An der Frankfurter Hauptwache wurden am Montag Masken verteilt.

Nicht ohne meine Maske: Zum Start der Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln und Geschäften zeigt sich die große Mehrheit in Hessen gut vorbereitet. Doch es gibt auch kritische Stimmen.

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hessenschau vom 27.04.2020
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Montagvormittag in der B-Ebene der Frankfurter Hauptwache. Vor den Rolltreppen zur U-Bahn hat sich eine kleine Menschentraube gebildet: der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) verteilt Mund-Nasen-Masken an vorbeikommende Fahrgäste und Passanten. "Es geht darum, die empfindlichen Gruppen, gerade die Älteren, zu schützen. Wenn wir das aufsetzen, schützen wir uns gegenseitig ein Stück", sagt Feldmann.

RMV steuert "mehrere hunderttausend Masken" bei

Es ist der der erste Tag, an dem in ganz Hessen eine Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln und Geschäften gilt, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Mitarbeiter der Frankfurter Verkehrsgesellschaft VGF helfen neben Feldmann an provisorisch aufgestellten "Maskenausgabestellen" mit.

Der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) verteilt Mund-Nasen-Schutze in der Frankfurter Hauptwache

Rund 10.000 Masken verteilt die VGF nach eigenen Angaben an diesem Tag - nicht nur an der Hauptwache, sondern an mehreren Frankfurter U-Bahnhöfen. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund will  "mehrere hunderttausend Masken" in den kommenden Tagen beizusteuern.

Die überwiegende Mehrheit der Fahrgäste in der Frankfurter U-Bahn trägt allerdings schon Masken. Viele, die an diesem Vormittag an Feldmann und den VGF-Mitarbeitern vorbeikommen, sind etwa mit selbstgenähten Mund-Nasen-Tüchern, OP-Masken oder einfachen Schals ausgerüstet. 

Fahrgast in Frankfurt: "Ein bisschen surreal"

"Es ist ein bisschen surreal", sagt Vincenzo aus Frankfurt-Höchst über das ungewohnte Bild im U-Bahnhof. Dass Masken an Bahnhöfen verteilt werden, findet er trotzdem gut: "Dann verstehen die Leute, dass es wichtig ist, die zu tragen."

Fahrgast Vincenzo aus Frankfurt-Höchst

Vincenzo erzählt von seiner Schwester, die in Italien in der Gesundheitsbranche arbeitet. "Ich merke, wie schlimm das Coronavirus mein Heimatland getroffen hat. Und wenn man nicht konsequent bleibt, kommt man aus der Krise auch nicht raus. Leider müssen wir uns wohl für einige Monate damit anfreunden."

Ariana und Laurena Panzer aus Wiesbaden sehen die Maskenpflicht eher skeptisch. Mutter und Tochter sind für einen Ausflug an den Main mit der Bahn nach Frankfurt gefahren. "Ich befürchte, dass die wenigsten regelmäßig diesen Mundschutz waschen oder austauschen", sagt Mutter Ariana. "Dann ist das ja die absolute Virenquelle." Sie wünscht sich noch bessere Aufklärung darüber, worauf man beim Masketragen achten muss.

Fahrgast Laurena Panzer bei der Maskenverteilung in der Frankfurter Hauptwache

So geht es auch ihrer Tochter Laurena: "Ich glaube, dass man sich mit Maske eher noch mehr ins Gesicht fasst als ohne. Und für Leute, die den richtigen Umgang damit nicht kennen, ist es eher ein Risiko", befürchtet sie.

Frankfurter Geschäfte gut vorbereitet

Auch für die Läden und Geschäfte in Frankfurt ist die Maskenpflicht neu, aber keine große Herausforderung. Karim Fam von der "Apotheke an der Hauptwache" berichtet von "zwei, drei Kunden", die an diesem Montagvormittag noch keine Maske hatten. Kein Problem, denn Masken bietet die Apotheke auch zum Kauf an. Karim Fam ist überzeugt vom Masketragen: "Wenn es jeder macht, ist das eine starke Reduktion von Tröpfchen-Übertragungswegen, also schon sinnvoll", sagt der Apotheker.

Juniorchefin Annette Fuchs in ihrem Geschäft "Koffer Klein"

Ein paar Schritte weiter bei "Koffer Klein" am Frankfurter Roßmarkt ist Annette Fuchs gut vorbereitet auf die Maskenpflicht. "Wir haben schon seit letzter Woche Masken für die Mitarbeiter, die haben wir mit unserem Logo machen lassen", erzählt die Juniorchefin. Von den Kunden trage bereits die große Mehrheit von sich aus eine Maske.

Marburg: Noch schnell im Supermarkt Maske kaufen

Auch in Marburg halten sich die allermeisten an die Maskenpflicht. Allerdings gab es am Montag einige Fälle, in denen Kunden in Geschäften die Maskenpflicht schlichtweg vergessen hatten.

Anke Rumpf, stellvertretende Filialleiterin eines Marburger Bio-Supermarktes erzählt: "Eben wollte ein Herr hier einkaufen, der noch keine Maske hatte." Ihm habe man kurzerhand eine Maske aus dem eigenen Sortiment verkaufen können. "Damit ist er dann einkaufen gegangen", so Rumpf.

Generell fällt auf: Der Umgang mit der Maskenpflicht ist sehr individuell. Es gibt Menschen, die ihren Mund-Nasen-Schutz erst unmittelbar vor dem Geschäft anziehen. Andere tragen ihn auch auf der Straße. Nur wenige behelfen sich mit Schals oder Tüchern. Und nicht alle sind davon überzeugt, ein Passant spricht in Marburg sogar von "Panikmache".

Erster Eindruck der Polizei: nur wenige Verstöße

Ob die Hessen sich an die Maskenpflicht halten, das kontrollieren Ordnungsämter und Polizei nur stichprobenartig. Eine genaue Bilanz über Verstöße wollten mehrere hessische Polizeipräsidien am Montag noch nicht ziehen - das sei am ersten Tag noch zu früh.

Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Nordhessen sagte dem hr, es habe in der Region am ersten Tag nur vereinzelte Hinweise darauf gegeben, dass Menschen gegen die Maskenpflicht verstoßen hätten. In vielen Fällen sei es nicht nötig gewesen einzuschreiten. In einigen Fällen seien allerdings auch die Beamten nicht rechtzeitig vor Ort gewesen, um den Verstoß zu dokumentieren, so der Polizeisprecher.

Das Polizeipräsidium Wiesbaden gab sich am ersten Tag der Maskenpflicht zuversichtlich. Die Beamten lösten Verstöße überwiegend "auf der verbalen Ebene" - man hoffe auf das Verständnis der Bevölkerung, erklärte ein Sprecher. Nach Angaben des hessischen Sozialministeriums drohen gegebenenfalls Bußgelder, wenn man im Nahverkehr oder in Geschäften keine Maske trägt.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 27.04.2020, 19.30 Uhr