Am Bahnübergang in Frankfurt-Nied fährt ein Zug bei halbgeöffneter Schranke durch

Wieder bleiben am Bahnübergang in Frankfurt-Nied die Schranken offen, während ein Zug einfährt. Hier kam Anfang Mai eine 16-Jährige ums Leben. Diesmal geht alles glimpflich aus. Doch die Kritik wird immer lauter.

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hessenschau vom 10.07.2020
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Im Frankfurter Stadtteil Nied werden Erinnerungen an das tragische Bahnunglück wach, das sich dort vor rund zwei Monaten ereignete: Eine Bahnschranke hatte sich am Donnerstagabend bei einer Zugdurchfahrt nicht mehr geschlossen. Der Zug musste im Schritttempo über den Bahnübergang fahren. Anschließend wurde die Strecke gesperrt und der Bahnverkehr umgeleitet. Am Freitagmittag gaben die eingesetzten Techniker den Abschnitt wieder frei.

Kerzen und Blumen erinnern an 16-Jährige

An dem Bahnübergang war Anfang Mai eine 16-jährige Fußgängerin ums Leben gekommen. Ein Radfahrer und eine Autofahrerin wurden schwer verletzt. Kerzen, Blumen und Fotos vor der benachbarten Niddahalle erinnern noch immer an das Unglück.

Die Bahnschranken waren damals offen geblieben, als ein Zug mit hohem Tempo einfuhr. Seit dem Tod des Mädchens wird gegen die Schrankenwärterin wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Aber auch ein technisches Problem wurde nie ausgeschlossen.

Anwohner berichtet von Defekten

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Wieder technische Probleme am Bahnübergang in Frankfurt-Nied

Mit Fotos und Blumen wird der 16-Jährigen gedacht, die von einem Zug erfasst wurde.Mit Fotos und Blumen wird der 16-Jährigen gedacht, die von einem Zug erfasst wurde.
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Dass mit der Schranke etwas nicht stimmt, kann auch Stephan Pfeifer, Hausmeister der Sportgemeinschaft Nied, bestätigen: "Ich bin täglich auf dem Platz und sehe oft, dass die Schranke runtergeht, obwohl kein Zug kommt. Oder sie geht nur halb runter."

Der Bahnübergang sei sehr gefährlich, vor allem für die vielen Kinder, die ihn passierten, um zur Schule oder zum Sport zu gehen. Er selbst habe schon mit dem Fuß leicht gegen die Schranke getippt und sie sei sofort nach oben gegangen, so Pfeifer. "Es ist traurig, dass immer nur ein bisschen was gemacht wird. Das ist Flickschusterei."

Bürgerinitiative kämpft für Unterführung

Wie der Hausmeister fordert auch die Bürgerinitiative (BI) "Die Schranke muss weg" den schnellen Bau einer Unterführung. Der Bahnübergang ist Teil einer fünfspurigen, stark befahrenen Kreuzung. Seit sage und schreibe mehr als 100 Jahren gibt es Pläne, ihn zu schließen.

Frankfurt Nied Bahnübergang

"Es kann nicht, dass dieser Kampf schon so lange geht", sagt BI-Initiatorin Heike Stoner dem hr. "265 Züge, die hier am Tag durchrauschen, sind einfach zu viel." Auch die gebürtige Niederin berichtet von anhaltenden Problemen. Bei der nun defekten Schranke handele es sich ausgerechnet um jene, der nach dem Unfall im Mai erst ausgetauscht wurde, so Stoner.

Für das Mädchen, das dort ums Leben kam, fanden bereits zwei Mahnwachen statt. Just während der letzten am vergangenen Dienstag seien die Schranken eine halbe Stunde geschlossen geblieben, weil ein Zug auf dem falschen Gleis gestanden habe, erzählt Stoner. Unter anderem sechs Linienbusse hätten nicht weiterfahren können.

"Ich habe das Vertrauen in diese Schranke längst verloren", sagt Stoner, "wir glauben nicht mehr, dass irgendwas noch sicher ist. Dafür passiert einfach zu viel."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 10. Juli 2020, 16.45 Uhr