Am vergangenen Wochenende parkten die Autos am Langener Waldsee sogar im Wald.

Die heißen Temperaturen lockten am vergangenen Wochenende tausende Besucher an Hessens Badeseen. Die Folge: gefährliches Wildparken und völlige Überfüllung. Wie bereiten sich die betroffenen Städte und Gemeinden auf das anstehende Wochenende vor?

Videobeitrag

Video

zum Video Langener Waldsee gesperrt

hsk Beiträge 11.08.2020
Ende des Videobeitrags

Temperaturen bis zu 30 Grad lassen auf einen Liegeplatz am Badesee hoffen. Die Anreise per Auto ist manch einer Gemeinde aber ein Dorn im Auge. Der Langener Waldsee hat wegen des Park-Chaos und eines Waldbrandes am vergangenen Wochenende vorerst ganz dicht gemacht. Andere Kommunen wollen genau hinschauen - und Falschparker zur Not auch abschleppen. Ein Überblick.

Twistesee bei Bad Arolsen (Waldeck-Frankenberg)

Der Twistesee war am vergangenen Wochenende stark frequentiert. Dabei kam es nach Aussage des Bürgermeisters Jürgen van der Horst (parteilos) zu zahlreichen Parkverstößen. Er kündigte verstärkte Kontrollen der Sicherheitsbehörden an. Fahrzeuge, die im Bereich von Rettungswagen abgestellt werden, würden künftig konsequent abgeschleppt. "Wir sind logistisch auf eine größere Zahl von abzuschleppenden Fahrzeugen vorbereitet", drohte van der Horst.

Edersee (Waldeck-Frankenberg)

Auch am Edersee sorgte die Sommerhitze der vergangenen Tage für einen starken Besucherzustrom. Der Geschäftsführer der Edersee Touristic GmbH, Claus Günther, sagte, vor allem an den Wochenenden seien die Parkplätze überfüllt gewesen. Das liege auch daran, dass die rund um den See angebotenen Stellplätze für Wohnmobile nicht ausreichten und die Besitzer andere Parkplätze mitnutzten. Die Situationen hätten sich bislang aber schnell regeln lassen.

Singliser See in Borken (Schwalm-Eder)

Zu "massiven Parkverstößen" kam es laut Polizei an den vergangenen beiden Wochenenden auch in Borken. Am Singliser See und vereinzelt auch am benachbarten Silbersee in Frielendorf hätten zahlreiche Autos verbotenerweise auf der Landstraße geparkt. Das Ordnungsamt habe hunderte Knöllchen verteilt und mehrere Autos abschleppen lassen. Auch am kommenden Wochenende werde es wieder verstärkte Kontrollen an den Seen geben, die Abschleppdienste seien bereits vorgewarnt.

Bärensee in Bruchköbel (Main-Kinzig)

Am Bärensee in Bruchköbel hat man in Pandemie-Zeiten die Tore für Tagesgäste gleich dicht gemacht, um Chaos zu verhindern. Der Leiter der wirtschaftlichen Betriebe der Stadt, Ralf Keim, sagte, der See sei derzeit nur für die rund 3.000 Dauercamper geöffnet. "Externe Badegäste schaffen wir nicht, das sprengt unsere Kapazitäten", so Keim.

Strandbad Spessartblick in Großkrotzenburg (Main-Kinzig)

Dem Besucheransturm gewachsen sieht man sich am Strandbad Spessartblick in Großkrotzenburg. Es gebe knapp 2.000 Parkplätze für Autos, teilte die Bad-Verwaltung mit. Wenn es dort zu voll werde, würden die Besucher abgewiesen. Dabei helfe auch das Ordnungsamt. Am vergangenen Wochenende seien sechs Einweiser beschäftigt gewesen. Am Samstag und Sonntag habe man die Zufahrt zum See-Parkplatz geschlossen, als es zu voll wurde.

Grube Prinz von Hessen in Darmstadt

An der Grube Prinz von Hessen würden Rettungs- und Radwege rücksichtslos zugeparkt, sagte ein Sprecher der Stadt Darmstadt. Die Schließung der Grube sei derzeit aber nicht geplant. Zunächst solle es stärkere Kontrollen und Appelle geben. Aus dem Pandemie-Krisenstab hieß es schon zum Wochenstart, der Andrang sei aufgrund der heißen Temperaturen so groß gewesen, dass es praktisch unmöglich wurde, Abstandsregelungen durchzusetzen.

Waldsee in Langen (Offenbach)

Parkende Autos auf der Bundesstraße - am Langener Waldsee business as usual.

Wegen des Parkchaos ist das Strandbad am Waldsee seit Dienstag für Badegäste komplett gesperrt. Trotz der Bitte, zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu kommen, hatten sich zahlreiche Besucher mit dem Auto auf den Weg gemacht. Die Fahrzeuge standen auf der teils vierspurigen Bundesstraße 44 und wurden auf Waldwegen abgestellt - trotz Waldbrandgefahr. Rettungswege waren versperrt. Die Polizei verteilte hunderte Strafzettel.

Behörden warnen vor Schwimmen in unbewachten Flüssen und Seen

Die Behörden raten dringend davon ab, in Flüssen oder Seen zu baden, die nicht als Badegewässer ausgewiesen sind. In Flüssen verursache der Schiffverkehr teils gefährliche Strömungen. Das Umweltamt warnt wegen der hohen Temperaturen außerdem vor Blaualgen, die Hautreizungen, Erbrechen und Übelkeit auslösen können. Nur ausgewiesene Badeseen würden kontrolliert. In Hessen seien derzeit 48 der 61 überwachten Badegewässer geöffnet.

Ein See in Groß-Rohrheim (Bergstraße) wird nun eingezäunt, weil dort am Samstag ein 17 Jahre alter Nichtschwimmer ertrunken ist. Bereits zuvor war es vermehrt zu tödlichen Badeunfällen in Hessen gekommen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 11.08.2020, 19.30 Uhr