Gondel Kabine Meißner

Der Absturz einer Wartungsgondel, bei dem am Hohen Meißner drei Arbeiter ums Leben kamen, ist vielleicht doch durch menschliches Versagen verschuldet worden. Möglicherweise war eine Winde falsch zusammengebaut.

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Nach dem tödlichen Absturz einer Wartungskabine an einem Sendeturm auf dem Hohen Meißner zwischen Eschwege und Hessisch Lichtenau (Werra-Meißner) gibt es nach Angaben der Staatsanwaltschaft Kassel konkrete Anhaltspunkte dafür, dass der Unfall auf ein Fremdverschulden zurückzuführen ist.

Unternehmen durchsucht und Unterlagen sichergestellt

"So könnten mehrere Umstände im Zusammenwirken zum Unfallgeschehen beigetragen haben", sagte Justizsprecher Andreas Thöne am Montag. Zum einen bestehe der Verdacht, dass die Drahtseilwinde der Gondelanlage falsch zusammengebaut war. Die Verantwortung dafür liege möglicherweise bei einer Wartungsfirma in Brandenburg.

Zum anderen steht die Firma der verunglückten Mitarbeiter im Fokus. Die Gondelanlage habe möglicherweise so, wie sie aufgebaut und betrieben wurde, geltenden Sicherheitsanforderungen nicht entsprochen. "Diesen Verdachtsmomenten werden die Ermittlungsbehörden weiter nachgehen", erklärte Thöne. Beide Unternehmen seien durchsucht und Unterlagen sichergestellt worden.

Aufbau neuer Antenne

Bei dem Absturz Anfang September waren ein 50-Jähriger aus Neureichenau (Bayern), ein 46-Jähriger aus Karlsruhe (Baden-Württemberg) und ein 27-Jähriger aus Dülmen (Nordrhein-Westfalen) ums Leben gekommen.

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Der Sendemast gehört dem Hessischen Rundfunk. Die Fremdfirma aus Berlin hatte wenige Tage vor dem Absturz damit begonnen, eine neue Antenne für den Digital-Hörfunk DAB+ aufzubauen. Auch der Mitteldeutsche Rundfunk wollte die Anlage nutzen, um die Versorgung im Grenzgebiet zwischen Hessen und Thüringen zu verbessern.

Aus 50 bis 80 Metern in die Tiefe gestürzt

Für die Installation sollten die Mitarbeiter in einer Gondel durch eine Seilwinde nach oben gezogen werden. Laut Staatsanwaltschaft hatte einer der Mitarbeiter den Dieselmotor der Winde vorgeglüht und gezündet, dann stiegen zwei Kollegen zu ihm in die Gondel und legten Sicherheitsgurte an. Doch in einer Höhe von 50 bis 80 Metern stürzte die Gondel plötzlich in die Tiefe.

Nach dem Unfall hatten die Ermittler zunächst von einem technischen Defekt im Bereich der Seilwinde gesprochen. Doch Untersuchungen des Amts für Arbeitsschutz beim Regierungspräsidium Kassel und ein Sacherstverständiger der Prüforganisation Dekra führten die Ermittlungen in eine neue Richtung.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 18.11.2019, 14:20 Uhr