreisverband Wiesbaden. Im August dieses Jahres war etwa bekannt geworden, dass die Wiesbadener AWO über mehrere Jahre Personalkosten falsch abgerechnet hatte.