Staubtrocken ist ein Acker in Nieder-Erlenbach
Staubtrocken ist ein Acker in Nieder-Erlenbach (Archivbild). Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

30 Grad und mehr - und kaum mal Regen: Die trockene Dauerhitze hat erhebliche Folgen für Mensch und Natur in Hessen. Es trifft Bäume, Bauern und Hotelschiffe auf dem Main. Es gibt aber auch Gewinner.

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Sinkende Flusspegel

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Die Pegelstände der hessische Flüsse sind wegen ausbleibender Niederschläge bereits deutlich gesunken, wie das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) berichtet. Bei der Lahn in Marburg wurde am Dienstag sogar der bisher niedrigste gemessene Pegelstand seit 1976 unterschritten. Grundsätzlich seien alle Flusspegel in Hessen derzeit niedriger als sonst zu dieser Jahreszeit.

Kreuzfahrten fallen aus, Schiffe werden nicht voll beladen

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Regen macht sich rar

Schon der Juni fiel in Hessen mit einer Durchschnittstemperatur von 17,8 Grad deutlich zu warm aus. Der Durchschnitt in der Referenzperiode zwischen 1961 und 1990 liegt 2,5 Grad niedriger. Mit 35 Litern pro Quadratmeter gab es zudem nur fast halb so viel Niederschlag wie in der Vergleichsperiode. Hessen steuert in diesem Jahr geradewegs auf einen Hitzerekord zu.

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Die niedrigen Flusspegel wirken sich auch auf die Schifffahrt aus. Der Hafen Frankfurt verzeichnet bereits Stornierungen von Hotelschiffen, die nicht wie geplant ihre Fahrt nach Frankfurt antreten konnten, berichtete Sprecherin Bianca Winkel. Wegen des Niedrigwassers könnten zudem nicht mehr alle Schiffe voll beladen werden. Die Ladung müsse dann entweder per Bahn weitertransportiert werden oder auf mehrere Schiffe aufgeteilt werden. "Das macht die Fracht teurer", so die Hafen-Sprecherin.

Badeseen sind wärmer

Das Wasser in den hessischen Badeseen ist deutlich wärmer als sonst zu dieser Jahreszeit, berichtet das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG). Die Temperatur der Badeseen im Rhein-Main-Gebiet liegt nach Angaben von Sprecher Wilfried Staudt derzeit bei circa 24 bis 26 Grad, in Mittelhessen bei 22 bis 23 Grad. "Solche Temperaturen haben wir sonst meist erst gegen Ende Juli, Anfang August." Schädliche Auswirkungen habe das aber nicht. Zwar begünstige das warme Wasser das Wachstum von Blaualgen wie im Offenbacher Schultheisweiher oder Saugwurm-Larven wie am Darmstädter Badesee - "doch solche Einzelfälle treten immer wieder einmal auf", so Staudt.

Besucher strömen ins Fuldaer Freibad

Wie in vielen Freibädern herrscht bei den sommerlichen Temperaturen auch im Freibad Rosenau in Fulda Hochbetrieb. Im Moment kommen nach Angaben der zuständigen Rhön Energie fulda GmbH 2.500 bis 3.000 Besucher pro Tag. Zum Vergleich: Bei kühlen Temperaturen sind es 600 bis 700 Badegäste, bei Regenwetter kommen gerade einmal um die 100 abgehärtete Stammgäste. Das Freibad hatte im Jahr 2017 rund 111.000 Besucher. Da schon im Mai schönstes Badewetter geherrscht habe, "sind wir vorsichtig optimistisch, dass wir die Vorjahreszahl übertreffen können", heißt es aus der Pressestelle der Rhön Energie fulda GmbH. "Vorausgesetzt, es kommt jetzt keine Schlechtwetterperiode." Trotzdem: Egal wie hoch die Besucherzahl auch ausfalle, ein Plus werde das Bad nicht einfahren können: "Insgesamt sind alle Bäder Zuschussbetriebe und müssen subventioniert werden."

