Polizist mit Rücken zum Betrachter und Radarmessgerät an Strasse

Autofahrer, die am Mittwoch zu flott unterwegs waren, wurden womöglich schneller als sonst erwischt. Polizei und Kommunen haben an mehr als 200 Messstellen den Verkehr überwacht.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Landesweit Radarkontrollen der Polizei bei Aktionstag

Radarfalle an einer Straße
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Vorsicht, (Radar-)Falle! In Hessen haben am Mittwoch großanlegte Verkehrskontrollen stattgefunden. Zwischen 6 Und 22 Uhr nahm die Polizei beim "Speedmarathon" Raser ins Visier. Landesweit waren mehr als 500 Polizisten und Mitarbeiter der teilnehmenden Kommunen im Einsatz. Sie begaben sich an mehr als 200 Messstellen auf die Jagd nach Tempo-Sündern.

Die Kontrollstellen wurden vorab bekannt gegeben und waren in einer zwölfseitigen Übersicht aufgelistet. Es ging der Polizei nach eigenen Angaben nicht darum, möglichst viele Raser zu erwischen, sondern auf die Gefahr durch Raser hinzuweisen.

Am Mittwochnachmittag zog die Polizei eine erste Zwischenbilanz: "An vielen Stellen zeigte sich das Gros der Verkehrsteilnehmer offensichtlich gut informiert und hielt sich weitestgehend an die Geschwindigkeiten." Dennoch erwischten die Ordnungshüter auch einige Raser.

Mit 177 statt mit 100 km/h unterwegs

Auf der A3 war ein Pkw mit 177 km/h unterwegs statt mit den erlaubten 100. Deutlich zu schnell war auch ein Autofahrer auf der B255 im Lahn-Dill-Kreis: Bei ihm ergab die Messung 153 statt 100 km/h - und das auf regennasser Fahrbahn.

Eine ausführliche Bilanz zum Aktionstag wird die Polizei nach eigenen Angaben nicht vor Donnerstagnachmittag veröffentlichen.

Die Aktion fand im Rahmen einer europaweiten Kampagne statt mit dem Namen "Roadpol Speedmarathon". Roadpol ist ein kontinentales Polizei-Netzwerk, das die Zahl der Verkehrsunfallopfer senken will.

205 Unfalltote in einem Jahr

Die hessische Polizei appellierte vor dem "Speedmarathon" in einer Mitteilung: "Mit dem Druck auf das Gaspedal beeinflusst jeder Verkehrsteilnehmer die Sicherheit im Straßenverkehr und damit die Lebensqualität aller." Tempo-Verstöße seien keine Kavaliersdelikte.

Knapp 123.000 Verkehrsunfälle ereigneten sich im Vorjahr in Hessen. Mehr als 3.800 Menschen wurden dabei schwer verletzt, 205 Personen starben. Bei über einem Viertel der Schwerverletzten habe überhöhtes Tempo zum Unfall beigetragen, berichtet die Polizei. Bei Getöteten war dies bei knapp der Hälfte der Fall. "Damit ist Geschwindigkeit mit deutlichem Vorsprung die Hauptunfallursache bei Verkehrsunfällen mit Getöteten und Schwerverletzten", warnen die Beamten.

Mann mit Radarmessgerät 'Halt Polizei' Kelle im Vordergrund

Zwei Stundenkilometer machen großen Unterschied

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Straßenverkehr können zu mehr Sicherheit beitragen. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass die Reduzierung des Tempos innerorts um nur zwei Stundenkilometer die Zahl der Verunglückten um bereits 15 Prozent senkt. 

Hessen beteiligt sich seit Jahren am "Speedmarathon". Im Vorjahr zog die Polizei eine positive Bilanz. 310.000 Fahrzeuge wurden kontrolliert, deutlich mehr als in den Jahren zuvor. Mehr als 12.000 davon fuhren zu schnell. Die Quote der Verstöße lag damit bei 3,92 Prozent. Damit fiel das Ergebnis besser als zuvor aus (2018: 4,3 Prozent; 2017: 5 Prozent).

Innenminister: Menschen sensibilisieren

Innenminister Peter Beuth (CDU) resümierte dazu im Vorjahr: Die Aktion sorge dafür, dass die Menschen für das Thema Geschwindigkeitsverstöße sensibilisiert würden.

Der ADAC begrüßt zwar, wenn Verkehrsteilnehmer aufmerksam gemacht werden, zweifelt jedoch an der Nachhaltigkeit: "Da solche öffentlichkeitswirksamen Kontrollen nur einmal jährlich stattfinden, droht der Effekt schnell zu verpuffen", sagt Oliver Reidegeld vom ADAC Hessen-Thüringen in Frankfurt. Die Verkehrsteilnehmer könnten sich auf die erhöhte Blitzer-Gefahr einmal im Jahr leicht einstellen. "Danach gerät das Thema schnell wieder in Vergessenheit."

Im vergangenen Jahr gab es einige negative Ausreißer in der Blitzer-Bilanz. Beispiele: Auf der A480 beim Reiskirchener Dreieck fuhr ein Autofahrer 149 km/h statt der erlaubten 80. In der Innenstadt von Wiesbaden wurde ein Autofahrer mit 92 km/h geblitzt, erlaubt ist dort Tempo 50. Kopfschütteln verursachte eine Schulbus-Fahrerin. In Büdingen (Wetterau) donnerte sie mit 60 km/h durch eine 30er Zone - die Schulkinder hatte sie an Bord.

Erhöhung der Bußgelder beschlossen

Zu schnelles Fahren wird bald auch teurer: Die Verkehrsminister von Bund und Ländern haben sich in der vergangenen Woche auf einen neuen Bußgeldkatalog geeinigt. Wann er in Kraft tritt, ist noch nicht ganz klar. Aber sicher ist: Er enthält eine drastische Erhöhung der Bußgelder für Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung.

Dabei gilt das Motto: Je schneller, desto teurer. Wer mit dem Pkw innerorts zum Beispiel 10 km/h zu schnell ist, muss künftig 30 statt 15 Euro zahlen. Verdoppeln werden sich die Bußgelder auch in den weiteren Staffelungen. 11 km/h bis 15 km/h zu schnell bedeuten 50 statt 25 Euro, bei 16 km/h bis 20 km/h zu schnell werden 70 statt 35 Euro fällig.

Sendung: hr4, 21.04.2021, 06.30 Uhr