Polizei- und Rettungseinsatz in der Asylunterkunft Großkrotzenburg

Die Fluchttür kaputt, kein Sicherheitsdienst da und zu viele Menschen unter einem Dach? Die Tötung eines Flüchtlings in einer Asylunterkunft in Großkrotzenburg wirft grundsätzliche Fragen auf. Das sehen neben den Bewohnern auch der Landkreis und der Flüchtlingsrat so.

Der mutmaßliche Messerstecher ist gefasst, ein einschlägig vorbestrafter Mitbewohner. Aber die Tötung eines 25 Jahre alten Mannes Mitte Januar in einer Flüchtlingsunterkunft in Großkrotzenburg (Main-Kinzig) hat nach Meinung der dort untergebrachten Menschen allgemeine Sicherheitsprobleme offenbart. Davon berichten die 38 Unterzeichner in einem offenen Brief.

Das Schreiben, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, ist an Main-Kinzig-Landrat Thorsten Stolz (SPD) und Bürgermeister Thorsten Bauroth (parteilos) gerichtet. Darin schildern die Bewohner unter anderem, wie das Opfer seinem Angreifer vergeblich habe entkommen wollen: Eine Fluchttür sei defekt und blockiert gewesen.

"Lückenlose Aufklärung" versprochen

Außerdem sei am Tag der Bluttat entgegen offizieller Darstellung gar kein Sicherheitsdienst in der Einrichtung gewesen. "Es waren mehrere Bewohner, die den Täter überwältigten", heißt es in dem offenen Brief. In ihrer gemeinsamen Pressemitteilung über die Tat hatten es Staatsanwaltschaft Hanau und Polizeipräsdium Osthessen anders dargestellt: "Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes hatten den 33-Jährigen nach der Tat überwältigt und ihn bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten", hieß es am 14. Januar.

Bürgermeister Bauroth kündigte eine "lückenlose Aufklärung" der Hintergründe an. Die Strafverfolgungsbehörden könnten sich "jedweder Unterstützung durch die Gemeinde Großkrotzenburg sicher sein", sagte er.

Der Staatsanwaltschaft in Hanau hat von dem Brief, der weniger Tage nach der Tat verschickt und erst jetzt bekannt wurde, nach eigener Darstellung Kenntnis. Er werde bei den noch laufenden Ermittlungen "selbstverständlich berücksichtigt", sagte ein Sprecher der Behörde. Details dazu nannte er aus "ermittlungstaktischen Gründen" nicht.

Landkreis fordert Konsequenzen

Der Hessische Flüchtlingsrat, über dessen Mail-Verteiler der offene Brief unter anderem verbreitet wurde, forderte kleinere Unterkünfte für Flüchtlinge und Asylsuchende. Gemischte Massenunterkünfte seien "ein strukturelles Problem", sagte Geschäftsführer Timmo Scherenberg in Frankfurt.

Der Main-Kinzig-Kreis kritisierte, dass in Flüchtlingsunterkünften auch Menschen in der Zeit "zwischen einer Haftstrafe und der angekündigten Abschiebung" untergebracht werden. "Hier müssten aus dem Vorfall die Konsequenzen gezogen werden und auf Landesebene das Verfahren geändert werden", sagte ein Sprecher.

Die AfD Im Landtag wertete den Fall dagegen als Beleg für eine "verfehlte Einwanderungspolitk". Sie forderte in einer Stellungnahme am Dienstag "konsequentes Abschieben aller, die keine Chance auf Asyl haben". Das entschärfe auch "unhaltbare und schlimme Zustände" wie in Großkrotzenburg.

Verdächtiger beging ähnliche Tat

Der 25 Jahre alte Bewohner der Unterkunft war Mitte Januar mutmaßlich von dem Mitbewohner im Streit erstochen worden. Der 33 Jahre alte Somalier wurde festgenommen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war er bereits 2014 wegen versuchten Totschlags zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Er hatte damals im benachbarten Maintal eine ähnliche Tat begangen. Die Haftstrafe saß der Mann den Angaben zufolge komplett ab.