Ein 22-jähriger Mann aus Hessen wird sich für eine lange Liste an Vergehen vor Gericht verantworten müssen. Er hatte unter anderem Daten der Kanzlerin veröffentlicht und versucht, sechs Bundestagsabgeordnete zu erpressen. Jetzt wurde Anklage erhoben.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Anklage gegen hessischen Schüler wegen Veröffentlichung von Politikerdaten

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Im Fall eines Schülers aus Osthessen, der vor rund eineinhalb Jahren persönliche Daten von Politikern und anderen Menschen im Internet ausgespäht und veröffentlicht haben soll, ist Anklage erhoben worden. Die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt hat diese laut Mitteilung von Dienstag beim zuständigen Amtsgericht in Alsfeld (Vogelsberg) eingereicht. Der heute 22-Jährige aus Homberg (Ohm) kaufte die dafür nötigen Passwörter laut Anklage teilweise auf einer illegalen und von US-amerikanischen Behörden im Januar 2020 abgeschalteten Hacker-Webseite an.

In anderen Fällen täuschte der Beschuldigte laut Anklageschrift die Anbieter von E-Maildiensten über seine Identität und erhielt so per Passwortrücksetzungsoption Zugriff auf die Konten der Geschädigten. Insgesamt wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, von August 2015 bis Januar 2019 in 73 Fällen persönliche Daten wie etwa Telefonnummern, Kreditkartendaten, Anschriften, Fotos oder Chats erlangt zu haben.

Verdächtiger gestand bei Festnahme

Der damals 20-Jährige war im Januar vergangenen Jahres kurzzeitig festgenommen worden. Der Fall erregte große Aufmerksamkeit und führte zu einer Diskussion um härtere Strafen. Ihm wird unter anderem das Ausspähen von Daten, Datenhehlerei, Datenfälschung sowie versuchte Erpressung und Verstoß gegen das Bundesdatenschutzgesetz vorgeworfen. Die taz hatte bereits am Montag von der Anklageerhebung durch die Staatsanwaltschaft berichtet.

Der Verdächtige gestand nach seiner Festnahme, massenhaft Daten ausgespäht und im Internet verbreitet zu haben. Betroffen waren rund tausend Menschen, darunter Politiker sowie andere Prominente und Journalisten. Meist ging es um Adressen und Telefonnummern, in 50 bis 60 schwereren Fällen aber etwa auch um private Chatverläufe.

Brisanter "Adventskalender" bei Twitter

Zur Veröffentlichung der Daten inszenierte er im Dezember 2018 einen "Adventskalender" im Kurzbotschaftendienst Twitter unter den Namen "G0D". Dabei machte er laut Anklageschrift Daten von insgesamt 993 Politikern zugänglich. Besonders betroffen war Grünen-Parteichef Robert Habeck. Aber auch von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) war ein Datensatz - unter anderem mit Faxnummer und einer E-Mail-Adresse - aufgetaucht.

Der Fall hatte damals weite Konsequenzen. Habeck kündigte kurz darauf an, sich als Konsequenz aus dem Ärger um Wahlkampf-Tweets und den Datendiebstahl von Twitter und Facebook zu verabschieden. Die Bundesregierung versprach, die Cyber-Sicherheit verbessern - etwa durch das Errichten eines "Cyber-Abwehrzentrum plus".

Opfer sollten in der Kryptowährung Bitcoins zahlen

Darüber hinaus versuchte er demnach, sechs Bundestagsabgeordnete zu erpressen. Er drohte mit der Veröffentlichung von Informationen und verlangte je einen Betrag von rund 900 Euro in der Kryptowährung Bitcoin.

Neben den Vorwürfen rund um den Datendiebstahl werden dem jungen Mann weitere Vergehen zur Last gelegt. So soll er von 2016 bis 2018 dreimal falsche Anschlags- und Amokankündigungen verfasst und zudem zwei andere Menschen zu Unrecht einer Straftat bezichtigt haben.

Der junge Verdächtige, der damals noch bei seinen Eltern wohnte, gab in Vernehmungen an, die Daten aus Ärger über Politiker und Prominente veröffentlicht zu haben.

Sendung: hr-iNFO, 26.05.2020, 11.00 Uhr