Zwei Kinder halten ein selbstgemaltes Plakat hoch, auf dem "Brems für mich" geschrieben steht. Im Hintergrund weitere Kinder, Eltern und selbstgebaute Plakate.

Um eine neue Grundschule in Waldeck-Sachsenhausen zu erreichen, müssen viele Kinder über eine vielbefahrene Bundesstraße. Eltern und Schule fordern eine Ampel. Bisher ohne Erfolg.

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zum Video Verkehrsprobleme an neuer Grundschule

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Die neue Grundschule in Waldeck-Sachsenhausen (Waldeck-Frankenberg) ist fertig. Eigentlich ein Grund zur Freude. Zwei Jahre lang wurde gebaut, nach den Sommerferien sollen die Kinder hier lernen und spielen. Doch der neue Standort ändert auch den erlernten Schulweg. 56 Kinder müssen nach den Sommerferien die vielbefahrene Bundesstraße 485 überqueren - ohne Ampel.

Im Schnitt rauschen pro Stunde rund 2.500 Fahrzeuge auf der B485 durch den Ort, das hat eine Zählung der Stadt Waldeck ergeben. Autos, Lastwagen, Traktoren. Dass hier Tempo 50 gilt, kümmert einige Menschen am Steuer leider wenig. Höchstgeschwindigkeiten bis zu 97 Stundenkilometern wurden hier schon gemessen. Die Eltern sind alarmiert. Zuerst hatte die HNA darüber berichtet.

Schule hat auf schwierige Verkehrssituation hingewiesen

Bereits 2019 hatte die Schulleitung nach eigenen Angaben Kontakt zum Landkreis und zu Hessen Mobil gesucht und auf die schwierige Verkehrssituation am neuen Standort hingewiesen. Es sei allerdings nie klar geworden, wer jetzt genau zuständig sei, erklärt Brigitte Trietsch. Sie ist Konrektorin der Mittelpunktschule Waldeck-Sachsenhausen und zuständig für die pädagogische Leitung der Grundschule. "Es ist alles in der Schwebe", klagt sie.

Die Schulleiterin Brigitte Trietsch mit kurzen Haaren, Brille und grün-gestreiftem T-Shirt spricht in die Kamera. Im Hintergrund ist der Schulhof mit spielenden Kindern zu sehen.

Die Schule sei zwar verpflichtet, einen Schulwegeplan zu erstellen, denn nur so seien die Kinder auf ihrem Weg zur Schule versichert. Aber noch immer habe man den Kindern noch keine Route für ihren Schulweg zeigen können. Vor allem sei nicht geklärt, wie die Kinder über die Bundesstraße kommen sollen.

Kreis beauftragt Verkehrs- und Fußgängerzählung

Eltern wie Sandra Schwieder fordern deshalb eine sichere Querung für ihre Kinder: "Die Verkehrsfrequenz ist zu hoch, um hier ohne eine Ampel sicher über die Straße zu kommen", sagt sie. Die Elternbeiratsvorsitzende Rufina Enns fürchtet, Kinder könnten aus Panik, dass sie zu spät zur Schule kommen, unachtsam handeln und über die Straße laufen.

Bei einem Vor-Ort-Termin im Februar hatten sich Landrat Reinhard Kubat (SPD), Polizei, Hessen Mobil und die Gesamtelternbeiräte der Kindergärten und Schulen gemeinsam ein Bild von der Situation gemacht. Passiert sei bisher nichts, sagt Konrektorin Trietsch: "Es ist ein Verschieben von Verantwortlichkeiten".

Mittlerweile hat sich der Landkreis Waldeck-Frankenberg der Sache angenommen und eine Verkehrs- und Fußgängerzählung bei Hessen Mobil beauftragt. Auf die von der Stadt Waldeck ermittelten Daten könne man hierbei nicht zurückgreifen, so Petra Frömel aus der Pressestelle. Anhand der Ergebnisse werde man entscheiden, ob und welche Anlage zum Schutz der Kinder eingerichtet werden könne. Am 13. Juli befasste sich der Kreisausschuss mit dem Fall. Man nehme die Sorgen der Eltern ernst, hieß es später.

Verkehrsplaner rät zu Baustellenampel

Verkehrsplaner Andreas Schmitz wundert sich über das Vorgehen der Behörde. Er leitet den Arbeitsausschuss Fußverkehr in der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen und kennt die Richtlinien. Er sagt: "Wenn es um Schulwegsicherung geht, ist eine Ampel schon bei wesentlich weniger Fußgängern angezeigt."

Für die Beteiligten hat er einen Tipp: "Ich kenne die Situation vor Ort nicht, aber was man auf alle Fälle machen kann, ist eine temporäre Lösung. Für die Übergangszeit einfach eine Baustellenampel hinstellen, bis alles rechtlich geklärt ist. Das kann die Situation einfach verbessern."

Sechs Wochen Sommerferien bleiben noch, dann muss ein sicherer Schulweg her. Eltern und Kinder haben eine Plakataktion gestartet und wollen so auf das Problem aufmerksam machen. Bis Anfang September sollen die großformatigen Banner hängen bleiben und allen Autofahrerinnen und Brummi-Fahrern signalisieren: "Wir sind klein und ihr seid groß", deshalb bitte: "Brems für mich".

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