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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Schüler hören antisemitische Lieder nach Besuch im KZ Buchenwald

Das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald

Nach einem Besuch im früheren Konzentrationslager Buchenwald haben Schüler einer Grünberger Schule auf der Rückfahrt im Bus antisemitische Lieder abgespielt. Die Schulleitung meldete das bei der Polizei.

Auf der Rückfahrt von einem Schulausflug zum früheren Konzentrationslager Buchenwald haben Schüler der Theo-Koch-Gesamtschule aus Grünberg (Gießen) für einen Eklat gesorgt. Die Jugendlichen sollen im Bus auf einem Smartphone antisemitische Lieder abgespielt und mitgesungen haben. Um welche Lieder es sich gehandelt haben soll, war zunächst nicht bekannt.

Schulleiter Jörg Keller sagte dem hr am Dienstag, er habe der Polizei im Rahmen der AGGAS-Initiative (Arbeitsgruppen Gewalt an Schulen) von dem Vorfall berichtet. Er selbst habe von Dritten davon erfahren. Zunächst hatte es geheißen, die Schulleitung habe Anzeige erstattet - das sei aber nicht der Fall gewesen, sagte Keller.

Noch keine schulischen Konsequenzen

Dennoch nahm die Polizei Ermittlungen auf, weil als Tatverdacht Volksverhetzung im Raum stand - ein Offizialdelikt, bei dem die Polizei unbedingt ermitteln muss. Drei 14-Jährige werden bislang verdächtigt, an dem Vorfall beteiligt gewesen zu sein. Das sagte ein Polizeisprecher am Montag. Der Vorfall ereignete sich bereits am 15. Oktober, die Polizei hatte die Ermittlungen am vergangenen Dienstag aufgenommen.

Da bislang noch nicht sicher fest steht, welche Schüler genau beteiligt waren, hat die Schulleitung Keller zufolge auch noch keine Konsequenzen gezogen. Ein Sprecher des zuständigen Schulamts teilte am Dienstag mit, es werde sowohl über pädagogische Maßnahmen als auch über entsprechende Ordnungsmaßnahmen nachgedacht. Sollte sich der Verdacht erhärten, könnten die Schüler im schlimmsten Fall der Schule verwiesen werden.

Laut Schulamt konnten die drei Lehrer, die die Studienfahrt am 15. Oktober begleiteten, den Vorfall nicht beobachten: Die drei neunten Klassen reisten mit einem Doppeldecker-Bus, die Pädagogen hielten sich zum fraglichen Zeitpunkt in einer anderen Etage des Fahrzeugs auf. "Die Lieder waren aber klar im Inhalt", sagte der Sprecher des Schulamts der Nachrichtenagentur dpa.

Schule wegen Präventionsarbeit ausgezeichnet

Der Vorfall zeige, wie wichtig Initiativen gegen Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Gewalt in allen Bereichen der Gesellschaft seien, sagte Landrätin Anita Schneider (SPD). Dass die Schulleitung den Vorfall gemeldet habe, sei der richtige Schritt gewesen.

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) dankte der Schulleitung ebenfalls: "Hetzerische Lieder und Beleidigungen sind kein Kavaliersdelikt", schrieb er in einer Mitteilung vom Montagabend. "Den Jugendlichen muss deutlich vor Augen geführt werden, dass wir so etwas in unserem Land nicht dulden."

Die Grünberger Theo-Koch-Schule ist wegen ihrer Arbeit in der Extremismus-Prävention mehrfach ausgezeichnet worden und hat sich als erste hessische Schule 1996 als "Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage" verpflichtet.

56.000 Häftlinge starben im KZ Buchenwald

Beim Besuch der Schüler in der KZ-Gedenkstätte selbst seien keine Auffälligkeiten registriert worden, sagte der Sprecher der Gedenkstättenstiftung am Dienstag. Allerdings sei ein Vorfall wie der aus Grünberg eine absolute Ausnahme. Nach Schülerbesuchen gebe es in der Regel Auswertungsgesprächen mit den jeweiligen Verantwortlichen an den Schulen, so der Sprecher.

Das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar (Thüringen) diente den Nationalsozialisten zwischen Juli 1937 und April 1945 als Haftlager für Zwangsarbeiter. Dort starben nach Schätzungen etwa 56.000 Häftlinge. Kurz bevor die US-Armee Buchenwald erreichte, hatten die Häftlinge am 11. April 1945 die Leitung übernehmen können. Das ehemalige KZ ist heute eine Gedenkstätte für die Verbrechen der NS-Diktatur.

Sendung: hr4, 01.11.2019, 16.30 Uhr