Der Besuch in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald gab ihnen nicht zu denken: Noch im Bus sollen Schüler aus Grünberg judenfeindliche Lieder gesungen haben. Nun beziehen die Schulgremien auf ungewöhnliche Weise Stellung.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Nach antisemitischem Vorfall: Theo Koch Schule aus Grünberg bezieht Stellung

Das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald
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Es war ein Vorfall, der weit über die Grenzen der 14.000 Einwohner-Stadt Grünberg (Gießen) hinaus für Schlagzeilen sorgte. Anfang November wurde bekannt, dass mehrere Schüler der Theo-Koch-Schule auf dem Rückweg von einem Besuch der Gedenkstätte im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar antisemitische Lieder abgespielt und mitgesungen hatten.

Schon damals kündigte die Schule Konsequenzen an. Nun hat sich Schulgemeinde an die Öffentlichkeit gewandt - mit einer Anzeige in regionalen Zeitungen.

"Beschämt und erschüttert"

In der unter der Überschrift "Null Toleranz bei Antisemitismus" erschienenen Anzeige erklärt die Schulgemeinde, dass sie "beschämt und erschüttert" habe zur Kenntnis nehmen müssen, "dass judenfeindliches und antisemitisches Gedankengut auch unter uns Raum" gefunden habe.

"Wir sind tief betroffen über den furchtbaren Hass, der in dem Text eines antisemitischen Liedes zum Ausdruck kam, das von Schülerinnen und Schülern unserer Schule ausgerechnet nach dem Besuch der KZ-Gedenkstätte Buchenwald gehört wurde", heißt es weiter.

Rechtsrock auf dem Handy abgespielt

Laut Medienberichten sollen Schüler der Mittelstufe auf der Rückfahrt vom Besuch im KZ Buchenwald Lieder der rechtsradikalen Musikgruppe "Landser" abgespielt haben. Diese galt bis Anfang des Jahrtausends als bekannteste "Rechtsrock-Band". In ihren Texten wurde regelmäßig zu Gewalt gegen Juden, Menschen mit Migrationshintergrund und politisch Andersdenkende aufgerufen. 2003 wurde die Band von einem Berliner Gericht als "kriminelle Vereinigung" eingestuft.

Der Vorfall soll sich Mitte Oktober ereignet haben. Die Schulleitung schaltete die Polizei ein - ohne jedoch Anzeige zu erstatten. Die Polizei leitete dennoch Ermittlungen wegen Volksverhetzung ein. Die Schule und das zuständige Schulamt kündigten an, sowohl pädagogische als auch Ordnungsmaßnahmen zu prüfen.

Schulische Maßnahmen und Projektarbeit

In der nun veröffentlichten Anzeige betont die Schulgemeinde - bestehend aus Leitung, Elternschaft, Schülervertretung und Förderverein - dass es an der Theo-Koch-Schule "keinen Platz für menschenverachtende Ideologien, Hass und Ausgrenzung jeder Art" gebe.

Die Schule beteilige sich bereits seit 1996 an der Aktion "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage". Daraus gehe die Verpflichtung hervor, "sich gegen jegliche Diskriminierung, Antisemitismus, Rassismus und Menschenverachtung einzusetzen".

Laut einem Bericht des "Gießener Anzeigers" wurden mittlerweile gegen vier Schülerinnen und Schüler nicht näher spezifizierte "schulische Maßnahmen ergriffen". Nach den Weihnachtsferien sollen für die Klassen der Stufe 9 Projekttage vom "Netzwerk Demokratie und Courage" durchgeführt werden.