Kerzen und Gedenken am Friedberger Platz.

Die Debatte über eine Verlängerung des harten Lockdowns läuft, Hessen wartet auf die dritte Impfstofflieferung. Gleichzeitig steigt die Zahl der Corona-Toten auf einen neuen Höchststand.

Vor zwei Wochen, am 16. Dezember, ging auch Hessen vom Teil-Lockdown in den harten Lockdown. Die seither vergangene Zeit konnte nicht reichen, um sich auf die Zahl der Schwerkranken und Toten auszuwirken. Zum Jahresende meldet das Robert-Koch-Institut (RKI) vielmehr neue Höchststände bei den Corona-Sterbefällen in Hessen.

Demnach wurden bis 0 Uhr am Donnerstag 134 Corona-Tote binnen 24 Stunden gezählt - fünf mehr als am Vortag. Da hatte das RKI 129 Tote und damit erstmals seit Beginn der Pandemie im Frühjahr mehr als 100 Corona-Tote in Hessen gemeldet.

Ein ähnlicher Trend zeigt sich bei den Zahlen für ganz Deutschland: Am Mittwoch zählte das RKI erstmals bundesweit mehr als 1.000 Corona-Tote binnen 24 Stunden. Am Donnerstag waren es noch einmal 964 Tote.

Meldeeffekt an Weihnachten

Das lässt sich auch auf einen Meldeeffekt zurückführen, aber nicht nur. Über Weihnachten waren die Zahlen stark gesunken, um dann seit Anfang der Woche anzusteigen. Das war abzusehen, denn an Wochenenden und Festtagen gehen grundsätzlich weniger Meldungen von Gesundheitsämtern in die Statistik ein. Doch bereits vor Weihnachten begannen die Todesfälle zu steigen. Auch am 23. Dezember wurde mit 96 Verstorbenen eine neue Höchstzahl erreicht.

Der Frankfurter Virologe Martin Stürmer sagte am Mittwoch im Interview mit hessenschau.de: "Man darf nicht vergessen, dass die aktuellen Zahlen eine 'Nachwehe' sind. Es ist ja so, dass ich, wenn ich mich heute infiziere, nicht morgen tot bin, sondern dass das eine ganze Weile dauert." Die neusten Todeszahlen seien "eine Konsequenz aus den ganz hohen Infektionszahlen von vor zwei, drei Wochen".

Laut RKI werden als Corona-Todesfälle diejenigen gezählt, bei denen die Infektion mit dem Virus ursächlich für den Tod war oder durch Vorerkrankungen wahrscheinlich ist, dass der Tod im direkten Zusammenhang mit Covid-19 steht. Deswegen ist von Menschen die Rede, die "an oder mit" dem Virus gestorben sind.

Wochen zwischen Infektion und Tod

Unterdessen lieferten Biontech und Pfizer am Mittwoch die dritte Lieferung ihres Impfstoffes aus. Die ersten 100.000 Impfdosen kamen damit in Hessen an, sie reichen für 50.000 Menschen.

Am Sonntag und Montag, den ersten beiden Tagen der Impfungen gegen das Coronavirus, hatten laut Landesregierung insgesamt rund 4.350 Menschen ihre erste von zwei Impfdosen erhalten. Neben bestimmtem medizinischen Personal erhalten in der ersten Phase der Massenimpfung Menschen in Senioren- und Pflegeheimen eine Spritze.

Für die Impfungen gilt wie für den Lockdown: Es dauert, bis sie sich auf die Zahl der Kranken und Toten auswirken. Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek sagte dazu am Mittwoch: "Es ist ja nicht so, dass man direkt mit dem Impfen Todesfälle vermeidet." Zwischen Neuansteckung und Tod bei schwerem Verlauf lägen oft "viele, viele Wochen", erklärte die Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt der Deutschen Presse-Agentur.

Fortsetzung des Lockdowns erwartet

Einen Rückgang der Übersterblichkeit erwartet Ciesek "grob geschätzt vielleicht im März. Bis dahin sind die anderen Maßnahmen unsere einzige Waffe." Dazu zählt unter anderem der Lockdown, der vermutlich über den 10. Januar hinaus fortgesetzt werden dürfte. Erhebliche Lockerungen sind nicht zu erwarten

Das hatten neben Ministerpräsident Volker Bouffier und Staatskanzleichef Axel Wintermeyer mit Kanzleramtsminister Helge Braun ein weiterer hessischer CDU-Politiker mit Blick auf die nächste Bund-Länder-Schalte deutlich gemacht. " Ich rechne damit, dass wir zunächst am 5. Januar, wenn wir uns das nächste Mal treffen, das Ganze noch nicht genau beurteilen können und deswegen den Lockdown noch fortsetzen müssen", sagte der Gießener in einem Interview mit RTL/ntv.

Zur Unsicherheit trägt bei, dass die Zahlen rund um Weihnachten und den Jahreswechsel weniger aussagekräftig sind, weil nach Feiertagen und Wochenenden weniger Meldungen der Gesundheitsämter beim RKI eingehen und zudem weniger Menschen auf das Virus getestet werden. Somit zeigen sich Effekte erst verzögert, wie auch ein Blick auf die gemeldeten Neuinfektionen in Hessen nahelegt: Am Montag waren es 370, am Dienstag 400 und am Mittwoch 1.271 neue Fälle.

Sendung: hr-iNFO, 30.12.2020, 10 Uhr