Forstamt bangt um Bäume

Im hessischen Ried bei Lampertheim (Bergstraße) leidet der Wald besonders. "Durch die Lage an der Oberrheinebene haben wir deutlich höhere Durchschnittstemperaturen und Spitzenwerte und weniger Niederschlag", berichtet Ralf Schepp, Forstamtsleiter Lampertheim. Erschwerend komme hinzu, dass das hessische Ried unter anderem Darmstadt, Wiesbaden und Frankfurt mit Trinkwasser versorgt. "Durch die Wassergewinnungsanlagen im Wald ist der Grundwasserspiegel so weit abgesunken, dass die Bäume keinen Anschluss mehr haben", beklagt der Forstamtsleiter. Die Folgen zeigen sich in seinem Wald. Auf rund 50 Hektar habe er Eichen, Hainbuchen, Birken und Kiefern angepflanzt, jetzt mache die Dürre ihnen zu schaffen. "Im schlimmsten Fall stehen sie den Sommer nicht durch."

Bauern ernten früher

Wegen des hochsommerlichen Wetters haben die Bauern in den Mittelgebirgslagen bereits den ersten Winterweizen geerntet, also zwei bis drei Wochen früher als üblich. Der Hessische Bauernverband rechnet mit Einbußen, da der Weizen eigentlich noch nicht voll ausgereift ist. "Aber wenn eine Pflanze über Wochen hinweg kein Wasser bekommt, vertrocknet sie", erläutert Sprecher Bernd Weber. Grundsätzlich sei die Situation in Hessen aber sehr unterschiedlich: "Es gibt Bereiche, in denen die Bauern mehr unter der Trockenheit leiden, andere haben zwischendurch mehr Regen abbekommen - die Lage ist von Gemarkung zu Gemarkung anders." Wegen der anhaltenden Trockenheit besteht zudem auch die Gefahr von Feldbränden.

Für Trinkwasser: Grundwasser wird mit Wasser aus dem Rhein angereichert

Trotz des trockenen Sommers ist das Trinkwasser in der Rhein-Main-Region gesichert. Größtenteils wird es für die Metropolregionen aus dem hessischen Ried gewonnen. Nach Angaben von Hessenwasser wird dem dortigen Grundwasser zusätzlich Wasser aus dem Rhein dazugegeben, bevor es Monate später wieder entnommen und aufbereitet wird. "So überstehen wir auch trockene Perioden", erläutert Hubert Schreiber, Sprecher von Hessenwasser. "Grundsätzlich sitzen wir aber auf einem guten Puffer, weil es im vergangenen Winter und im Frühjahr viel geregnet hat." Hessenwasser beliefert rund zwei Millionen Menschen in Hessen mit Wasser, darunter die Großstädte Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt.

Den geringsten durchschnittlichen Trinkwasserbedarf hatten 2016 übrigens die Einwohner in Offenbach mit 110,5 Litern pro Person und Tag. Gegenüber 2013 sparte nach Angaben des Statistischen Landesamtes jeder von ihnen 8 Prozent ein, so viel wie nirgendwo sonst in Hessen. Im Durchschnitt verbraucht jeder Hesse täglich 127 Liter Wasser.

Frankfurter Grünflächenamt pflanzt Bäume aus heißeren Ländern an

Die zunehmenden Trockenperioden wirken sich auch auf die Arbeit des Grünflächenamts der Stadt Frankfurt aus. Rund 5.000 Bäume im Stadtgebiet lässt das Amt zurzeit fast alle 14 Tage wässern, berichtet Abteilungsleiter Bernd Roser. "Normalerweise reichen von Mai bis September sechs bis acht Wässerungen." Ein Bewässerungswagen verabreicht den meist jungen Bäumen dann jeweils rund 150 Liter Wasser. Sollte die Hitzeperiode weiter andauern, rechnet Roser mit zusätzlichen Kosten von rund 400.000 Euro, das wäre fast doppelt so viel wie üblich.

Außerdem setzt die Stadt vor dem Hintergrund des Klimawandels vermehrt auf Bäume aus südlichen Regionen. Die Bäume aus dem Mittelmeerraum, Afrika und Asien ersetzen die hiesigen Bäume, die Trockenperioden weniger gut überstehen. So sei eine Allee an der Holbeinstraße in Nähe des Mainufers mit Schnurbäumen aus Asien gepflanzt worden, nachdem die Hitze die dortigen Robinien eingehen ließ.

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Und die Tiere in den Zoos?

Eisbomben, Ziegenblut-Leckereien und schattige Plätzchen: Was hessische Zoos unternehmen, damit ihre Tiere keinen Hitzestress leiden. [mehr]

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