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Ermittlungen gegen Kronenschlösschen eingestellt

Anfang 2021 wurden im Rheingauer Gourmetrestaurant Kronenschlösschen Wein-Raritäten im Wert von 235.000 Euro gestohlen. Die Polizei verdächtigte die Betreiberfamilie, stellt nun aber ihre Ermittlungen ein - die Beschuldigten erheben schwere Vorwürfe.

Es sei "die größte Polizeiaktion, die in der Geschichte des Rheingaus je stattfand", gewesen, sagt Hans B. Ullrich, der in dieser Aktion vom Mai 2021 der Beschuldigte war. Die Vergangenheitsform ist hier wichtig, denn nun ist klar: Ullrich wird nicht länger verdächtigt, einen Versicherungsbetrug in seinem Gourmetrestaurant Kronenschlösschen in Eltville-Hattenheim (Rheingau-Taunus) fingiert zu haben.

"Die Ermittlungen haben sich in Luft aufgelöst", teilt Ullrich am Dienstag mit. Die Staatsanwaltschaft bestätigt die Einstellung des Verfahrens. Damit ende ein "skandalöses Verfahren", sagt Ullrich, "ein Albtraum für die Beschuldigten, für den Hotelbetrieb und für die mehr als 34 Personen Personal."

Geklaute Wein-Raritäten im Wert von 235.000 Euro

Begonnen hatte dieser böse Traum für ihn, seine Tochter Johanna Ullrich und den ebenfalls beschuldigten Sommelier des Kronenschlösschens in der Nacht zum 14. Januar 2021. Bis heute unbekannte Täter brachen in den mit rund 16.000 Flaschen gefüllten Weinkeller des Weinhotels mit Gourmetrestaurant ein, dem der Gault-Millau einst die beste Weinkarte in ganz Deutschland bescheinigt hat. Sie entwendeten gezielt Wein-Raritäten, nur die besten Flaschen, im Gesamtwert von 235.000 Euro.

Diese Schadenssumme meldete Ullrich seiner Versicherung und erstattete Anzeige gegen Unbekannt. Doch diese Anzeige sei nie verfolgt worden, sagt Ullrich. "Im gesamten Zeitraum von 20 Monaten hat die Kriminalpolizei Bad Schwalbach nicht ein einziges Gespräch mit mir oder meinem Vater geführt, geschweige denn eine Vernehmung", sagt seine Tochter.

Die nicht zahlende Versicherung und ein "Racheakt"

Stattdessen eröffnete die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen die Ullrichs und ihren Sommelier, gestützt auf "Spekulationen, Unterstellungen und Verdächtigungen", wie Hans B. Ullrich sagt. Und seiner Meinung nach beeinflusst durch zwei Personen: eine Sachbearbeiterin der Versicherung, die die Schadenssumme nicht ersetzen will - und einen Rechtsanwalt, der "einen Racheakt" gegen die Ullrichs führe.

Während die Versicherung der Familie unterstellt habe, so ein Einbruch könne nur mit Insiderwissen, also Unterstützung durch die eigentlich Geschädigten, gelingen, habe der Rechtsanwalt sich eigeninitiativ bei der Polizei gemeldet und Verdächtigungen geäußert. Diese hätten die Ermittler in der Folge als "Hinweise von außen" bezeichnet.

Die Ullrichs bezeichnen sie als persönliche Motive, weil der Rechtsanwalt einst der Geliebte von Johanna Ullrichs inzwischen verstorbener Großmutter gewesen sei, von der dieser sich mehrere hunderttausend Euro beschafft habe. Weil Hans B. Ullrich, ebenfalls Anwalt, dies mit weiteren Anwälten aufgedeckt habe, wolle sich der Mann rächen. "Man muss nur lange genug warten können ...", habe der Mann nach den Durchsuchungen bei den Ullrichs an Freunde der verstorbenen Großmutter geschrieben.

