Der Auflieger des Lkw wurde durch die Wucht des Zusammenpralls komplett aufgerissen.
Bei dem Zusammenstoß wurden der Auflieger des Lkw komplett aufgerissen. Bild © Klaus Pradella (hr)

Nach dem Zusammenstoß eines Zuges mit einem Sattelschlepper an einem Bahnübergang in Buseck ist die betroffene Bahnstrecke wieder frei. Weil die Technik völlig zerstört ist, müssen allerdings Bahnmitarbeiter die Unfallstelle sichern.

Zum Betriebsbeginn am Mittwochmorgen fuhren die Züge auf der Bahnstrecke Gießen-Alsfeld wieder. Die komplette Technik am betroffenen Bahnübergang in Großen-Buseck (Gießen) ist jedoch so stark beschädigt, dass der Verkehr von Sicherheitsleuten der Bahn geregelt werden muss.

Schranken, Schaltkästen, Ampeln und weitere elektronische Anlagen sind völlig zerstört und müssen in den nächsten Tagen repariert werden. Noch ist unklar, wie lange die Arbeiten dauern. Die Unfallstelle könne von den Zügen zunächst nur mit geringerer Geschwindigkeit befahren werden. Deswegen müssten Fahrgäste mit "ein paar Minuten Verspätung" rechnen, wie die Bahn mitteilte.

17 Menschen verletzt

An dem beschrankten Bahnübergang war am Dienstagmorgen ein mit rund 30 Fahrgästen besetzter Regionalzug mit einem Sattelschlepper kollidiert. Der Zug war in den Anhänger eines Lastwagens gekracht, der noch auf den Gleisen stand. 17 Menschen wurden verletzt – der Lokführer des Zuges lebensgefährlich. Wie ein Polizeisprecher am Mittwochmorgen sagte, wurde er operiert. "Sein Zustand ist stabil und es besteht keine Lebensgefahr mehr", fügte er hinzu. Auch die Zugbegleiterin wurde schwer verletzt.

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Lkw stand wegen Rückstau auf Gleisen

Nach Zeugenaussagen befand sich der Laster wegen eines Rückstaus im morgendlichen Verkehr auf den Gleisen, als sich die Bahnschranke schloss. Ein Zeuge habe den Fahrer des Lastwagens auf die Gefahr aufmerksam gemacht. Der Fahrer sei daraufhin ausgestiegen, unmittelbar danach habe der Zug den Lkw-Auflieger durchbrochen. Der Lkw-Fahrer erlitt einen Schock, blieb aber ansonsten unverletzt.

Links der beschädigte Zug, rechts das Trümmerfeld nach dem Zusammenstoß zwischen der Bahn und einem Lkw bei Buseck.
Links das Trümmerfeld nach dem Zusammenstoß zwischen der Bahn und einem Lkw bei Buseck, rechts der beschädigte Zug. Bild © Michael Seeboth (hr)

Der Bereich um das Gewerbegebiet in Buseck wurde für mehrere Stunden weiträumig abgesperrt. Davon war neben dem Bahnverkehr auch der Straßenverkehr betroffen.

Gefährliche Stelle - Bürgermeister beklagt Untätigkeit der Bahn

In den vergangenen Jahren hatte es an derselben Stelle bereits zwei ähnliche Unfälle gegeben. 2009 prallte ein Zug in einen an einem Abschleppwagen hängenden Lkw, neun Menschen wurden damals leicht verletzt. 26 Leichtverletzte gab es 2013, als ein Zug einen Lastwagen rammte. In beiden Fällen sollen die Fahrzeuge im Verkehrsstau gestanden haben, als sich die Schranken am Bahnübergang schlossen.

"Wir haben im Nachgang zu den letzten Unfällen den Bahnübergang entschärft. Wir haben Halteverbotsschilder aufgestellt, und trotz allem kommt es immer wieder dazu, dass Lastwagenfahrer über den Bahnübergang fahren, obwohl die gegenüberliegende Seite noch nicht frei ist", sagte Busecks Bürgermeister Dirk Haas (SPD) dem hr.

Auch die Deutsche Bahn nahm der Bürgermeister in die Pflicht. Die Gemeinde habe in Gesprächen mit der Bahn auf die Gefahren hingewiesen und alternative Bahnübergänge sowie eine elektronische Überwachung der unfallträchtigen Stelle angeregt. "Auf alle diese Vorschläge ist die Bahn leider nicht eingegangen."

Bahn kündigt Aufarbeitung an

Der Lokführer hatte nach Angaben des Polizeisprechers keine Chance, seinen Zug rechtzeitig zu stoppen. Der Bahnübergang sei nur etwa 200 Meter weit einzusehen, Züge dürften an der Stelle bis zu 100 Stundenkilometer schnell fahren. Der Zug sei erst 300 Meter nach der Kollision zum Halten gekommen. Der Anhänger sei völlig zerfetzt worden.

Der Fahrgastverband Pro Bahn forderte in einer Mitteilung ebenfalls, dass die Sicherheit an der betroffenen Stelle schnell erhöht werden müsse - wie schon nach dem vorangegangenen Unfall im Jahr 2013.

Ein Pressesprecher der Bahn in Frankfurt kündigte auf Nachfrage an, man werde die Situation aufarbeiten. Zu möglichen Gesprächen zwischen der Gemeinde und Bahnvertretern konnte er zunächst nichts sagen. Die Gefahr von Unfällen am Bahnübergang in Buseck werde mit Sicherheit "Gegenstand der Untersuchungen sein".

Sendung: hr-iNFO, 23.5.2018, 9.00 Uhr