In den Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden sind offenbar besonders skrupellose Diebe unterwegs: Bei zwei Patientinnen wurden zunächst Wertsachen aus dem Spind gestohlen. Anschließend fuhren die Täter zu den Opfern nach Hause.

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zum hr-fernsehen.de Video Klauen, wenn der Patient nicht da ist – doch das reicht den Dieben nicht

maintower kriminalreport vom 26.01.2020
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Der oder die Täter schlagen zu, wenn Patienten gerade behandelt oder operiert werden: Im jüngsten Fall an den Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken in Wiesbaden verließ eine 71 Jahre alte Patientin am Freitag für eine Untersuchung ihr Zimmer. Die Frau schloss ihre Wertsachen in ihrem Spind ein. Als sie zurückkam, stand dieser offen. Ihre Handtasche mitsamt Geldbeutel, Schlüssel, Schmuck und Handy war verschwunden.

Die Frau alarmierte die Polizei. Als die Beamten zu ihrer Wohnung fuhren, überraschten sie den Dieb auf frischer Tat. Der Unbekannte konnte allerdings über den Balkon im ersten Stock flüchten.

Der Täter hatte die Situation im Krankenhaus nach Meinung der Polizei ausgenutzt. "In dem Spind befanden sich alle Wertgegenstände an einem Platz", sagte Polizeisprecher Andreas Hemmes am Montag. Da der Dieb sowohl den Personalausweis als auch den Wohnungsschlüssel der 71-Jährigen in die Finger bekam, sei er wohl auf Idee gekommen, auch noch bei der Frau einzubrechen.

Seniorin während Knie-Operation bestohlen

Eine ähnliche Tat ereignete sich erst Anfang Dezember 2019 im selben Krankenhaus: Die 84 Jahre alte Marianne Hirsch aus Taunusstein wurde wegen einer Knie-Operation in die Horst-Schmidt-Kliniken eingeliefert. Auch sie hatte mehrere Wertsachen in das Schließfach im Zimmerschrank gepackt, wie sie im Gespräch mit maintower erzählte.

Nach der OP war das Schließfach aufgebrochen. "Ich war vollkommen aufgelöst, ich konnte es nicht fassen", sagt die 84-Jährige. "Alles war weg." Auch bei Hirsch kam es noch schlimmer: Der oder die Täter wussten durch die Papiere, wo sie wohnt. Mit dem ebenfalls geklauten Schlüssel drangen sie in ihr Haus ein und klauten wertvolle Gegenstände. Sie hoben zudem noch mehrere tausend Euro mit Hirschs EC-Karte ab.

Krankenhaus bedauert Vorfall

Die Horst-Schmidt-Kliniken sprachen nach dem Diebstahl von einem Fall, den sie so noch nie erlebt hätten. Diese Tragweite samt Hauseinbruch sei einzigartig. "Was Frau Hirsch passiert ist, das bedauern wir sehr", sagte Sprecherin Simone Koch maintower.

Mit dem Wohnungseinbruch bei der 71 Jahre alten Patienten ist nun allerdings ein weiterer Fall dazu gekommen. Ob es sich um die selben Täter handelt, ist laut Polizei noch unklar. Es müsse erst ermittelt werden, ob es Parallelen gibt und ob die Täter Helfer hatten.

Polizeisprecher Hemmes sagte, es sei zwar "besonders verwerflich", wehrlose Patienten zu bestehlen. Neu sei die Masche allerdings auch in Wiesbaden nicht. Hemmes Kollege Markus Hoffmann rechnete vor: "Wir haben im Jahr 2019 rund 140 Diebstähle in Krankenhäusern festgestellt."

Aufklärungsquote gering

Diebe dringen demnach nicht nur in Krankenzimmer ein, sie durchwühlen auch Büroräume und Behandlungszimmer. Der Schaden in Wiesbaden lag im vergangenen Jahr bei rund 30.000 Euro. Das sei für eine größere Stadt nicht übermäßig viel, meinte Hoffmann. "Aber wenn man bedenkt, dass Patienten mit Sorgen und Ängsten ins Krankenhaus kommen und dann auch noch bestohlen werden, ist das für die Opfer sehr gravierend."

Die Aufklärungsquote bei Krankenhausdiebstählen liegt laut Landeskriminalamt nur bei 16 Prozent. "Krankenhäuser sind öffentlich zugängliche Gebäude. Das macht es potentiellen Tätern sehr leicht, sich unbemerkt Zugang zu verschaffen", erklärte Hoffmann.

Sendung: hr-fernsehen, maintower kriminalreport, 26. Januar 2020, 19.00 Uhr