13 weitere Einbrüche nach ähnlichem Muster

Darauf, dass die Argumente der Ullrichs verfolgt werden, warten die Kronenschlösschen-Betreiber hingegen noch immer, sagen sie. Es habe während der Ermittlungen keine Anhaltspunkte für Täter von außen gegeben, teilt die Staatsanwaltschaft auf hr-Anfrage mit. Bei der Durchsuchung des Weinkellers habe die Polizei zudem einzelne Flaschen gefunden, die auch als gestohlen gemeldet wurden, daraus habe sich der Betrugsverdacht ergeben. Inventarlisten seien unvollständig gewesen, das Inventar sei über längere Zeit nicht beziffert worden.

"Die Polizei erhob diese Anschuldigungen, weil sie nicht die geringste Kenntnis vom Weinhandel hat", sagt Hans B. Ullrich. Die Beamten hätten aufgrund gleicher Etikettennamen angenommen, dass Weinflaschen identisch seien. Zudem habe er die fehlenden Bestände der betreffenden Weine innerhalb der vier Monate zwischen Einbruch und Durchsuchung offiziell wieder aufgefüllt. Dass sie insgesamt 13 weitere Einbrüche nach ganz ähnlichem Muster in wertvolle Weinkeller europaweit angemerkt haben, sei hingegen nicht weiter beachtet worden, sagen die Ullrichs.

Eher im Gegenteil: Im Abschlussbericht stehe der Vorwurf, dass die Ullrichs medial vorgegeben hätten, "dass die gestohlenen Weine vermutlich nach Asien gebracht wurden" - und somit die Arbeit der Polizei behindert haben sollen. Man habe nur aus bereits erschienenen Presseartikeln über die ähnlichen Einbruchdiebstähle zitiert, sagt Hans B. Ullrich dazu.

"Wein-Mafia", die Auftragsdiebstähle begeht

In besagten Artikeln ist nicht selten von einer "Wein-Mafia" die Rede, die Auftragsdiebstähle durchführen soll. Dass die Kriminalpolizei das ausschließe, ist für Ullrich "absurd", die Ansichten der Polizei bezeichnet er als "naiv und weltfremd".

Bei der eingangs erwähnten Polizeiaktion hatten früh morgens mehr als 40 Beamte mit Unterstützung eines bewaffneten Sondereinsatzkommandos die Privatwohnungen von Ullrich, seiner Tochter, sämtliche Geschäftsräume des Kronenschlösschens und die Wohnung des Sommeliers durchsucht, Akten und Computer beschlagnahmt. Fünf Tage lang standen 30 Polizeiwagen vor dem Restaurant, das direkt an der Bundesstraße 42 liegt.

Johanna Ullrich, die General Managerin im Hattenheimer Gourmetrestaurant Kronenschlösschen, steht vor einer Wand.

So etwas spreche sich im kleinen Rheingau natürlich schnell herum, jeder, der die Polizeipräsenz gesehen habe, habe angerufen und gefragt, was los sei, sagt Johanna Ullrich. In den sozialen Medien habe sie viel Häme und Unterstellungen lesen müssen, "Beleidigungen und Kommentare noch und nöcher", gefolgt von bösen Blicken und Ansprachen im Dorf. "Es ist für uns schon mal tröstend, dass wir zumindest in der Öffentlichkeit nun nicht mehr als Verbrecher dargestellt werden", sagt sie.

Geld ersetzt gereifte Weine nicht

Der Kampf gegen die Versicherung gehe nun aber weiter. Bis heute habe sie keinen Cent für den entstandenen finanziellen Schaden gezahlt. Hans B. Ullrich hat deswegen nach Abschluss der strafrechtlichen Ermittlung eine Zivilklage eingereicht - und will auch wegen Schädigung seiner Persönlichkeitsrechte und Verleumdung zivilrechtlich gegen mehrere Personen vorgehen.

Mögliche finanzielle Entschädigungen könnten aber ohnehin nicht wiedergutmachen, was ihnen verloren gegangen sei: Reputation und vor allem Wein. "Die gereiften Weine sind das, was von Wert ist", sagt Johanna Ullrich. "Wenn wir nun spätere Jahrgänge einkaufen, müssen wir lange, lange warten, bis wir sie wieder als Raritäten verwenden können."

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