SEK-Einsatz in Biebergemünd
Der mutmaßliche Schütze wurde im nahen Biebergemünd leblos in seinem Auto gefunden. Bild © Michael Seeboth (hr)

Der mutmaßliche Schütze von Wächtersbach hat sein Opfer nur aufgrund seiner Hautfarbe angegriffen. Bei dem 55-Jährigen wurden mehrere Schusswaffen gefunden. Kontakte in die rechtsextreme Szene sind nach Angaben der Ermittler aktuell nicht belegt.

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Oberstaatanwalt Alexander Badle

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zum Video Oberstaatsanwalt Badle: "Klar fremdenfeindliches Motiv"

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Der mutmaßliche Täter, der am Montagnachmittag in Wächtersbach (Main-Kinzig) einen 26 Jahre alten Eritreer auf offener Straße aus einem Auto heraus niedergeschossen haben soll, handelte aus fremdenfeindlichen Motiven. Das sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, Oberstaatsanwalt Alexander Badle, am Dienstag.

Opfer aufgrund der Hautfarbe

Wie der Sprecher weiter ausführte, wählte der mutmaßliche Täter, der 55 Jahre alte Roland K. aus dem Main-Kinzig-Kreis, sein Opfer "zufällig, aber dann doch gezielt aufgrund seiner Hautfarbe" aus. Der mutmaßliche Schütze habe demnach wohl gezielt nach einem Opfer gesucht.

Der 26-jährige Eritreer wurde durch einen Schuss in den Bauchbereich getroffen. Eine Not-OP rettete sein Leben. "Er schwebt nicht mehr in Lebensgefahr", so Oberstaatsanwalt Badle.

Mahnwache in Wächtersbach

Als Reaktion auf die Tat rief die Stadt Wächtersbach für Dienstagabend (19 Uhr) zu einer Mahnwache gegen Rassismus auf.

Nachdem sich im Ort herumspreche, dass das Opfer wohl aufgrund seiner Hautfarbe gewählt wurde, mache sich Betroffenheit bemerkbar, sagte Bürgermeister Andreas Weiher (SPD). Die Bevölkerung sei am Ort des Vorfalls eingeladen, "dem Opfer und seiner Familie zu gedenken und ein Zeichen zu setzen gegen rassistische Gewalt", hieß es in dem gemeinsamen Aufruf von Stadtverordnetenvorsteher Gerhard Koch, Bürgermeister Weiher, Landrat Thorsten Stolz (SPD) sowie der Kirchen des Ortes.

Keine Belege für Kontakte in rechtsextreme Szene

Der mutmaßliche Täter war am Montagnachmittag von der Polizei im nahen Biebergemünd leblos in seinem Auto gefunden worden. Er hatte sich durch einen gezielten Schuss in den Kopf selbst das Leben genommen, erklärte Badle am Dienstag. Zuvor hatten Spezialkräfte der Polizei in einem Großeinsatz nach dem Täter gesucht, nachdem Augenzeugen der Tat die Rettungskräfte benachrichtigt hatten.

Wie Behördensprecher Badle am Dienstag weiter ausführte, sei der mutmaßliche Täter zuvor nicht polizeilich in Erscheinung getreten. Zum Inhalt eines gefundenen Abschiesbriefs wollte Badle mit Verweis auf das "postmortale Persönlichkeitsrecht" des 55-Jährigen keine Angaben machen.

Gleichzeitig wandte sich der Behördensprecher gegen Spekulationen, dass eine "rechtsextreme oder rechtsnationalistische Gesinnung im Raum steht". Aktuell gebe es trotz des rassistischen Motivs keine belastbaren Erkenntnisse, wonach der mutmaßliche Täter Kontakte in rechtsextreme Kreise hatte. "Wir werden aber sein Umfeld weiter beleuchten", sagte Badle: "Der Verantwortung, die wir da haben, sind wir uns durchaus bewusst."

Sechs Schusswaffen sichergestellt - 55-Jährige besaß Waffen legal

Im Zuge der Durchsuchungen des Autos und der Wohnung des mutmaßlichen Täters wurden insgesamt fünf Schusswaffen sichergestellt, zwei im Auto und drei in der Wohnung des 55-Jährigen.

"In dem Auto des mutmaßlichen Schützen wurden zwei halbautomatische Schusswaffen sichergestellt. In seiner Wohnung eine weitere halbautomatische Pistole sowie zwei Langwaffen", führte Badle aus.

Kurz vor der Tat hatte der Mann zudem eine weitere halbautomatische Pistole verkauft. "Wir konnten den Käufer ausfindig machen und auch diese Waffe sicherstellen", so Badle.

Der mutmaßliche Schütze habe alle sichergestellten Schusswaffen legal besessen, erklärte der Oberstaatsanwalt. Weshalb der Mann so viele Schusswaffen besaß, verriet Badle nicht.

Tat am Jahrestag des Utoya-Massakers

Ob es einen möglichen Zusammenhang mit dem Jahrestag der Anschläge in Norwegen am 22. Juli 2011 gebe, sei unklar, sagte Badle auf Nachfrage dem hr. Der rechtsterroristische Massenmörder Anders Breivik hatte an diesem Tag 77 Menschen getötet, darunter zahlreiche Jugendliche in einem Camp auf der Insel Utoya.