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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Großrazzia gegen Schwarzarbeit

Zollbeamte tragen Kisten mit Akten

Polizei und Staatsanwaltschaft haben im Rhein-Main-Gebiet ein Schwarzarbeits-Netzwerk ausgehoben. Bei einer Großrazzia wurden fünf Männer festgenommen. Sie sollen Sozialversicherungsbeiträge von fast sechs Millionen Euro hinterzogen haben.

Mehr als 500 Einsatzkräfte des Zolls haben am Dienstag und am vergangenen Freitag mit Schwerpunkt im Rhein-Main-Gebiet eine Razzia gegen organisierte Schwarzarbeit im Baugewerbe durchgeführt.

Dabei wurden ein mutmaßliches Netzwerk von Bau- und Scheinfirmen zerschlagen und vier mutmaßliche Haupttäter festgenommen, wie die Staatsanwaltschaft Darmstadt und das Hauptzollamt Gießen am Dienstag mitteilten.

Mehr als 60 Durchsuchungen und 22 Beschuldigte

Die Ermittler vollstreckten mehr als 60 Durchsuchungsbeschlüsse, durchsuchten Firmenräume, Wohnungen und Steuerberaterbüros, überwiegend in Hessen, aber auch in Rheinland-Pfalz.

"Wir gehen nach bisherigem Ermittlungsstand für den Zeitraum der letzten drei Jahre von einem Schaden für die Sozialkassen von insgesamt fast sechs Millionen Euro aus. Dazu kommt noch ein zu erwartender beträchtlicher Steuerschaden", sagte ein Sprecher des Hauptzollamts Gießen.

Die Ermittlungen in mehreren parallel geführten Verfahren der Staatsanwaltschaften richten sich gegen insgesamt 22 Beschuldigte. Im Mittelpunkt steht eine Baufirma im Kreis Offenbach, gegen deren 55 und 28 Jahre alten Betreiber der Verdacht besteht, die Firma nur zum Schein als sogenannte Servicefirma zu betreiben. Die beiden Männer sitzen in Untersuchungshaft. Sie sollen für einen Schaden von rund 3,4 Millionen Euro verantwortlich sein und gelten als Köpfe der Bande, wie die Ermittler weiter mitteilten.

Scheinrechnungen für Bauleistungen

Der Unternehmenszweck sei die Erstellung von Scheinrechnungen gewesen, denen keinerlei Bauleistungen zugrunde lagen, und der Verkauf solcher Rechnungen an Baufirmen. Die Verantwortlichen dieser Unternehmen wiederum sollen die entsprechenden Beträge zwar an die Servicefirma überwiesen haben, jedoch das Geld - nach Abzug einer Provision - wieder bar zurückerhalten haben, um ihrerseits Schwarzlöhne an die von ihnen beschäftigten Arbeiter zu zahlen.

Ein Teil der Bauarbeiter sei von sogenannten Kolonnenschiebern im Auftrag von Baufirmen auf die Baustellen gebracht und über die besagte Firma angemeldet worden, um so die wahren Arbeitgeber zu verschleiern.

Ebenfalls festgenommen wurden ein 23 Jahre alter, mutmaßlicher Mittäter aus Gießen sowie der 46 Jahre alte Geschäftsführer einer Baufirma im Landkreis Neuwied (Rheinland-Pfalz). Ein weiterer Haftbefehl gegen einen 53-Jährigen aus Frankfurt wurde wegen Verdunkelungsgefahr ebenfalls vollstreckt.

107.000 Euro in einer Einkaufstüte

Bei den Durchsuchungen stellten die Ermittler umfangreiches Beweismaterial sicher, darunter auch Computer, Mobiltelefone und Datenträger, die durch Spezialkräfte des Zolls für IT-Forensik ausgewertet werden.

In einer Wohnung erschnüffelte ein Bargeldspürhund 107.000 Euro in einer Einkaufstüte im Schlafzimmer. Insgesamt stellten die Ermittler 213.000 Euro Bargeld sowie das Auto eines der Beschuldigten sicher. Die Fahnder entdeckten auch 235 Gramm Marihuana, sechs Gramm Kokain, zwei nicht gekennzeichnete Luftgewehre sowie einen sogenannten Totschläger.

Sendung: hr-iNFO, 22.09.2020, 14 Uhr