Collage: Winterwetter mit Schnee und verregnete Landschaft

Schnee und Dauerfrost im Norden, Fast-Frühling im Süden: Ein ungewöhnliches Wetterphänomen teilt Hessen. Im Grenzbereich beider Welten wird es am Wochenende ungemütlich.

Selten schauen die Wetterexperten so gebannt auf die Vorhersage-Daten wie am Freitag. "Es ist ein Phänomen, das einem Meteorologen nur ein paar Mal in seiner Karriere begegnet", schwärmt hr-Meteorologe Tim Staeger. "Eine ganz spannende Sache."

Was den Profi fasziniert, bedeutet für den Laien in der Praxis vor allem eines: einen Wintereinbruch in Nordhessen, der riesige Temperaturunterschiede zum Süden mit sich bringt.

Achtung, Glatteis!

"Von Südwesten kommt sehr milde Luft. Sie drückt gegen sehr kalte, sibirische Luft, die sich schon über den Norden Deutschlands gelegt hat", erklärt Staeger. Je weiter man in den Norden gehe, desto winterlicher werde es.

Und dort, wo beide Luftmassen aufeinandertreffen, wird es besonders ungemütlich: "Direkt in dem Übergangsbereich kann es auch gefrierenden Regen geben." Das wiederum könne zu einigen Problemen durch Glatteis führen. Genau lässt sich der betroffene Streifen noch nicht eingrenzen. Vermutlich liegt die Grenze auf der Höhe von Marburg und Bad Hersfeld.

Bis zu 15 Grad Unterschied

Nördlich davon fällt von Samstag an bei Temperaturen um den Gefrierpunkt Schnee, im Süden dagegen wird es bei bis zu 10 Grad regnerisch und mild. Der deutliche Kontrast setzt sich auch am Sonntag fort - und er wird sogar noch größer: Während es in Südhessen ähnlich mild bleibt wie am Samstag, herrscht im Norden Dauerfrost bei Höchstwerten von minus 6 Grad.

Und im Norden geht es nicht einfach um Schnee, sondern laut Staeger um jede Menge davon. "Es kann vor allem Richtung Upland bis zum Sonntag zum Teil über 20 Zentimeter Neuschnee geben." Auch rund um Kassel wird es weiß. "Da kann es auch bis in die Niederungen zum Teil zehn bis 15 Zentimeter Neuschnee geben." Auch etwas südlicher davon, bis zum Übergangsbereich, könnten einige Flocken fallen.

Erst einmal gut für Hochwasserlage

Anfang kommender Woche wird das geteilte Hessen wettermäßig dann allmählich wiedervereinigt. Denn die Kaltluft bahnt sich ihren Weg nach Süden und hessenweit kann Schnee fallen: Bis zu 20 Zentimeter können laut Staeger rund um die Rhön und den Vogelsberg zusammenkommen. "Im Süden können die Höchstwerte noch ganz leicht im Plus liegen, ansonsten haben wir verbreitet Dauerfrost." Über minus fünf Grad werden die Temperaturen kaum steigen.

Zwar fällt am Wochenende verbreitet Schnee und Regen, eine weitere Hochwasserwelle erwartet Staeger dadurch aber nicht. "Die Regenfälle bewegen sich in einem Ausmaß, das nicht mehr kritisch ist für die Pegelstände." Außerdem wirke sich die Kälte positiv auf die Lage aus: "Die Temperatur sinkt ja ziemlich schnell ab. Damit wird das Tauwetter gestoppt."

Historische Kaltfront?

Ungewöhnlich ist die Lage am Wochenende allemal - ob sie in die Wetter-Geschichte eingehen wird, ist noch fraglich. "Es gab 1978/79 eine ganz berühmte Kaltfront, die vom Norden her deutschlandweit zu einem extremen Wintereinbruch geführt hat", sagt Staeger. "Das ist so die Mutter aller Kaltufteinbrüche."

Da reiche es diesmal nicht ran, vermutet der hr-Wetterexperte. "Man muss aber erstmal warten bis es durch ist, um Bilanz zu ziehen." In der gesamten Zunft werde allerdings schon jetzt angeregt diskutiert.

Sendung: hr-fernsehen, 05.02.2021, 19.15 Uhr