Susanne Wetzel (l), Vorsitzende Richterin am Landgericht Hanau, eröffnet den Prozess gegen eine 60-jährige Frau (r), die zusammen mit ihren Verteidigern auf der Anklagebank sitzt.

Hat sich eine Mutter an der Ermordung ihres kleinen Jungen beteiligt, weil er in ihrer Sekte als "Inkarnation Hitlers" galt? 33 Jahre nach der Tat hat am Landgericht Hanau der Prozess gegen die Frau begonnen.

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Mehr als drei Jahrzehnte nach dem gewaltsamen Tod eines Vierjährigen hat am Dienstag vor dem Landgericht Hanau der Prozess gegen die Mutter des Jungen begonnen. Zum Auftakt verlas Oberstaatsanwalt Dominik Mies die Anklageschrift gegen die 60-Jährige, der vorgeworfen wird, ihren Sohn am 17. August 1988 aus niedrigen Beweggründen ermordet zu haben.

Konkret werde der Angeklagten vorgeworfen, ihren vierjährigen Sohn in einen Sack gesteckt, diesen oben zugeschnürt und in die Obhut einer mutmaßlichen Sekten-Anführerin gegeben zu haben, sagte Mies. "In diesem Sack ist der Junge später ums Leben gekommen." Das Kind soll ohnmächtig geworden und an seinem Erbrochenen erstickt sein.

Die mutmaßliche Sekten-Chefin soll dem Jungen nach dem Leben getrachtet haben. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hatte sie der Mutter des Jungen eingeredet , dass ihr Sohn die "Reinkarnation Hitlers, ein Machtsadist und von den Dunklen besessen" sei. Deshalb habe die Mutter den Tod des kleinen Jungen billigend in Kauf genommen.

Auch soll die mutmaßliche Sekten-Anführerin der Gemeinschaft mehrfach prophezeit haben, dass der Junge bald "vom Alten" geholt werde - gemeint sei Gott gewesen, sagte Mies. Diese Frau war vor rund einem Jahr wegen Mordes an dem Kind zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Die mittlerweile 74-Jährige ist in Revision gegangen, das Urteil gegen sie nicht rechtskräftig.

"Verzweifelte Mutter"

Die Verteidigerin der nun angeklagten Deutschen bezeichnete ihre Mandantin als eine "verzweifelte Mutter, eine Frau, die medial bereits vorverurteilt scheint". In dem Prozess müsse es aber allein um die Frage gehen, ob ihre Mandantin schuldig im Sinne des Strafrechts oder freizusprechen sei.

Der Staatsanwaltschaft warf die Verteidigung unter anderem vor, man habe erst mit monatelanger Verzögerung Einsicht in Beweismittel erhalten. Bei der größe des Sacks sei ein falsches Maß angegeben worden.

2015 wieder aufgerollt

Die Frau war im September vergangenen Jahres - einen Tag nach dem Mordurteil gegen die mutmaßliche Sekten-Chefin - in Leipzig festgenommen worden und sitzt seither in Untersuchungshaft. Ermittler hatten den Tod des Jungen lange Jahre für einen Unfall gehalten, erst 2015 war der Fall nach Hinweisen von Sekten-Aussteigern wieder aufgerollt worden.

Für den Prozess sind zunächst 14 weitere Verhandlungstage bis kurz vor Weihnachten angesetzt. Fortgesetzt wird er am 27. September. Dann werde sich die Angeklagte umfangreich einlassen, kündigten ihre Verteidiger an.

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