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Weitere Anklage in AWO-Affäre

AWO-Logo, Geldscheine

Die Ermittlungen der Frankfurter Staatsanwaltschaft in der AWO-Affäre haben zu einer weiteren Anklage geführt. Eine 38-Jährige soll vom Kreisverband Wiesbaden Gehälter und Honorare ohne Gegenleistung erhalten und Dienstfahrzeuge genutzt haben. Die Frau arbeitete früher beim Amtsgericht Frankfurt.

Weitere Anklage in der AWO-Affäre: Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen Verantwortliche der Kreisverbände Frankfurt und Wiesbaden Anklage gegen eine ehemalige Justizfachangestellte wegen des Verdachts der Beihilfe zur Untreue erhoben.

Die 38 Jahre alte Frankfurterin, die nebenher als Immobilienmaklerin tätig war, soll bei der AWO Wiesbaden in einem Schein-Arbeitsverhältnis gestanden und dafür Gehalt bezogen haben. Zudem habe sie in vier Fällen Honorare ohne Gegenleistung kassiert und hochwertige Fahrzeuge der AWO nebst Tankkarte als Dienstwagen genutzt, so die Staatsanwaltschaft. Der AWO sei den Ermittlungen zufolge dadurch ein Schaden in Höhe von 283.000 Euro entstanden.

Beschuldigte arbeitete beim Amtsgericht Frankfurt

Über die Eröffnung des Hauptverfahrens müsse nun das Amtsgericht Frankfurt entscheiden, hieß es in der Mitteilung. Genau dort arbeitete die Beschuldigte laut Mitteilung bis vor vier Jahren, die Maklertätigkeit hatte sie demnach ab 2014 selbstständig ausgeführt. Die fraglichen Honorarzahlungen soll sie zwischen 2015 und 2020 von der früheren Geschäftsführerin des Kreisverbandes und deren beiden Stellvertretern erhalten haben.

Im Oktober 2021 musste eine Frau nach einem Urteil des Arbeitsgerichts Wiesbaden 116.700 Euro, die sie für eine Scheintätigkeit erhalten hatte, an die AWO Wiesbaden zurückzuzahlen.

Skandale und kein Ende

Der Skandal um die AWO-Kreisverbände in Frankfurt und Wiesbaden war 2019 durch hr-Recherchen ins Rollen gekommen. Dabei ging es zunächst um überhöhte Gehälter und teure Luxus-Dienstwagen für Funktionäre des Sozialverbands. Im Laufe der Ermittlungen kamen immer neue Affären über Scheinarbeit, falsch abgerechnete Personalkosten und ungerechtfertigte Spenden ans Licht. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt seit Juli 2019 gegen mehrere ehemalige Verantwortliche der AWO-Kreisverbände Frankfurt und Wiesbaden.

Auch Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) geriet unter Druck, weil seine Ehefrau Zübeyde schon als Praktikantin einer AWO-Kita ungewöhnlich hohe Bezüge erhielt und innerhalb kürzester Zeit zur Leiterin aufstieg. In dieser Position bekam sie nach hr-Recherchen ebenfalls deutlich zu viel Geld.

CDU-Stadtverordneter angeklagt

In Wiesbaden wurden ein ehemaliger CDU-Stadtverordneter und dessen Tochter zur Anstiftung beziehungsweise Beihilfe zur Untreue angeklagt. Der Politiker soll seine Kontakte zu Ex-AWO-Geschäftsführerin Hannelore Richter genutzt haben, seiner Tochter während ihres Studiums eine Scheintätigkeit bei der AWO für knapp 2.500 Euro monatlich zu verschaffen. Gearbeitet habe sie dafür nicht.

Auch gegen den früheren Geschäftsführer der AWO Frankfurt, Jürgen Richter, liefen Ermittlungen wegen des Verdachts des Betrugs und der Untreue. Hintergrund waren die Luxusgehälter und teuren Dienstfahrzeuge einiger AWO-Funktionäre sowie gegenstandslose Honorarzahlungen. Richter musste seinen Posten Anfang 2020 räumen, dagegen klagte er erfolglos vor Gericht.

Der Schaden, der der AWO entstand, ging in die Millionen. Auf den Kreisverband kamen außerdem sechsstellige Steuernachzahlungen wegen nachträglicher Aberkennung der Gemeinnützigkeit zu.

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