Waffen, Goldbarren, Luxusautos: Bei Razzien gegen Schwarzarbeit im Reinigungsgewerbe sind im Rhein-Main-Gebiet acht Menschen festgenommen worden. Die Polizei spricht von organisierter Kriminalität.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Acht Menschen bei Razzia gegen Reinigungsgewerbe festgenommen

Ein Polizist bei einer Razzia in einer Reinigungsfirma
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Insgesamt 50 Objekte wurden am Dienstagmorgen nach Angaben des Zolls im Rhein-Main-Gebiet, in Köln und der Umgebung von Passau untersucht. "Heute ist ein großer Schlag gegen illegale Schwarzarbeit gelungen", erklärte eine Zoll-Sprecherin.

Acht Hauptverdächtige seien festgenommen worden, insgesamt werde gegen eine Gruppe von 20 Menschen ermittelt. Durch die Schwarzarbeit soll ein Steuerschaden von mehr als neun Millionen Euro, etwa durch nicht gezahlte Lohnsteuern und Sozialversicherungsbeiträge, entstanden sein.

Goldbarren, Bargeld und Luxusautos sichergestellt

Bei den Durchsuchungen sicherten die Ermittler nicht nur Dokumente, Rechner und Mobiltelefone, sondern auch Vermögenswerte. So wurden Konten gepfändet und Goldbarren, Bargeld und mehrere Luxusautos sichergestellt.

Insgesamt seien "Vermögensarreste" der Amtsgerichte Frankfurt und Darmstadt in Höhe von mehr als 24 Millionen Euro vollstreckt worden, hieß es. Auch eine Schusswaffe, größere Mengen Munition und verbotene Waffen wurden bei den Durchsuchungen gesichert.

Sechs Männer und zwei Frauen festgenommen

Der Schwerpunkt der Aktion lag bei einem Unternehmen mit Sitz in Frankfurt. Bei den festgenommenen Hauptverdächtigen handele es sich um sechs Männer und zwei Frauen im Alter von 25 bis 65 Jahren. An den Durchsuchungen seien mehr als 550 Einsatzkräfte beteiligt gewesen, darunter eine Spezialeinheit des Zolls.

Ein Teil der aufgrund von Haftbefehlen der Staatsanwaltschaften in Frankfurt und Darmstadt Festgenommenen soll seit dem Jahr 2015 in dem Frankfurter Reinigungsunternehmen Personal illegal beschäftigt haben.

Scheinrechnungen über 27 Millionen Euro

Gleichzeitig soll das Unternehmen fast 40 Millionen Euro Umsatz durch Aufträge der öffentlichen Verwaltung erwirtschaftet haben. Um die Schwarzlohnzahlungen zu verschleiern, sollen Scheinrechnungen angeblicher Subunternehmen verbucht worden sein, die sich auf mehr als 16 Millionen Euro beliefen. Dafür sei aber nie eine Arbeitsleistung erbracht worden, hieß es.

Der Zoll spricht bei diesem Vorgehen von Kettenbetrug. Illegale Strukturen in Bau- und Reinigungsbranche seien der Organisierten Kriminalität zuzurechnen, sagte die Sprecherin. "Die arbeiten abgeschottet und höchst konspirativ."

Unter den Festgenommenen befinden sich auch Betreiber von Servicefirmen, die solche Scheinrechnungen in Rechnung stellten - offenbar nicht nur an das Reinigungsunternehmen, das nun im Zentrum der Ermittlungen steht. Es bestehe der Verdacht, dass Scheinrechnungen in Höhe von mehr als 27 Millionen Euro an zahlreiche verschiedene Abnehmer verkauft worden seien, erklärte der Zoll.

Sendung: hr3-Nachrichten, 27.04.2021, 14.20 Uhr