Glatte Straße, querstehende Autos

Rutschende Autos, umgekippte Lkw: Der Wintereinbruch macht Fahrern und Einsatzkräften in Hessen das Leben schwer. Es kam zu vielen Unfällen mit Schwerverletzten und langen Staus - vor allem auf A3 und A5.

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hs
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Der Winter kam über Nacht und mit Ansage. Doch er hat viele Fahrer am Dienstagmorgen kalt erwischt: Bei Schnee- und Eisglätte überstieg die Zahl der Unfälle auf Hessens Straßen schließlich die 100er-Marke. Die Straßenmeistereien waren mit Räum- und Streufahrzeugen im Dauereinsatz, Polizei und Krankenwagen-Besatzungen auch.

Besonders arg entwickelte sich das Verkehrschaos rasch auf der A5 zwischen dem Hattenbacher Dreieck und Homberg/Ohm (Vogelsberg). Lkw hingen fest, Räumfahrzeuge kamen nicht mehr durch. Der Verkehr kam hier am Morgen vollständig zum Erliegen. Der Stau zog sich schnell über 30 Kilometer hin.

Zwei Autos gegen Bäume

Auch auf der A3 zwischen dem Wiesbadener Kreuz und Niedernhausen (Rheingau-Taunus) kamen mehrere Lastwagen auf der linken und der mittleren Spur zum Stehen. Die Autobahn wurde vorübergehend voll in Richtung Wiesbaden gesperrt, was einen Stau mit einer Länge von bis zu 20 Kilometern zur Folge hatte.

Die Umleitungsstrecken rund um Wiesbaden waren überlastet und ebenfalls glatt, auch hier standen Fahrzeuge quer. An der Hohen Wurzel bei Taunusstein (617 Meter) machte die Polizei die Straße daher dicht.

Ein umgekippter Lkw bei Frankenberg

Der Berufsverkehr hatte noch gar nicht richtig begonnen, da meldete das Polizeipräsdium Nordhessen bereits 13 witterungsbedingte Unfälle mit insgesamt neun Schwerverletzten. Allein bei Bromskichen (Waldeck-Frankenberg) wurden nach Angaben eines Polizeisprechers acht Insassen zweier Autos verletzt, als die Fahrzeuge gegen Bäume prallten. Die Verletzten kamen in Krankenhäuser.

Im gleichen Landkreis, in Burgwald, kippte ein Sattelzug um. Auch hier erlitt der Fahrer schwere Verletzungen. Der letzte schwerwiegende Unfall in Nordhessen wurde einem Sprecher zufolge um etwa 1 Uhr gemeldet, in den folgenden Stunden sei nichts Gravierendes mehr passiert.

Anfang Dezember noch mit Sommerreifen

Jede Menge Einsätze vor allem in der Nacht hatte auch die Polizei in Südhessen. Von etwa 25 Unfällen berichtete ein Sprecher bereits gegen 6 Uhr. Am Vormittag war die Bilanz auf mehr als 40 Unfälle angewachsen. "An vielen Ecken gibt es kleinere Unfälle", sagte ein Sprecher. Es sei aber bei Blechschäden und "kleineren Blessuren" geblieben.

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„In Zusammenhang mit dem witterungsbedingten Unfallgeschehen haben die Beamten bei den Unfallaufnahmen vermehrt festgestellt, dass einige betroffene Fahrzeuge noch Sommerreifen montiert hatten.“ Polizeipräsidium Südhessen Polizeipräsidium Südhessen
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Viele der Unfälle führte die Polizei auf fehlende Winterreifen zurück. Sie appellierte an alle Autofahrer, die zu spät mit dem Reifenwechseln dran sind, das nun schleunigst nachzuholen. Bei Reifen, die nicht zur Witterung passen, seien mindestens 60 Euro Bußgeld fällig und bei einem Unfall drohen zudem versicherungsrechtliche Konsequenzen.

Auf der A67 bei Lorsch (Bergstraße) überschlug sich ein Pkw, die Autobahn musste gesperrt werden. In der Folge kam es zu weiteren Ausrutschern, Drehern und Auffahrunfällen. Die meisten verliefen ersten Informationen zufolge glimpflich.

Hänger abgerissen, umgekippt

Auf der B47 zwischen Bensheim und Lorsch (Bergstraße) war ein Sattelzug in der Nacht ins Schleudern geraten, die Deichsel des Anhängers riss ab. Die Straße war wegen der aufwändigen Bergungsarbeiten sechs Stunden lang gesperrt. Bei Egelsbach (Offenbach) verlor der Polizei zufolge der Fahrer eines Kleintransporters auf der schneeglatten Kreisstraße 168 die Kontrolle über seinen Wagen - er war wohl zu schnell unterwegs.

Der Wagen kam von der Fahrbahn ab und blieb auf der Seite liegen. Die Feuerwehr zog den bewusstlosen Mann über die aufgeschnittene Frontscheibe aus dem Wagen. Der 40-Jährige kam mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus.

Auto gegen Hauswand

Das gleiche Bild in Mittelhessen: Rund um Gießen führt die Polizei sechs von 21 Unfällen aus der Nacht direkt auf die Witterung zurück. Vor allem Lastwagen taten sich später auf den glatten Fahrbahnen schwer. Das führte rasch zu stockendem Verkehr und Staus, gerade auf Autobahnen. Auf der B3 bei Niederweimar (Marburg-Biedenkopf) prallten insgesamt funf Fahrzeuge gegeneinander, drei Fahrer kamen mit leichten Verletzungen in die Klinik.

In Hadamar (Limburg-Weilburg) prallte ein Auto gegen eine Hauswand. Insgesamt registrierte das Polizeipräsidium Westhessen mehr als 20 Glätteunfälle, schwere waren nicht dabei.

Die Frankfurter Polizei sprach von einer recht ruhigen Situation auf den Straßen. Größere Unfälle oder Staus waren am Morgen nicht bekannt, wie eine Sprecherin mitteilte. "In Frankfurt hält sich das in Grenzen."

Auch die Bahn betroffen

Im östlichen Landesteil machten Schneefall und glatte Straßen den Verkehrsteilnehmern mehr zu schaffen. Im Raum Fulda wurden sieben Unfälle gemeldet, auf den Fernverkehrsstraßen kam es immer wieder zu Behinderungen wegen liegengebliebener Lastwagen.

Die Bahn vermeldete nach Angaben einer Konzernsprecherin am Morgen "keine größeren Auffälligkeiten". Ganz verschont wurde der Bahnverkehr aber nicht. So kam es laut dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) auf der Strecke zwischen Frankfurt und Fulda zu Zugausfällen und Verspätungen.

Es taut recht schnell

Ursache für das Winterwetter ist ein Tiefdruckgebiet, das von Nordwesten her nach Hessen kam. Es brachte am Montagabend und vor alle in der Nacht verbreitet Niederschläge. Gerade in den höheren Lage schneite es kräftig, aber auch in Frankfurt lagen am Morgen etwa vier Zentimeter Schnee.

Ein Mnan schaufelt Schnee in Frankfurt.

Der meiste Schnee sollte im Laufe des Tages bei Temperaturen um vier bis sechs Grad aber wieder wegtauen. In den höchsten Lagen von Wasserkuppe und Upland, eventuell auch auf dem Feldberg, könnte er bei Werten um den Gefrierpunkt länger bleiben.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 01.12.2020, 16.45 Uhr