Aufräumen in Edelsberg
Seit vier Tagen auf den Beinen - Helfer in Edelsberg Bild © Rebekka Dieckmann (hr)

Gewitter und starker Regen haben auch am Donnerstag in Hessen Straßen und Keller unter Wasser gesetzt. Im Vergleich zu den Vortagen waren die Schäden aber gering. Nur nicht in Edelsberg: Zum vierten Mal in vier Tagen rollte eine Schlammlawine durchs Dorf.

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Vier Mal Hochwasser in vier Tagen. Den Weinbacher Ortsteil Edelsberg (Limburg-Weilburg) hat es am Donnerstag schon wieder getroffen. Gewitter und Starkregen spülten rund 50 Zentimeter dicken Schlamm durch den Ort.

Gemeindebrandinspektor Mario Biermas kann es kaum fassen: "Das ist viel Dreck, der von den Äckern runtergespült wird. Der lässt sich nicht richtig absaugen. Es ist einfach nur eine dicke Pampe." Dabei war Hochwasser in Edelsberg noch nie ein Thema. Der Ortsteil liegt am Berg, ein Fluss ist nicht in Sicht.

Aufgeweichter Acker

Das Problem: Etwas oberhalb des Ortsrands liegt ein Acker. Und der ist nach mehreren Unwettern inzwischen so aufgeweicht, dass jeder neue Starkregen direkt eine neue Schlammlawine auslöst – und die rollt dann auf eine besonders tief liegende Kreuzung zu und direkt in die umstehenden Häuser rein.

Auch eine Autowerkstatt ist betroffen: "Ich wohne hier jetzt 65 Jahre", sagt Besitzer Erich Haibach. "Aber sowas ist mir noch nie passiert. Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag. Seit vier Tagen stehen wir hier unter Wasser. Ich habe im Bett gelegen, weil ich nicht mehr konnte. Dann fing es an zu donnern und dachte noch: Jetzt musst du mal gucken. Ich habe den Schlafanzug noch unten drunter.“

"Einen Ortsteil weiter schien die Sonne"

Bürgermeister Jörg Lösing (parteilos) hielt die Nachricht von der neuen Schlammlawine zuerst für einen Scherz: "Ich wohne einen Ortsteil weiter und da schien die Sonne, dann kamen drei Tropfen Regen runter."

Feuerwehr und Technisches Hilfswerk haben in Edelsberg inzwischen 4.500 Sandsäcke vor den Häusern verteilt. Freiwillige Helfer packen mit an und füllen sie. Bagger schaufeln weitere 90 Tonnen Sand in überdimensionale Plastiksäcke, vor allem um den Acker flutsicher zu machen. Denn für Freitag sind neue Unwetter angesagt.

Andernorts glimpflicher Tag

An anderen Orten in Hessen standen am Donnerstag vereinzelt Straßen und Keller unter Wasser, größere Schäden gab es nach Polizeiangaben aber nicht. Auf dem Hessentag in Korbach wurden wegen Starkregens zwischenzeitlich die Fahrgeschäfte eingestellt und öffentliche Gebäude zum Unterstellen geöffnet. Auf der A3 zwischen Limburg-Süd und Bad Camberg kam es laut Polizei kurzzeitig zu einer Überflutung der Fahrbahn.

Auf einer Kreisstraße bei Werschau spülte Regen Dreck auf die Straße und sorgte kurzzeitig für Verkehrsbehinderungen. In der Wetterau standen nach Polizeiangaben auch manche Straßen kurzzeitig unter Wasser. In Rosbach schlug ein Blitz in ein Haus ein. Im Südosten wurden einige Straßen und Keller überflutet. "Es gab aber nichts Außergewöhnliches", sagte ein Polizeisprecher. Bei Brensbach im Odenwald rutschte ein kleiner Abhang auf die Straße. Nahe Wald-Michelbach in Südhessen stürzte ein Baum um.

[In einer früheren Fassung des Berichts war von 90.000 Tonnen Sand in Plastiksäcken die Rede. Richtig muss es heißen 90.000 Kilogramm oder 90 Tonnen. Wir bitten um Entschuldigung.]