Flugzeug im Gegenlicht

Auch die Wettervorhersage wird durch Corona erschwert. Das hängt mit dem Einbruch des Flugverkehrs zusammen. Die Prognose für das Wochenende ist aber sicher - und erfreulich.

Corona hat das öffentliche Leben und die Wirtschaft ordentlich durcheinander gewirbelt. Sogar auf die Wettervorhersage nimmt das Virus Einfluss: Viele Flugzeuge bleiben derzeit am Boden und liefern somit keine Wetterdaten aus der Atmosphäre. "Die Prognosen werden schlechter", sagt hr-Wetterexperte Tim Staeger.

Normalerweise sammeln Flugzeuge, während sie Passagiere transportieren, auch Wetterdaten, auf die Wetterdienste für ihre Prognosen zurückgreifen. Das sind zum Beispiel Daten zu Temperatur, Windgeschwindigkeit oder Luftfeuchte. Für das europäischen Zentrum für mittelfristige Vorhersagen (ECMWF) stellen die Daten aus den Flugzeugen nach eigenen Angaben die wichtigste Informationsquelle nach den Satellitendaten dar.

Zahl der Daten deutlich gesunken

Mit dem weggebrochenen Flugverkehr sinkt nun die Menge der Daten, die den Wetterdiensten zur Verfügung stehen. "Tatsächlich haben wir eine Verschlechterung der Datenlage", beobachtet Staeger. Damit werde die Prognose ungenauer.

Anzahl der täglich über Europa aus Flugzeugen übermittelten Datenpakete

Anfang März - vor der Pandemie - bekam das ECMWF noch täglich über 50.000 Meldungen aus der Luft. Am 23. März waren es bereits weniger als 20.000. Das Wetterzentrum geht davon aus, dass die Zahl weiter abnehmen wird.

In Europa wird die Erhebung der Flugzeugdaten durch den Dachverband der europäischen Wetterdienste EUMETNET organisiert. Das Programm nennt sich AMDAR und steht für Aircraft Meteorological Data Relay (Flugzeug-Wetterdaten-Übertragung). Die folgenden Grafiken verdeutlichen die drastische Abnahme der über AMDAR erhobenen Wetterdaten.

Datenübermittlung über AMDAR in Europa am 02.03.2020
Datenübermittlung über AMDAR in Europa am 23.03.2020

Die obere Grafik zeigt die Anzahl der gesendeten Datenpakete aus Flugzeugen am 2. März, die untere Grafik zeigt die Situation am 23. März. Aus dem Luftraum über Italien, das von der Corona-Pandemie besonders stark betroffen ist, kommen beispielsweise so gut wie keine Daten mehr.

DWD leidet unter Lufthansa-Krise

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) zum Beispiel greift zum großen Teil auf Daten aus Maschinen der Lufthansa zurück. Doch die deutsche Airline führt derzeit nur fünf Prozent ihrer geplanten Flüge durch. So hat die Lufthansa vor der Krise täglich rund 2.500 spezielle Messungen zur Luftfeuchte an den Wetterdienst übermittelt. Aktuell sei diese Zahl auf 0 gesunken, berichtet hr-Meteorologe Staeger.

Auch Wettervorhersagen des hr sind betroffen. Die hr-Meteorologen nutzen neben den Daten des DWD zwar auch andere Wettermodelle, aber auch diese leiden unter dem weltweiten Datenverlust. "Wir sitzen da mit im Boot", so Staeger.

Experiment belegt sinkende Qualität

Wie stark sich die fehlenden Daten aktuell auf die Vorhersagen des hr auswirken, kann Staeger nicht exakt erläutern. Es gab im vergangenen Jahr jedoch ein Experiment des ECMWF. Die Meteorologen haben Vorhersagen mit und ohne Flugzeugdaten verglichen und festgestellt, dass die Qualität der Vorhersagen ohne Flugzeugdaten im Schnitt zehn Prozent geringer war.

Es müsse sich aber niemand Sorgen machen, dass es bald keine zuverlässigen Wettervorhersagen mehr gibt. "Es hagelt jetzt keine Fehlprognosen, aber die Güte wird etwas abnehmen", sagt Staeger. Die Satellitensysteme und Messstationen am Boden würden weiterhin zuverlässig Daten liefern.

Der Frühling startet durch - ganz sicher

Auf die Vorhersage der kommenden Tage hat der Wegfall der Flugzeug-Werte jedoch so gut wie keinen Einfluss. "Bei ruhiger Wetterlage macht sich das Fehlen der Daten nicht so bemerkbar", erklärt Staeger: "Problematisch wird es vor allem bei komplexen Sturm- oder Gewitterlagen."

Am Wochenende startet der Frühling in Hessen so richtig durch, keine Spur von Sturm oder Gewitter. Ein Hoch bringt am Samstag aus Südwesten milde Luft ins Land, es wird sonnig und deutlich milder. Schon am Sonntag durchbrechen die Temperaturen stellenweise die 20-Grad-Marke, im Laufe der Woche wird es sogar bis zu 24 Grad warm. "Diese Prognose ist zuverlässig", verspricht Staeger.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau Wetter, 02.04.2020, 19.58 Uhr