Dirk (Mitte) und Petra Wunderlich (2.v.li.) stehen mit ihren vier Kindern und ihren beiden Rechtsbeiständen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.
Dirk (Mitte) und Petra Wunderlich (2.v.li.) stehen mit ihren vier Kindern und ihren beiden Rechtsbeiständen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Ein Ehepaar aus Ober-Ramstadt hat sich geweigert, seine vier Kinder in die Schule gehen zu lassen. Daraufhin kamen die Kinder für drei Wochen in ein Heim. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte urteilt: Das war rechtens.

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Vehemente Schulgegner aus Ober-Ramstadt (Darmstadt-Dieburg) haben vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) eine Niederlage erlitten. Das Gericht in Straßburg entschied, dass Jugendämter Kinder in Obhut nehmen dürfen, wenn sich die Eltern weigern, diese in die Schule zu schicken. Das Ehepaar hatte seine vier Kinder aus religiösen Gründen über Jahre zu Hause unterrichtet.

Daraufhin brachten die Behörden die drei Mädchen und den Jungen im Jahr 2013 für drei Wochen im Heim unter, um die Schulpflicht durchzusetzen. Die christlichen Eltern sehen dadurch ihr Menschenrecht auf Familienleben verletzt. Die Straßburger Richter stellten fest, dass die Behörden in dieses Recht zwar eingegriffen hätten. Die Gründe dafür seien aber "relevant und ausreichend". Zudem habe die Trennung nicht länger als nötig gedauert.

Die Kinder schwebten möglicherweise in Gefahr

Unterricht zuhause ist in Deutschland nicht erlaubt, sofern die schulpflichtigen Kinder nicht länger krank sind. Eltern, die ihren Kindern den Schulbesuch verweigern, drohen auch Haftstrafen.

Dem EGMR-Urteil zufolge hätten die deutschen Behörden Grund zur Annahme gehabt, dass die Kinder in Gefahr schwebten, isoliert waren und keinen Kontakt zu Menschen außerhalb der Familie hatten. Weniger strenge Maßnahmen hätten die Eltern durch fehlende Kooperation mit den Behörden verhindert. Das Urteil kann innerhalb von drei Monaten angefochten werden.