Ein hessischer Polizist in Uniform mit Dienstwaffe.
Ein hessischer Polizist in Uniform mit Dienstwaffe. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

100 Durchsuchungen in sieben Bundesländern, mehrere Festnahmen: Polizei und Zoll haben eine Bande hochgenommen, die bundesweit Scheinehen arrangiert haben soll. Schwerpunkt war das Rhein-Main-Gebiet.

Bei der Durchsuchung von fast 100 Objekten in sieben Bundesländern sowie in Tschechien haben Ermittler von Zoll und Polizei am Mittwoch Beweise gegen organisierte Vermittler von Scheinehen gesammelt. Mehrere Tatverdächtige seien festgenommen worden, sagte eine Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft.

Die Razzia hatte schon in den frühen Morgenstunden begonnen. Ein Schwerpunkt lag dabei den Angaben zufolge im Rhein-Main-Gebiet. Rund 850 Beamte von Bundes- und Landespolizei sowie dem Zoll waren an dem Einsatz beteiligt.

Fünfstellige Summen für eine Scheinehe

Die Aktion richtete sich gegen mehrere Gruppen von kosovarischen, bulgarischen und serbischen Staatsangehörigen. Sie sollen seit Ende 2015 zahlungswilligen, vornehmlich aus dem Kosovo stammenden Männern zu Scheinehen mit einkommensschwachen Frauen aus Tschechien, Rumänien oder Bulgarien verholfen haben.

Den Männern wurde so der Aufenthalt in der Europäischen Union (EU) ermöglicht. Die Kunden sollen dafür zum Teil fünfstellige Summen gezahlt haben. Die Ermittler gehen von mehreren hundert Fällen aus.

Steuern und Abgaben hinterzogen

Mehrere Beschuldigte sollen außerdem als Verantwortliche von Bauunternehmen Schwarzarbeiter beschäftigt haben. Die Löhne wurden demnach mit Scheinrechnungen von "Servicefirmen" verschleiert.

Lohn- und Umsatzsteuern wurden so hinterzogen. Zudem geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von etwa sechs Millionen Euro nicht abgeführt wurden.

Sendung: hr-iNFO, 21.03.2018, 17.00 Uhr