Geschäftiges Treiben: In der Vorweihnachtszeit wird es eng auf der Frankfurter Zeil

Mit Rabatten für Bus und Bahn will Oberbürgermeister Feldmann Frankfurter zum Shoppen in die Innenstadt locken. Das ist gefährlich, weil wir Menschenmassen meiden müssen.

Beginnen wir mit den Fakten: Wir schreiben Dezember 2020, eine weltweite Pandemie tobt, allein in Hessen starben in der vergangenen Woche 248 Menschen an oder mit dem Coronavirus. Virologen, Mediziner und Pfleger warnen vor einem Kollaps des Gesundheitssystems, Politiker mahnen zu Abstand und Verzicht. Es ist seit Wochen das gleiche tödliche Spiel.

Nun steht Weihnachten vor der Tür, und das Fest der Liebe lässt sich mit Verzicht nur schwer in Einklang bringen. Soll man den Menschen verbieten, ihre Familien nach einem in vielerlei Hinsicht schwierigen Jahr wiederzusehen? Ein paar wenige alte Freunde auf Heimatbesuch zu treffen? Eine Antwort auf diese unbequemen Fragen müssen die Länderchefs in Zusammenarbeit mit der Kanzlerin finden. Sie sind nicht darum zu beneiden. Für den Rest von uns heißt es: den Kopf einschalten und so besonnen wie möglich handeln.

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"Am 12.12. sind wir alle Kinder"

Die jüngste Aktion des Frankfurter Oberbürgermeisters passt da nicht so recht ins Bild. Peter Feldmann (SPD) verkündete am Freitag die frohe Botschaft: "Am 12.12. sind wir alle Kinder." Was das heißt: Auch Erwachsene dürfen an diesem Samstag mit einem Kinderticket per Bus und Bahn quer durch die Stadt fahren. Das spart 1,20 Euro und soll möglichst viele Frankfurter dazu animieren, ihre Weihnachtseinkäufe am Wochenende in der Innenstadt zu erledigen. Noch mal: Möglichst viele Frankfurter sollen in die Innenstadt gelockt werden.

Eine gut gemeinte Aktion sicherlich, die dem angeschossenen Einzelhandel helfen soll. Aber war da nicht was? Ach ja, die Corona-Pandemie. Heißt Solidarität nicht auch, Menschenmengen in Innenstädten zu meiden? Nach Auffassung der Stadt nicht unbedingt. "Wir riskieren nicht den Gesundheitsschutz", sagte ein Sprecher auf Nachfrage. Und erst recht animiere Feldmann damit nicht zum Leichtsinn. Zumal in den Geschäften weiter der Mindestabstand gelte.

Die Innenstadt wird zum Taubenschlag

In den Bahnen und auf den Einkaufsmeilen dürfte das anders aussehen. Schließlich ist nicht erst seit gestern bekannt, dass abertausende selbsternannte "Querdenker" aus dem gesamten Bundesgebiet am Samstag in Frankfurt für oder gegen was auch immer demonstrieren wollen. Die mit 40.000 Teilnehmern angemeldete Aktion ist zwar verboten, doch ob das alle vom Kommen abhält, darf bezweifelt werden.

Während also ein Landkreis nach dem anderen eine Ausgangssperre verhängt, während Wissenschaftler vehement für einen schnellen Lockdown plädieren und die Kanzlerin beinahe schon flehend dafür wirbt, dass Menschen daheim bleiben, wird die Frankfurter Innenstadt am Samstag schlimmstenfalls zum Freiluft-Taubenschlag. Und Oberbürgermeister Feldmann wirft die Brotkrumen aus. Das ist maximal unglücklich, man könnte auch sagen: gefährlich.