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Aprilscherze in Hessen 2022

Bildcollage aus verschiedenen Elementen: Links ein Bild des Wiesbadener Hauptbahnhofs mit einer schwarzen runden Fläche darunter, in der Mitte ein Bild des Turmes auf dem Schläferkopf, von dem eine fiktive Bobbahn mit Bobgefährt sich herunterschlängelt und rechts ein Helikopter in der Luft mit einem NVV-Logo drauf.

Eine Profi-Rodelbahn, ein ÖPNV-Hubschrauber und Gasvorkommen unterm Hauptbahnhof: Mit diesen Meldungen haben Zeitungen, Parteien und Gemeinden die Hessen am 1. April aufs Glatteis geführt.

Achtung, Glatteisgefahr! Heute nicht nur auf den Straßen, sondern auch beim Durchscrollen der Social-Media-Seiten und beim Zeitunglesen. Am 1. April hat sich auch in Hessen wieder scheinbar Skandalöses, auf den zweiten Blick aber kreativ Erfundenes unter die Schlagzeilen gemischt.

Diese Aprilscherze haben sich Zeitungen, Parteien und Gemeinden heute mit den Hessinnen und Hessen erlaubt:

Looping-Rutsche mit Parkhaus in Fulda

Bei Außentemperaturen von minus zwei bis vier Grad ließ es sich die Fuldaer Zeitung nicht nehmen, mit ihrem Aprilscherz schon mal Lust auf die Freibadsaison zu machen - und kündigte für den Sommer den Bau einer gigantischen Looping-Rutsche an:

Ein wahres Wunderwerk, das von der EU gefördert werde und vom Dach eines neuen Parkhauses ins Schwimmbecken des Rosenbades führen solle. Dafür werde eigens eine "Park & Slide Anlage" gebaut, sodass Besucher direkt nach dem Parken ins Bad rutschen können.

Was für ein Glücksfall für die Stadt, denn – so die Geschichte der Zeitung – die Rutsche sei bereits fertig gebaut und sollte eigentlich ins sonnige Kalifornien verschifft werden. Wegen der schwierigen Weltlage sei der Transport jetzt aber so teuer geworden, dass der Golden State sie abbestellt habe und stattdessen Fulda in den Genuss seiner ersten Freiluft-Reifenrutsche mit Fahrstuhl komme.

Wiesbaden winkt Wintersport-Weltruhm

Sportlichen Weltruhm witterte der Wiesbadener Kurier und führte Leserinnen und Leser mit dieser Meldung aufs Glatteis: Eine Bobbahn plus Sportzentrum für rund 68 Millionen Euro solle vor den Toren der Stadt entstehen.

Am Schläferskopf, einem beschaulichen Fleckchen Wald mit steiler Schlängelstraße und denkmalgeschütztem Turm, würden ab 2026 Bob-Größen wie Kim Kalicki durch den neuen Eiskanal ins Tal sausen.

Für die "Siebenschläferbahn" müssten zwar 178 Bäume fallen, dafür solle aber ein "Gästebob" auch Touristen aus aller Welt nach Wiesbaden locken – "sogar aus Jamaika."

Hubschrauber im Kasseler Nahverkehr

NVV-Aprilscherz-Foto zeigt Helikopter mit NVV-Logo

Natürlich - kein 1. April ohne Scherze über den öffentlichen Nahverkehr: "The sky's the limit… aber nicht mehr für den NVV!", schrieb der Nordhessische Verkehrsverbund auf Instagram und postete ein Foto von einem glänzend-neuen Helikopter mit NVV-Logo.

Buchen könne man ganz einfach per NVV-Mobil-App: Von Kassel-Calden per Heli nach Bad Wildungen in nur 15 Minuten.

"Unser neuer NVV-Premium-Helikopter-Service ist perfekt, wenn du das Wochenende in der schönen Kur-Stadt Bad Wildungen verbringen möchtest, aber keine Lust auf den lästigen Feierabendverkehr hast", so die Werbebotschaft des Verkehrsverbundes. Tja, klingt verlockend, aber: April, April!

Frankfurt ist (k)ein Ponyhof

Auch der Frankfurter Stadtverordnete Thomas Bäppler-Wolf (SPD) wollte der Presse einen vom Pferd erzählen – oder vom Pony: Per Pressemitteilung verschickte er die Info, er selbst sei aus der SPD und sein Kollege Nico Wehnemann aus der Partei Die Partei ausgetreten, um eine neue Fraktion zu bilden.

Der neue Name: PADM "Ponys an die Macht" – ein Zusammenschluss mit der Gartenpartei. Ziel sei der "Kampf gegen Bauunternehmer, Grünflächenzerstörer, Ponyhofvertreiber und überhaupt gegen die Menschheit" – nun ja.

Gasvorkommen unterm Hauptbahnhof

Der Wiesbaden Hauptbahnhof aus einer Unterführung heraus fotografiert.

Wenn wir kein Gas mehr aus Russland bekommen, dann erfinden wir einfach welches – so oder so ähnlich könnte der Aprilscherz der Linksfraktion im Hessischen Landtag entstanden sein. Sie veröffentlichte die Meldung: "Große Gasvorkommen unter Wiesbadens Hauptbahnhof entdeckt - Bahnhof kurz vor dem Abriss?"

Bei zufälligen Bohrungen in der Nähe des Hauptbahnhofs seien riesige Gasvorkommen entdeckt worden. Deshalb gebe es offenbar konkrete Pläne, das Gebäude abzureißen – und dies mit einem Festakt zu begehen.

Die Linke beschwört in der Scherz-Mitteilung ein neues Verkehrschaos für Wiesbaden und Rhein-Main herauf: "Sollte es zum Abriss des Hauptbahnhofs kommen, müsse Wiesbaden - zumindest bis zum Bau eines neuen Bahnhofs - wie zu Kaiser Wilhelms Zeiten mit Zeppelinen angeflogen werden."

Riesling per Glasfaserkabel

Technische Raffinessen hat sich die Stadt Bad Schwalbach (Rheingau-Taunus) für ihren Aprilscherz ausgedacht: Damit aus dem dortigen Weinbrunnen tatsächlich bester Winzer-Riesling fließen kann, hätten zwei Unis eine neue Methode des digitalen Weintransports entwickelt:

Dabei werde der Riesling noch im Keller des Winzers im 18 Kilometer entfernten Kiedrich in ein "feines Aerosol" verdampft, schreibt die Stadt. "Der Verdampfer ist mit dem Internet-Router im Weingut verbunden und sendet das Aerosol so auf die Reise von Kiedrich nach Bad Schwalbach." Möglich werde das durch das "hohle Innere" der Glasfaserleitungen. Und jetzt noch nicht aussteigen - es geht weiter: Im Keller des Weinbrunnens wiederum sei ein Router mit einem "Verflüssiger" installiert, der das Aerosol wieder in Riesling zurückverwandele. "Ohne Geschmacksverlust", versteht sich.

Zum Schluss schieße der gute Tropfen dann überirdisch aus einem der zwölf Ausläufe des Weinbrunnens. Aus welchem genau, dieses Geheimnis hüten allein die Bewohnerinnen und Bewohner von Bad Schwalbach.